Speyer „Irritationen“ in der Hotel-Lobby
Die Hoteliers in der Speyerer Innenstadt sind sauer. Sie fürchten um ihr Auskommen, wenn viele Hotelbetten hinzukommen. In der Postgalerie will der österreichische Betreiber Amedia 2020 mit einem Vier-Betten-Haus und 120 Zimmern an den Start gehen. 50 Zimmer sollen ab Mitte 2019 im Airport-Hotel in der Heinkelstraße belegt werden, 111 Zimmer ab 2020 im Haus der Heidelberger Firma Erhard & Stern in der Waldstraße. „Wir haben in Speyer vier, fünf Monate mit starker Auslastung, den Rest des Jahres müssen wir kämpfen. Im Januar und Februar könnten wir eigentlich zulassen“, sagt Stefan Walch. Der Chef des Hotels „Alt-Speyer“ führt auch die Kreisgruppe Speyer/Germersheim des Deutschen Hotel- und Gaststätten-Verbands (Dehoga). Wie er könnten es viele Hoteliers nicht verstehen, warum der scheidende Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) stets für die Ansiedlung neuer Hotels geworben habe, betont Walch. Die bisherigen Betriebe kooperierten vorbildlich, leiteten Gäste weiter, wenn bei ihnen belegt sei, notfalls auch ins Umland. Die Dehoga-Betriebe hätten sich gewünscht, früher gehört zu werden, sagt Walch an die Stadt gerichtet. Hauptproblem aus seiner Sicht: Vielleicht ließe sich die Anzahl touristischer Besuche in Speyer mit mehr Werbung steigern – aber dann spielten diese in den Hotels immer noch nicht die entscheidende Rolle: „65 bis 70 Prozent der Gäste sind Geschäftsreisende. Woher sollen denn mehr Businessgäste kommen?“ Dafür fehle in Speyer etwa ein Kongresszentrum. Er habe mit zwölf Zimmern ein kleines „Nischenhaus“, sagt Walch. Damit sei es für ihn einfacher, diese Zimmer zu füllen als etwa für seinen Stellvertreter Ulrich Deisinger mit seinem „Löwengarten“, der bald in einer ganz ähnlichen Kategorie das Hotel in der Postgalerie vor die Nase gesetzt bekomme. Deisinger sagt: „Familiengeführte Betriebe werden künftig zu kämpfen haben.“ Er betreibe mit 33 Mitarbeitern 65 Zimmer und wundere sich schon, warum die Stadt Betriebe hofiere, die in Speyer keine Gewerbesteuer zahlten. „Aus meiner Sicht eine verfehlte Standortpolitik“, so Deisinger. Speyer sei eine von Tagestouristen geprägte Stadt, stehe in der Region in starker Konkurrenz und sei bei den Geschäftsreisen von der Konjunktur abhängig. „Auch rund um Speyer gibt’s immer mehr Hotelbetten.“ Christian Heck, Inhaber des „Hotels am Wartturm“, schlägt in dieselbe Kerbe: „Ich finde es fragwürdig, dass sich die Stadt Speyer proaktiv um eine neue Ansiedlung mehrerer Hotels bemüht, ohne gleichzeitig ein Konzept für die Belebung der Nachfrage für den Übernachtungstourismus zu etablieren.“ Heck bietet 17 Zimmer und sieben Appartements und sorgt sich um seine Gästezahl. Heute liege Speyer bei der Zimmerauslastung über das Jahr bei gut 60 Prozent und bei der Bettenauslastung bei knapp unter 50 Prozent. Heck rechnet die angekündigten neuen Betten – auch die Erweiterung der Jugendherberge sei zu berücksichtigen – hoch und kommt zu dem Schluss, dass die Nachfrage um 40 Prozent steigen müsste, um mit der neuen Konkurrenz das Auslastungsniveau zu halten. Zuletzt habe es indes nur eine jährliche Steigerung von 2,3 Prozent gegeben. „Ich sehe das vielleicht etwas gelassener als andere“, sagt Kai Harmsen, Direktor des Hotel & Spa Binshof der Lindner-Kette, des mit 132 Zimmern größten Beherbergungsbetriebs in Speyer. Seine Einstellung habe damit zu tun, dass sein Haus andere Gäste als die Innenstadt-Hotels anspreche, weil es vor allem mit seinem gerade für 1,7 Millionen Euro renovierten Spa-Bereich Gäste anziehe. „Jede neue Marke, die dazu beiträgt, Speyer bekannter zu machen, dient der Stadt“, betont er. Er habe aber auch großes Verständnis für die Sorgen seiner Kollegen. Rita Nitsche, Leiterin der Tourist-Info Speyer, weiß um die „Irritationen“, die es in der Branche wegen der angekündigten Neuansiedlungen gebe. „Wir müssen abwarten, wie es sich entwickelt.“ Sie spricht von einer heute recht guten Auslastung und nennt das Beispiel Trier, wo sich trotz der Ansiedlung dreier großer Häuser die durchschnittliche Auslastung nicht verschlechtert habe. Andererseits habe in Speyer der Wegfall der zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten im Bistumshaus St. Ludwig vor knapp einem Jahrzehnt zu keinem deutlichen Plus bei der Auslastung geführt. Die Serie Tourismus hat für die Stadt Speyer große Berufung. Mit dieser Serie wollen wir verschiedene Aspekte dieses Bereichs beleuchten.