Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Verantwortlicher für Speyers Katholiken: Der Pfarrer mit dem Managementstudium

Neuer verantwortlicher Seelsorger für fast 14.000 Katholiken in Speyer: Thomas Ott.
Neuer verantwortlicher Seelsorger für fast 14.000 Katholiken in Speyer: Thomas Ott.

Es sind bewegte Zeiten für Thomas Ott. Er hat als zweitjüngster Pfarrer die größte Pfarrei im Bistum Speyer übernommen und steht kurz vor seinem zweiten Studienabschluss.

„Ich möchte Kirche in Speyer gestalten und den christlichen Glauben leben“, sagt Thomas Ott. Er ist 35 Jahre alt und geht schon in sein zehntes Jahr als katholischer Priester. Im März hat er die Verantwortung für die Dompfarrei Pax Christi übernommen, zu der das gesamte Stadtgebiet gehört. Sie zählt rund 13.700 Katholiken – so viele wie keine andere Pfarrei im Bistum. Für den neuen „Administrator“, wie sein Leitungsposten in der Pfarrei nach dem Wechsel von Vorgänger Matthias Bender in den Ruhestand heißt, ist Speyer kein Neuland: Er ist hier 2017 zum Priester geweiht worden und seit 2023 als Pfarrer und Domvikar tätig.

Die neue Aufgabe ist mit viel Verantwortung verbunden. Ott legt Wert darauf, dass er sie zusammen mit dem Sekretariats- und Pastoralteam – für die Zeit ab September hofft er noch auf einen weiteren Priester – sowie mit vielen Ehrenamtlichen wahrnimmt. Dass nun für ihn auch viele Verwaltungsaufgaben dazugekommen sind, nimmt er gerne hin, weil diese Grundlagen dafür seien, „dass Seelsorge stattfinden kann“. Ott blickt darauf nicht nur durch die Brille des Theologen, sondern auch als designierter „Master of Business Administration“ (MBA) für Unternehmensführung. Auf diesen Abschluss hat er in den vergangenen vier Semestern an der Hochschule Ludwigshafen hingearbeitet und darf ihn tragen, sobald seine Abschlussarbeit fertig ist und den Ansprüchen genügt.

Neues von der Hochschule

Der Titel der Arbeit gibt einen Hinweis darauf, warum sich Ott für das berufsbegleitende Studium entschieden hat: „Leadership als Erfolgsfaktor in der Transformation der Kirchen“. Es entspreche nicht nur seinen persönlichen Interessen, sondern sei auch beruflich relevant. Kirche verändert sich derzeit vielleicht stärker als zuvor, und Ott wird Führungsqualitäten zeigen müssen, wenn Pax Christi in eine neue, größere Einheit überführt wird. Im Bistum soll es in einigen Jahren nur noch neun statt bisher 70 Pfarreien geben, sodass Speyer zu einer Einheit gehören wird, die bis hinter Frankenthal reicht. „Kirche ist im Wandel. Ich versuche als Priester mit dem Managementstudium, den Transformationsprozess verantwortungsvoll zu gestalten“, sagt Ott. Es stünden noch viele Gespräche an, um die Gläubigen mitnehmen. „Die neue Struktur kann zukunftsfähig sein und länger Bestand haben“, betont er.

Bis dato ist der junge Pfarrer aber für die Kirchen allein in Speyer zuständig. Er hält in allen Stadtteilen Gottesdienste, besonders häufig allerdings im Dom. In der Kathedrale findet am Sonntag, 12. April, 18 Uhr, auch seine offizielle Amtseinführung mit anschließendem Umtrunk statt. Den Umgang mit den Gebäuden in seiner Pfarrei muss er nun ebenfalls moderieren. Aktuell fließe ein großer Teil der schrumpfenden Zuweisungen vom Bistum in deren Unterhalt. Ob sich am Bestand künftig etwas ändern muss, solle ein Gebäudekonzept aufzeigen. Es werde in den nächsten Monaten erarbeitet und dann für jede Immobilie mit Einschätzungen zum Sanierungsbedarf, zur pastoralen Bedeutung und zur Auslastung hinterlegt.

Kein Stillstand

Die Speyerer Pfarrei bestehe aus „engagierten Gemeinden“, ist Ott überzeugt, der als Kaplan auch schon Erfahrungen in Waldsee und Pirmasens gesammelt hat. Er ist zum Beispiel stolz auf deren Familienmessen- und Kinderkirchen-Angebote. Möglicherweise ein Ergebnis davon, aber auch vom „stark auf Freiwilligkeit basierenden Konzept“ sind nach Einschätzung Otts die im Bistumsvergleich hohen Quoten von Firmlingen bei Pax Christi. Auch das Thema Erstkommunion laufe gut. Er selbst wolle „verfügbar sein“ und dazu beitragen, dass die einzelnen Gemeinden noch stärker zusammenzuwachsen. „Wir spüren eine steigende Bereitschaft der Gläubigen, sich innerhalb von Speyer zu bewegen“, sagt Ott erfreut.

Da ist sie wieder, die Bewegung in den bewegten Zeiten für den dynamischen Pfarrer. Ausgleich zum Dienst für die Gemeinde findet er als Hobbyimker. Er betreut Bienenstöcke auf dem Gelände des Priesterseminars am Germansberg und macht daraus zusammen mit einem anderen Imker den leckeren „Dom-Honig“, der in der Dom-Info für den Erhalt der Kathedrale verkauft wird. Ein weiteres Hobby des aus Waldmohr im Kreis Kusel stammenden Theologen ist das Joggen. Auch dabei gibt’s keinen Stillstand.

St. Joseph und der Dom (hinten, Mitte): zwei der katholischen Kirchen im Verantwortungsbereich von Thomas Ott.
St. Joseph und der Dom (hinten, Mitte): zwei der katholischen Kirchen im Verantwortungsbereich von Thomas Ott.
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