Pfalz
Bistum Speyer: Beschluss über neue Pfarrei-Struktur im Juni 2026 geplant
Die Diözesanversammlung, das höchste Beratungs- und Entscheidungsgremium des Bistums Speyer, hat am Wochenende in Ludwigshafen über die künftige Struktur der katholischen Kirche in Pfalz und Saarpfalz diskutiert. Grundlage ist der Vorschlag, dass künftig neun Pfarreien das organisatorische Rückgrat bilden sollen.Die Debatte um die Reformpläne habe in gutem Miteinander und mit guter Beratungskultur stattgefunden, berichtete Theo Wieder (Frankenthal), gemeinsam mit Isabelle Faul (Pirmasens) Vorsitzender der Diözesanversammlung, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das heißt aber nicht, dass wir bei allem einer Meinung waren“, betonte Wieder. Schließlich gehe es bei der Strukturdiskussion um nicht weniger als die Frage: Wie kann vor Ort „gutes, pastorales Leben“ gestaltet werden?
Gestaltungsspielraum bei Gemeinden
Mit dem jetzigen Vorschlag, der statt einer ursprünglich beabsichtigten Stärkung der Dekanate nun neun Pfarreien mit einer Größe zwischen 47.000 (Speyer) und rund 9300 (Donnersberg) Gläubigen vorsieht, sei noch einmal „ein grundlegend anderer Weg“ eingeschlagen worden, so Wieder. Der müsse nun inhaltlich konkretisiert und diskutiert werden – „mit dem Blickwinkel von unten nach oben“, sagte der frühere Chef des Bezirksverbandes Pfalz und ehemalige Frankenthaler Oberbürgermeister. Der entscheidende Punkt aus seiner Sicht: die Menschen in den Gemeinden mitzunehmen und dafür zu begeistern.
Nach Darstellung von Isabelle Faul ist die Schlüsselfrage dabei diejenige nach der Rolle und Funktion der Gemeinden und damit der konkreten Gestaltung kirchlichen Lebens vor Ort. Der Gemeindebegriff sei im Entwurf des Bistums bewusst offen gehalten – das unterstütze Vielfalt auf dieser Ebene, erklärte Faul. Es gebe insofern keinen Automatismus, dass aus den bestehenden Großpfarreien, die im Zuge des Strukturprogramms „Gemeindepastoral 2015“ entstanden sind, automatisch die neuen Gemeinden werden. Ermöglicht werden soll, was den Bedürfnissen am ehesten entspreche. Geklärt werden muss nach Überzeugung Wieders das Verhältnis zwischen großen und möglicherweise sehr kleinen Gemeinden.
Wieder und Faul sehen „solide Basis“
Faul und Wieder sehen im bisher Vorgelegten eine „solide Basis“ für den weiteren Prozess. Es biete sich die Chance zu „neuer Motivation und neuem Miteinander“. Die Vorsitzenden der Diözesanversammlung hoffen, dass die künftige Struktur trotz anhaltenden Mitgliederschwunds und der damit verknüpften sinkenden Steuereinnahmen anderthalb bis zwei Jahrzehnte trage.
Der Plan sieht jetzt eine bis April andauernde sogenannte Resonanzphase vor, während der Rückmeldungen gesammelt werden. Bis zum geplanten Beschluss beim übernächsten Treffen der rund 60-köpfigen Diözesanversammlung im Juni 2026 sei ausreichend Zeit, um „mit der nötigen Intensität“ zu diskutieren, so Wieder.
Studie zu Missbrauch vorgestellt
Zweites großes Thema am Wochenende im Ludwigshafener Heinrich-Pesch-Haus: der im Mai vorgestellte erste Teil der Aufarbeitungsstudie zu sexuellem Missbrauch im Bistum Speyer nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Leiterin des Projekts an der Uni Mannheim, Professorin Sylvia Schraut, stellte die Ergebnisse der auf strukturelle Voraussetzungen für sexuelle, physische und seelische Gewalt konzentrierten Arbeit vor.
Das Thema sei für die Glaubwürdigkeit der Kirche nicht von den strukturellen Fragen und auch von den innerhalb des Synodalen Wegs diskutierten Punkten wie Pflichtzölibat und Frauenweihe zu trennen, sagte Theo Wieder. Vorläufig unterbrochen ist die mit dem Betroffenenbeirat im vergangenen Jahr begonnene Suche nach einer angemessenen Form des Gedenkens für Betroffene.