Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Impfen: Kliniken üben keinen Druck auf Mitarbeiter aus

Klinik setzt auf Immunisierung: Diakonissen-Hebamme Laura Varchetta wird im Januar 2021 geimpft.
Klinik setzt auf Immunisierung: Diakonissen-Hebamme Laura Varchetta wird im Januar 2021 geimpft.

Neueinstellungen und Beförderungen nur noch mit Corona-Impfungen – diese Ankündigungen des Klinikums Ludwigshafen waren im Juni auf Kritik gestoßen. Die Speyerer Krankenhäuser setzen weiter auf Freiwilligkeit – und blicken nun auf die Politik, die Ständige Impfkommission und das Robert-Koch-Institut.

Von der Krisensituation Ende 2020 sind das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus und das St.-Vincentius-Krankenhaus derzeit weit entfernt. Damals waren nicht nur die Intensivstationen mit Covid-19-Patienten gefüllt, sondern es gab auch immer wieder Infektionen im Mitarbeiterkreis zu beklagen. Heute hat etwa das „Diak“ nur noch einen Corona-Patienten, der intensivmedizinisch behandelt und beatmet wird. „Seit Längerem liegt die Anzahl der Corona-Patienten auf vergleichbar niedrigem Niveau“, sagt Sprecherin Susanne Liebold. „Long-Covid“-Betroffene müssten derzeit nicht versorgt werden. Einzelne Patienten und Verdachtsfälle, Stagnation auf niedrigem Niveau – das meldet auch das „Vincenz“ zur Corona-Lage.

Zur Entspannung vor und hinter den Kliniktüren haben die Impfungen gegen das Virus beigetragen. Je nach Berufsgruppe zwischen 80 und 90 Prozent der Mitarbeiter seien geimpft, sagt Wolfgang Schell, Vorstand des St.-Vincentius-Krankenhauses. Das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus informiert auf Anfrage, rund 1600 Beschäftigten ab 18 Jahren ein Impfangebot im Haus gemacht zu haben. „Die Resonanz war sehr gut: Insgesamt rund 1080 Mitarbeitende haben beide Impfungen im Haus erhalten. Weitere Beschäftigte haben sich außerhalb des Hauses impfen lassen“, so Sprecherin Liebold. Eine Gesamtzahl könne sie nicht nennen, weil Mitarbeiter aus Datenschutz-Gründen ihren Impfstatus nicht angeben müssten.

Aufklärung wird großgeschrieben

Den Ludwigshafener Plan, die Impfung zur Voraussetzung für Einstellungen oder einen beruflichen Aufstieg zu machen, verfolgen die beiden Speyerer Häuser nach eigenen Angaben nicht. „Wir setzen bei diesem Thema in erster Linie auf interne Beratungsangebote sowie die Einsicht und das Verständnis unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, so „Vincenz“-Chef Schell. Aufklärung und Beratung seien dabei die Ansätze. „Darüber hinaus begrüßen wir den gesellschaftlichen Diskurs hinsichtlich der Wahrnehmung von Impfangeboten.“

Am „Diak“ wird laut Sprecherin Liebold die zuletzt auch politische Diskussion um Pflicht-Impfungen aufmerksam verfolgt. „Falls eine Corona-Schutzimpfung für Beschäftigte im Krankenhaus obligatorisch wird, werden wir sicherstellen, dass diese Vorgabe im Haus eingehalten wird. Grundlegend haben wir bislang aber auf Freiwilligkeit beim Impfen gesetzt.“ Persönliche Entscheidungen würden akzeptiert. Interesse zum Schutz aller Beteiligten bestehe dennoch an einer „möglichst lückenlosen Durchimpfung“. Folge: „Wir klären weiter auf.“ Beide Häuser beobachten auch die Debatte um Auffrischungs- oder Drittimpfungen, wie von Hersteller Biontech beantragt. Ansatz hier: Derzeit wird auf Äußerungen dazu der Ständigen Impfkommission, des Robert-Koch-Instituts und des Landes gewartet.

Mitarbeitervertretung schaut hin

Bei den Diakonissen stößt die Vorgehensweise auf Wohlwollen der Gesamtmitarbeitervertretung. „Der Träger motiviert, er übt keinen Druck aus“, betont Vorsitzender Michael Hemmerich auf Anfrage. Aus seiner Sicht ist diese Praxis richtig; eine gesetzliche Pflicht empfände er als problematisch. Er selbst sei im Impfzentrum und nicht beim Arbeitgeber geimpft worden, der auch nicht nachgefragt habe. Heißer diskutiert werde das Thema in anderen Bereichen des Unternehmens: Bei den Altenheimen etwa seien Lockerungsschritte für die Bewohner abhängig von der Impfquote der Mitarbeiter. Hier müsse dann doch nachgefragt werden. Nachfragen gebe auch aus anderen Bereichen, zum Beispiel zur Frage, warum Diakonissen-Personal in Kitas auf Masken verzichten dürfe, in der Behindertenhilfe jedoch nicht. Hier müsse dann auf die Vorgaben des Landes und der Gesundheitsämter verwiesen werden. Letztgenannte seien in der Pfalz nicht immer einheitlich.

Beim St.-Vincentius-Krankenhaus kann Udo Schantz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, noch keine Position zu möglichen Pflicht-Impfungen nennen. Das Gremium sei gerade neugewählt worden und müsse zunächst darüber beraten.

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Klare Empfehlungen sind das Beste

Die Impf-Kampagne steht vor entscheidenden Wochen.

In den Arztpraxen und Impfzentren fehlen aktuell die Interessenten an Corona-Impfungen. Viele hatten schon die Termine für den möglicherweise rettenden Piks, andere wollen nicht oder sind zu bequem. Sie müssen nun so zügig und so umfassend wie möglich erreicht werden, wenn die prognostizierten hohen Inzidenzen vermieden werden sollen.

Außerdem sollte es möglichst bald Aussagen zu anderen Aspekten geben. Will die Politik eine Impf-Pflicht für Personal im Gesundheitswesen? Hierzu ist im Vorfeld der Bundestagswahl am 26. September wohl ebenso wenig Klarheit zu erwarten wie zur Frage von Einschränkungen für Nicht-Geimpfte. Und wie geht es mit Kindern und Jugendlichen weiter? Sobald die Forschung dazu ausreicht, wären auch hier klare Empfehlungen das Beste.

St.-Vincentius-Krankenhaus.
St.-Vincentius-Krankenhaus.
Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus.
Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus.
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