Speyer
Kampf um Arbeitsplätze: Was TE Connectivity von Mann + Hummel unterscheidet
Wladislaw Wolter und Mathias Franz sind Politische Sekretäre bei der IG Metall im Bezirk Ludwigshafen-Frankenthal. Sie sind auch für Speyer zuständig. Wolter betreut die Mitarbeiter von Filterhersteller Mann + Hummel, der bis Ende 2028 sein Werk in der Domstadt mit 600 Mitarbeitern schließen will. Mit dem Kfz-Zulieferer TE Connectivity ist sein Kollege Franz betraut – und seit wenigen Wochen mit Plänen des Unternehmens konfrontiert, die Produktion mit rund 630 Mitarbeitern ebenfalls bis Ende 2028 zu schließen und nur 135 Entwicklungs- und Verwaltungsstellen in Speyer zu erhalten.
Der Metall- und Elektrogewerkschaft gehören in beiden Betrieben viele Personen an – Wolter und Franz kommen kaum noch zur Ruhe, seit die Firmenpläne publik geworden sind. Dabei sind ihre Herausforderungen nicht identisch. Es gehe um „zwei unterschiedliche Unternehmensentscheidungen“, betont Wolter. Man habe es aber auch mit zwei unterschiedlichen Belegschaften zu tun. Über Mann + Hummel sagt er: „Es handelt sich um einen Betrieb, in dem die Belegschaft entschieden hat, zu kämpfen.“
Die Gewerkschaft habe in dem Unternehmen in der Brunckstraße deutlich an Mitgliedern gewonnen, seit die Ludwigsburger Firmenzentrale die „strategische Weiterentwicklung“ des Produktionsnetzwerks angekündigt und Speyer zur Disposition gestellt hatte. Das Personal sei kommenden Montag in zwei Schichten zu (nichtöffentlichen) Mitgliederversammlungen in der Stadthalle eingeladen, so Wolter. Die Gewerkschafter sollten dabei auf den aktuellen Stand gebracht und zum weiteren Vorgehen befragt werden. Als Ziel nennt Wolter: „eine Zukunftsvereinbarung abschließen und den Standort erhalten“.
Öffentlicher Protest?
Aus IG-Metall-Sicht werden sich bei Mann + Hummel Schulungen und der Entwurf von Alternativen anschließen. Für August seien eine öffentliche Mitgliederversammlung oder eine Kundgebung in der Speyerer Innenstadt geplant. Die Wahl der Instrumente hänge auch vom Verhalten der Arbeitgeberseite ab, betont Wolter. Im Fall von Protestaktionen solle die Belegschaft von TE Connectivity einbezogen werden. Gewerkschaftssekretär Franz bestätigt das, macht aber auch deutlich, dass man mit den Planungen beim Hersteller von Steckverbindungen und Sensoren noch nicht so weit sei, wie beim Betrieb einige 100 Meter weiter im Industriegebiet West. Noch habe er ganz andere Sorgen.
Franz beklagt Versuche von „Union Busting“ bei TE: Die Gewerkschaftsarbeit werde sabotiert – dafür steht der aus dem angloamerikanischen Raum kommende Begriff –, weil aus Teilen des Managements Stimmung gegen die legitime Arbeit der IG Metall gemacht werde. Die Gewerkschaft würde nach seinen Angaben gern mit der Arbeitgeberseite über einen Tarifvertrag verhandeln, der andere Lösungen für das Speyerer Werk skizziert als die Schließung bis 2028. Ein möglicher Inhalt: Hohe Geldsummen, die für eine Produktionsverlagerung ins Ausland und Abfindungen für Speyerer Mitarbeiter nötig würden, könnten stattdessen in den Standort investiert werden, um eine künftige Produktpalette, einen Personalbestand und dafür nötige Fristen etwa von fünf oder zehn Jahren vertraglich zu vereinbaren.
Kraftakt erwartet
Dafür bräuchte die IG Metall breiten Rückhalt in der Belegschaft, so Franz. Es sei aber noch offen, ob sie diesen erhält – auch weil Mitarbeiter eingeschüchtert würden, damit sie nicht mit der Gewerkschaft zusammenarbeiten. Im Fall vom Falschbehauptungen behalte man sich rechtliche Schritte vor. Zur Vorgeschichte gehöre, dass bei TE schon in der Vergangenheit Stellen abgebaut und dabei von den Mitarbeitern als großzügig empfundende Abfindungsregelungen ausgehandelt worden seien. Sie würden dem Personal nun wieder schmackhaft gemacht, falls sich dieses wohlgefällig verhielte. „Nun geht’s aber ums Eingemachte, und die Menschen müssen verstehen, dass sie mit der Arbeitgeberseite nicht mehr in einem Boot sitzen“, sagt Franz.
Die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft sei bei TE weniger eingeübt, weil diese im nicht tarifgebundenen Unternehmen in der Vergangenheit keine so große Rolle gespielt habe wie zum Beispiel bei Mann + Hummel. Dazu kämen die kulturellen Unterschiede bei von den USA und Irland aus (TE) sowie in Deutschland gesteuerten Unternehmen (Mann + Hummel). Gleichwohl sei der Organisationsgrad auch bei TE zuletzt gewachsen. „Ideen haben wir genug, müssen aber zuerst die Reihen schließen“, sagt Franz. Das werde ein Kraftakt, gerade weil die Sommerferien anstehen. Ein weiteres Ärgernis für ihn: TE bestehe auf Verhandlungen über die weiteren Schritte am Verwaltungsstandort Bensheim, die IG Metall sei der Ansicht, dass diese in Speyer stattfinden müssten.