Speyer
Forst: Umbau des Baumbestandes steht an
Die Stadt will die Bewirtschaftung ihrer Waldflächen auf eine neue Grundlage stellen. Ziel ist demnach eine „nachhaltige und naturnahe Waldwirtschaft“, um das „Ökosystem Wald gesund und widerstandsfähig zu erhalten und zu entwickeln“. So steht es im Entwurf der Nachhaltigkeitsstrategie für den Stadt- und den Bürgerhospitalwald, der im Umweltausschuss vorgestellt wurde. In ihrem „Speyerer Modell“ will die Stadt den Fokus auf eine zurückhaltende, extensive Bewirtschaftung ihrer rund 1000 Hektar Wald legen.
Im Mittelpunkt steht der Umbau des Baumbestands hin zu Arten, die den klimatischen Veränderungen gegenüber toleranter sind als Kiefer oder auch Buche. Gerade bei erstgenannter Art seien „flächenhafte Ausfälle“ festzustellen, sagte Revierförster Simon Henrich. Bedingt durch die längeren Trockenperioden in den vergangenen Jahren seien die Kiefern stark geschädigt, aber auch Buchen und sogar Eichen stürben ab. „Der ganze Standort ändert sich“, sagte Henrich. Angesichts dessen sei es die Frage, ob die bestehende Zusammensetzung von Baumarten in Speyers Wäldern überhaupt Bestand haben könne? Henrich will nicht ausschließen, dass die Lücken durch Bäume geschlossen werden, die rund um die Domstadt nicht heimisch, aber besser an die neuen Bedingungen angepasst sind.
Um langfristig wieder einen Vorrat an Holz aufzubauen, sieht das Speyerer Modell vor, den Einschlag unter dem Niveau dessen zu halten, was an Biomasse zuwächst. Bäume sollten nur „aus Gründen der Waldentwicklung, nicht der Holzproduktion“ entnommen werden. Auf den Einsatz von Erntemaschinen soll – wo möglich – verzichtet werden. Auch Brennholz für Speyerer Bürger solle nur bereitgestellt werden, wenn es bei den notwendigen forstlichen Eingriffen zur Pflege oder zur Verkehrssicherung anfällt.
Dies stieß im Umweltausschuss auf Kritik, da befürchtet wurde, dass Bürger, die Brennholz benötigten, in der Domstadt nicht mehr fündig würden. Henrich widersprach. Zum einen seien jährlich 45 Kilometer Strecke entlang von Wegen auf ihre Verkehrssicherheit zu überprüfen. Auch falle aus Pflegemaßnahmen immer noch genügend Holz an. Dazu kämen beträchtliche Mengen an absterbenden oder toten Bäumen, die noch auf Jahre hinaus aus dem Wald geholt werden müssten. „Die fallen sonst unkontrolliert um und zerschlagen dabei die aufwachsenden Jungbäume“, erläuterte Henrich. Zudem seien nicht mehr vitale Bäume eine große Gefahr auch für Waldarbeiter. Daher könne der Forstbetrieb „die Nachfrage aus Speyer nach Brennholz dicke decken“. Doch einen Einschlag rein um den Brennholzbedarf zu decken, werde es nicht geben.
Mit dem Aufwachsen eines Holzvorrates für die Zukunft müsse man jedoch Geduld mitbringen, sagte der Förster. In den nächsten Jahren würden die Kiefern-Bestände zum Großteil verschwinden. Der Aufbau eines Vorrats an Holz könne daher erst über die nächste Baumgeneration erfolgen. Der Entwurf des Speyerer Modells soll im nächsten Umweltausschuss am 20. März abschließend beraten werden.