Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Körperverletzungsprozess: Narben geben Rätsel auf

Schauplatz der mutmaßlichen Taten: Speyer-Nord.
Schauplatz der mutmaßlichen Taten: Speyer-Nord.

Die Beweisaufnahme im Prozess gegen einen 27-jährigen Speyerer gestaltet sich schwierig. Der Mann soll seine damalige Freundin zwischen Mai und Oktober 2020 in seiner Wohnung in Speyer mehrfach misshandelt haben. Auch eine Psychologin und eine Gerichtsmedizinerin konnten nur teilweise Erhellendes beitragen.

Die Gerichtsmedizinerin und die Traumatherapeutin sagten am Montag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Frankenthal aus, die das Verfahren des 27-jährigen Speyerers schon seit Wochen beschäftigt. Die Gerichtsmedizinerin hatte die Verletzte in deren Heimatstadt Köln am 17. Februar untersucht. Eine Polizeikommissarin begleitete die junge Frau damals offenbar zur seelischen Unterstützung, die sie wohl auch nötig hatte, denn sie habe sehr schwach gewirkt und sei immer wieder in Tränen ausgebrochen, so die Ärztin.

Das größte Problem, erläuterte die Gerichtsmedizinerin, sei gewesen, dass alle äußeren Verletzungen nach mehreren Monaten sehr gut verheilt und vernarbt waren. Bei diesem Wundbild sei es unmöglich, festzustellen, ob die Verletzungen vor einigen Wochen, einigen Monaten oder etlichen Jahren entstanden seien. Der Zustand der Narben sei gleich. So sei die Aussagekraft ihres Gutachtens, was die zeitliche Dimension betreffe, eingeschränkt.

Nicht Widersprüchlich

Fünf Narben seien laut der Verletzten in Speyer entstanden, eine kaum sichtbare auf der Innenseite der Mundschleimhaut, laut der Verletzten verursacht von einer brennenden Zigarette, ebenso am rechten Oberarm. Weitere Narben gab es am linken Oberschenkel. Am rechten Unterarm seien ihr eine Reihe feine Narben aufgefallen, laut der Untersuchten in früher Jugend selbst verursacht. Der angebrochene Brustwirbel könne auf einen Sturz zurückgehen, überhaupt sei einiges mehrdeutig. Widersprüchlich sei jedoch nichts.

Wenig erhellend für das Strafverfahren war die Aussage der Psychologin von der Traumaberatungsstelle. Im Befund dort, nach Auswertung eines von der Verletzten ausgefüllten Fragebogens, war es ausschließlich um die subjektive Befindlichkeit gegangen, ohne dass die tatsächlich stattgefundenen Ereignisse abgefragt oder eine Rolle gespielt hätten. So war aus der Zeugenaussage nur ersichtlich, dass es der Verletzten psychisch sehr schlecht ging. Sie habe deutliche Fortschritte gemacht, so die Psychologin, aber die Zeugenaussage vor Gericht habe sie wieder sehr zurückgeworfen. Sie habe alles nochmals durchleben müssen.

Schläge kassiert

Letzter Zeuge dieses Verhandlungstages war ein 21-jähriger Speyerer, der in der Nähe des Angeklagten wohnt und das Pech hatte, ihm und der Verletzten zu begegnen, als der Mann wütend auf die Frau einschrie. Ohne Vorwarnung habe er damals Schläge vom Angeklagten kassiert, so der Zeuge.

Nächster Verhandlungstag in Frankenthal ist Mittwoch, 28. Juli. Der Prozess kann nicht wie ursprünglich geplant in dieser Woche abgeschlossen werden. Es sind noch mehrere Termine im August und September angesetzt worden.

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