Speyer
Produktionsende bei TE Connectivity Speyer: 630 Arbeitsplätze betroffen
TE Connectivity hat nach eigenen Angaben am Mittwoch in einer Mitarbeiterversammlung mitgeteilt, die Produktion in Speyer bis Ende 2028 beenden zu wollen. Das Unternehmen stellt in der Siemensstraße in Speyer-West an einem früheren Siemens-Standort unter anderem Sensoren und Steckverbindungen her. Viele Kunden kommen aus der Automobilindustrie. Der Standort der Firma Mann + Hummel, die im April angekündigt hatte, ihr Werk in Speyer bis Ende 2028 zu schließen, liegt nur wenige hundert Meter entfernt.
TE spricht von einer Neuausrichtung des Standorts. In Speyer solle auf Engineering- und Verwaltungsfunktionen mit rund 140 Arbeitsplätzen „umgestellt“ werden. Der Schritt sei als Reaktion „auf ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld im Automotive-Sektor“ zu verstehen. „Dieses ist von schwacher Nachfrage in Westeuropa, anhaltendem Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie steigenden Anforderungen an Kosten, Nachhaltigkeit und Qualität geprägt und erfordert Anpassungen der Fertigungsstrukturen“, so das Unternehmen.
Aus bis Ende 2028
Geplant sei, die Produktion in Speyer bis Dezember 2028 schrittweise zu beenden. „Von diesen Planungen sind rund 630 Arbeitsplätze in der Produktion betroffen.“ Die konkrete Ausgestaltung werde mit den Arbeitnehmervertretern besprochen. Noch vor wenigen Tagen hatte der Betriebsratsvorsitzende von weggefallenen Stellen in den vergangenen Monaten, aber auch von einem grundsätzlichen Bekenntnis der Firmenspitze zum Speyerer Standort berichtet. Vor wenigen Jahren waren für TE rund 1000 Mitarbeiter in der Domstadt tätig.
„Die geplante Beendigung der Produktion in Speyer ist ausdrücklich keine Bewertung der Leistung, des Engagements oder der Kompetenz der Mitarbeitenden vor Ort“, heißt es in der Mitteilung. „Im Gegenteil: Die Unternehmensleitung weiß um die hohe Bedeutung des Standorts für die Beschäftigten, ihre Familien und das lokale Umfeld.“ Die Entscheidung sei das Ergebnis einer umfassenden Analyse und diene der Sicherung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Die Produktionslinien würden nach und nach abgebaut und in andere Werke verlagert. Nach RHEINPFALZ-Informationen wurden Wört/Dinkelsbühl in Bayern, aber auch Indien, Belgien, Tschechien und womöglich mit den größten Anteilen Marokko genannt.
Hilfe für Mitarbeiter angekündigt
„TE Connectivity ist sich seiner Verantwortung bewusst und wird den geplanten Stellenabbau im Rahmen der bestehenden tarifvertraglichen Regelungen umsetzen. Der Betriebsrat wurde informiert, Gespräche zur Umsetzung des bestehenden Rahmensozialplans werden umgehend aufgenommen“, so die Mitteilung weiter. Das Unternehmen kündigt Unterstützung und eine Zusammenarbeit mit Partnern wie der Agentur für Arbeit sowie potenziellen Arbeitgebern in der Region an. Ergänzend würden interne Qualifizierungs- und Bewerbungsangebote bereitgestellt sowie externe Beratungsleistungen unterstützt.
„Für Mitarbeitende, die das Unternehmen im Rahmen einvernehmlicher Lösungen verlassen, sind finanzielle Unterstützungsmaßnahmen vorgesehen“, so TE Connectivity, das Rückfragen der RHEINPFALZ dazu nicht beantwortet hat. Bei den Auszubildenden werde sichergestellt, dass diese ihre Ausbildung abschließen können. Auch mit politischen Entscheidungsträgern auf kommunaler und regionaler Ebene solle über die Auswirkungen der Entscheidung beraten werden.
Betriebsrat stellt sich für Verhandlungen auf
Für Altan Kilic, den Vorsitzenden des TE-Betriebsrats in Speyer, haben die internen Gespräche direkt nach der niederschmetternden Mitteilung begonnen. „Wir beraten nun, wie wir uns in den Verhandlungen aufstellen“, betont er. Er wolle auch politische und gesellschaftliche Akteure einbeziehen. Auf jeden Fall werde es um einen Interessenausgleich gehen. Der „Flurfunk“ habe schon in den vergangenen Tagen berichtet, dass es bei der für Mittwoch, 14 Uhr, angesetzten „Town-Hall“-Versammlung schlechte Nachrichten geben könnte. Er sei insofern nicht völlig überrascht, so Kilic. Das Entsetzen sei dennoch groß gewesen, so der seit 33 Jahren im Werk tätige Arbeitnehmervertreter. Die Fertigung sei deswegen bis Donnerstag, 14 Uhr, vorläufig stillgelegt worden. „Wir müssen nun auch an weitere Informationen kommen“, so Kilic. Zur konkreten Zukunft der Fabrikhallen etwa habe die Unternehmensleitung wenig sagen können.
TE Connectivity war als Unternehmen amerikanischen Ursprungs 1999 noch unter dem Namen Tyco nach Speyer gekommen. Es hatte für laut Presseberichten mehr als eine Milliarde Euro den ehemaligen Siemens-Bereich „Electronical Components“ erworben, zu dem der Speyerer Standort gehörte. Schon kurz darauf war für diesen laut Kilic von Schließungsplänen die Rede, die aber abgewendet wurden. Nach einem Tiefstwert von 350 Beschäftigten ging es – mit einigen Schwankungen – in den folgenden zwei Jahrzehnten wieder in den vierstelligen Bereich. Das Industrie- und Technologieunternehmen mit nach eigener Darstellung mehr als 90.000 Mitarbeitern hat seinen Hauptsitz seit 2024 in Galway (Irland).
Entsetzte Reaktionen
„Diese Nachricht muss erst mal sacken“, sagte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD), die ebenfalls am Mittwochnachmittag informiert wurde. Sie werde sich um Unterstützung und Informationen bemühen, insbesondere wolle sie wissen, was das Unternehmen getan habe, um den Standort Speyer zu erhalten. „Standortverlagerung scheint ein Trend zu sein“, sagte sie auch mit Bezug auf Mann + Hummel. Weil es ähnliche Nachrichten aus dem gesamten Land gebe, sei das nicht nur ein Speyerer Thema, sondern es müsse landes- und bundespolitisch über eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik beraten werden.
Vorsitzender des DGB-Stadtverbandes Speyer überrascht
Von der Entwicklung völlig überrascht zeigte sich auf Anfrage Yves Geiger. Er habe erst vor wenigen Minuten von der Mitarbeiterversammlung bei TE erfahren, so der Vorsitzende des DGB-Stadtverbandes Speyer. Der angekündigte Personallabbau in der Domstadt geschehe nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, ist der Gewerkschafter überzeugt. Vielen Unternehmen sei es offenbar wichtiger, immer höhere Gewinne zu erzielen, „als ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden“. Diese Entwicklung sei eine „Schweinerei“. Dabei gehe es nicht nur um die womöglich 630 betroffenen Arbeitsplätze bei TE. „Daran hängen ja noch viel mehr Jobs bei anderen Firmen, beispielsweise bei Zulieferern“. Der DGB werde zunächst das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern bei TE suchen und sich mit diesen darüber abstimmen, mit welchen Zielen man in die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber eintrete.



