Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Missbrauchsstudie vorgestellt: Stimmen aus den Kirchengemeinden

Deckt Taten und Strukturen auf: Aufarbeitungsstudie zu sexuellem Missbrauch im Bistum.
Deckt Taten und Strukturen auf: Aufarbeitungsstudie zu sexuellem Missbrauch im Bistum.

Gitta Zeller (Vorstandsmitglied Katholischer Frauenbund KDFB Pax Christi): „Ich finde die Studie gut. Diese Form der Aufarbeitung bietet Geschädigten auch die Möglichkeit, dass sie wirklich Gehör finden und nicht gegen verschlossene Türen laufen. Es ist sehr traurig, was passiert ist. Nicht nur in der Kirche, sondern auch in anderen Bereichen der Gesellschaft gibt es Fälle. Jeder ist aufgerufen, aufmerksam zu sein. Dass das Ganze nun einen so öffentlichen Rahmen hat, ist ein wichtiger Schritt, den die Kirche gehen musste. Wir Frauen werden das auch zum Thema machen.“

Markus Lamm (Pastoralreferent, Speyer-West): „Die Wissenschaftler haben gut gearbeitet. Ihre Ergebnisse machen sehr betroffen. Sie sind aber aus meiner Sicht nichts Neues. Zum Glück habe ich in meiner Dienstzeit seit 1998 nie so etwas erlebt. Für mich ist nun der Blick nach vorne das Entscheidende. Wir Aktive aus den Pfarreien sind geschult, wir wissen, was wir zu tun haben. Zum Glück haben sich die Strukturen gewaltig geändert. Vor ein paar Jahrzehnten hat das alles noch keinen wirklich interessiert. Inzwischen ist das Bewusstsein da, das ist das Allerwichtigste.“

Wiltrud Siepenkothen (Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, Pfarreirätin aus Schwegenheim): „Ohne Aufarbeitung kann es keine Prävention geben. Heute sind wir gesellschaftlich weiter und wollen Menschen Schutz und einen achtsamen Umgang mit dem Thema bieten. Das Schutzkonzept unserer Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini ist in einem langen Prozess mit vielen engagierten Christen entstanden und liegt dem Bistum Speyer zur Genehmigung vor. Oberste Maßgabe darin ist: Wir machen nur das, was der von Missbrauch Betroffene möchte.“

Sara-Marie Fluhrer (Vorsitzende DPSG Stamm Speyer Dom): Ich begrüße, dass die Studie von Externen einer renommierten Universität durchgeführt wird und – wie das Bistum heute Morgen mitteilte – erste Maßnahmen ergriffen wurden und weiterhin ergriffen werden. Es entsteht der Eindruck, dass sich ernsthaft mit diesem unfassbar wichtigen Thema befasst wird. Doch Aufarbeitung und das bisherige Handeln können nur erste Schritte sein. Es braucht echte Konsequenzen, die klar, transparent und glaubwürdig, aber vor allem wirksam sind, um den Betroffenen gerecht zu werden, für den Schutz zukünftiger Generationen und für eine glaubwürdige Aufarbeitung. Noch nicht verjährte Fälle sollten an die Staatsanwaltschaft weitergegeben werden, um eine strafrechtliche Aufarbeitung zu ermöglichen. Prävention ist mindestens genauso wichtig wie Aufarbeitung. Es ist entscheidend, die grausamen Geschehnisse weiter aufzuarbeiten, den Opfern so viel Gerechtigkeit wie möglich zu verschaffen, aus der Vergangenheit zu lernen und alles zu tun, dass so etwas – weder in diesem Bistum noch einem anderen – jemals wieder vorkommen kann. Denn es darf nicht vergessen werden: Die Sicherheit und das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen müssen bei der Kinder- und Jugendarbeit im Mittelpunkt stehen. Es ist unsere Pflicht als Erwachsene, alles Erforderliche zu ihrem Schutz zu tun und dabei mit aller Konsequenz zu handeln. Das gilt besonders für das Bistum Speyer. Erste Schritte wurden bereits unternommen, doch es braucht weiterhin entschlossenes und transparentes Handeln – mit echtem Willen zur Aufarbeitung, klaren Konsequenzen und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Abschließend möchte ich mich bedanken: Danke an alle Betroffenen für ihren Mut, denn ohne sie wäre diese Aufarbeitung nicht möglich.

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