Otterstadt
Nach langen Diskussionen: Memoriam-Garten in Otterstadt eingeweiht
Ortsbürgermeister Theo Böhm (CDU) sprach am Freitagnachmittag auf dem Friedhof bei der Einweihung des Memoriam-Gartens von einem „besonderen Tag und wichtigen Schritt für die Gemeinde“. Mit dem gärtnerbetreuten Grabfeld reagiere die Gemeinde auf neue Bestattungsgewohnheiten. Die Gesellschaft habe sich verändert: Die berufliche Mobilität nehme zu, Familienmitglieder wohnten weit weg, Menschen lebten allein – es sei nicht mehr selbstverständlich, dass sich Familienangehörige jahrzehntelang um ein Grab kümmerten. Der Gemeinde sei es daher ein Anliegen gewesen, ein neues Bestattungsangebot, einen würdevollen Ort der Erinnerung zu schaffen.
Böhm erinnerte aber auch an die vielen Diskussionen im Gemeinderat, intensive Beratungen über den Standort und den damit verbundenen Wunsch, die Mammutbäume auf dem Friedhof zu erhalten. Letztlich sind neun Jahre vergangen, seit eine Fraktion die Idee für einen Memoriam-Garten eingebracht hatte. „Es war ein langer Weg mit guter Lösung“, sagte Böhm rückblickend. Die Resonanz auf das gärtnerbetreute Grabfeld mit geschwungenen Wegen, einem kleinen kreisrunden Platz als Mittelpunkt, Stelen und blühenden Stauden fiel bei den Besucherinnen und Besuchern durchweg positiv aus. Beigeordneter Lothar Ritthaler (CDU) dankte allen Beteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit. Offen sei noch die Entscheidung für eine Stele im Grabfeld für Sternenkinder – Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben.
108 Gräber stehen zur Verfügung
Ansonsten ist alles fertiggestellt: Im Memoriam-Garten können Menschen ab sofort in Särgen und Urnen, einzeln oder im Partner- oder Gemeinschaftsgrab beerdigt werden. Es gibt insgesamt 108 Grabformen. Die Pflege übernimmt die Gartenbaufirma Litz aus Schifferstadt, die den Memoriam-Garten konzipiert und in den vergangenen Monaten angelegt und bepflanzt hat. Claus Litz berichtete, dass der Standort für ihn eine Herausforderung gewesen sei, weil er die bestehenden Gräber in den Memoriam-Garten integrieren musste. Dafür hielt er Kontakt mit den Angehörigen, die ihm ebenfalls positive Rückmeldungen gegeben haben, erzählte der 76-jährige Gartenbaumeister, der in Otterstadt seinen sechsten Memoriam-Garten angelegt hat. Die Gartenbaufirma Litz arbeitete dafür mit den Schifferstadter Unternehmen Belas (Pflasterarbeiten) und Bartholomä (Steinmetz) zusammen – immer mit der Maßgabe, einen „Ort der Erinnerung“ und einen „Garten für Generationen“ zu schaffen.
Das ist ihnen gelungen: Ortsbürgermeister Böhm sprach von einem „Bild der Harmonie“ und dem Friedhof als „grünem Ort der Begegnung“. Der Memoriam-Garten werde sich im Laufe der Jahreszeiten verändern, aber immer schön anzuschauen sein. „Die Bepflanzung wird wie ein Teppich aussehen. Das Mulch hilft dabei, dass sich die Erde nicht so sehr erwärmt und weniger Wasser gebraucht wird“, erläuterte Litz. Seinen Angaben zufolge ist es möglich, an Gedenktagen Blumen abzulegen, die er wieder entferne, wenn sie nicht mehr schön anzusehen sind. Nach Absprache sei es auch denkbar, dauerhaft eine Schale an einem Bestattungsort zu installieren. Das Grabmal könne frei gewählt werden, orientiere sich aber an den örtlichen Gegebenheiten. Jeder Verstorbene werde genannt, es gebe keine anonyme Bestattungsform. „Denn Erinnerung braucht einen Namen“, sagte Böhm.
Einmal bezahlen, Pflege dauerhaft gesichert
Wer Interesse an einer Bestattung im Memoriam-Garten hat, schließt einen Dauergrabpflege-Vertrag mit der Firma Litz ab und überweist das Geld an die Genossenschaft der Friedhofsgärtner Rheinland-Pfalz/Saarland, die als Treuhandstelle fungiert und das Geld für die Pflege wiederum an die Gärtnereibetriebe auszahlt. Litz’ Preisliste zufolge kostet ein Urnengemeinschaftsgrab mit Gemeinschaftsstele im Memoriam-Garten in Otterstadt 3880 Euro, ein Urnenreihengrab mit Grabstein 7945 Euro, ein Urnenpartnergrab mit Grabstein 9985 Euro, ein Erdreihengrab mit Grabstein 12.250 Euro und ein Erdpartnergrab mit Grabstein 16.510 Euro. Der Preis wird zu Beginn der Laufzeit einmalig fällig und gilt für die gesamte Nutzungsdauer. Hinzu kommen die Gebühren für die Nutzungsrechte – je nach Grabart für 25 beziehungsweise 30 Jahre, die bei der Gemeinde zu entrichten sind.
„Ein Garten ist ein Symbol für das Leben. Ein Ort, an dem das Leben siegt“, sagte die protestantische Gemeindediakonin Marion Wagner, die sich wünscht, dass der Memoriam-Garten zum Ort der Hoffnung wird. Ihr Kollege, der katholische Pfarrer Ralf Feix, spendete den Segen, sodass Otterstadt nun einen weiteren würdevollen Ort der Erinnerung auf dem Friedhof hat.