Speyer
Idee einer „Trau(m)kirche“: Erneut Nachbesserungsbedarf bei St. Ludwig
Speyers zweitälteste Kirche ist seit einem Jahrzehnt entweiht und in privater Hand. Seit 2020 zeichnet Unternehmerin Doris Grethen für St. Ludwig verantwortlich. Sie hat für ihre Konzepte schon einigen Gegenwind erfahren: Nach früheren Plänen für ein Lokal der gehobenen Kategorie und danach eine Stätte für Urnenbeisetzungen in und um die Kirche will sie nun eine Traukirche einrichten. Wie die Stadtverwaltung, die diese Nutzung selbst angeregt hat, haben nun auch der dazu befragte städtische Gestaltungsbeirat und in einer ersten Reaktion der im Vorfeld teilweise kritische Eigentümerbeirat des angrenzenden Wohnquartiers Ludwigscarrée ihre Zustimmung signalisiert.
„Diese Nutzung erscheint sehr sinnvoll und angemessen“, sagte Gerd Kuhn, eines der Mitglieder im städtischen Gestaltungsbeirat. Aus dem unabhängigen Beratergremium kamen aber unter anderem Fragen zu den begleitenden Kultur- sowie Veranstaltungsnutzungen, die Grethen ankündigte, damit sich ihr Projekt finanziell trägt. Sie wolle einen Anziehungspunkt schaffen, der zur Vielfalt der Innenstadt beiträgt, betonte sie. Sie hoffe auf weitere Beteiligung der Stadt: Wenn diese sie unterstütze, könnte sie sich vorstellen, den Garten vor der Kirche tagsüber für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wenn alles ihr „Privatvergnügen“ wäre, eher nicht.
Das plant der Architekt
Grethen stellte ihre Pläne zusammen mit Architekt Burkhard Meyer (Karlsruhe) vor, der geplante bauliche Veränderungen skizzierte.
- In der Kirche soll die bisherige Empore verlängert werden, zum Beispiel durch eine filigrane Stahlkonstruktion mit möglichst wenigen, baumartigen Stützen. Dazu gab es Rückfragen des Beirats, aber keinen grundsätzlichen Widerspruch.
- Kritischer wird die Öffnung der drei Bögen am Seitenschiff der Kirche zur Korngasse hin gesehen. Sie sollen laut Meyer verglast, die historischen Rundfenster etwas höhergesetzt werden. Das sei „noch nicht ganz die Lösung“, die sie sich vorstelle, so Beiratsmitglied Edda Kurz.
- Das Dach des Seitenschiffs soll abgeflacht werden, um die Fenster von St. Ludwig nicht mehr zu verdecken. Davor könnten sich Meyer und Grethen eine angebaute Pergola vorstellen, damit der zusätzliche Eingang zur Kirche betont und eine Möglichkeit zum Unterstellen geschaffen würde. „Das wären mit dem Seitenschiff zwei Vorzonen, da sehe ich Fragezeichen“, so Beiratsvorsitzender Dietrich Gekeler.
- Das Hauptportal der Kirche sehen die Bauherren momentan durch die dicht angebaute Wohnbebauung entwertet. „Eine bedauerliche städtebauliche Situation“, so Grethen, die dort nun Stelen für eine optische Aufwertung vorsieht.
- An den schon früher vorgestellten Plänen, das Nebengebäude der Kirche zur Predigergasse hin in der Mitte aufzustecken, um eine zweite Nutzungsebene zu erhalten, will die Investorin festhalten. Sie benötige es als Lagerraum, Künstlergarderobe und auch kleinere Veranstaltungsstätte, um Einnahmen zu erzielen. Hierzu gab es im Beirat den meisten Widerspruch. „Brauchen Sie dieses Gebäude wirklich“, fragte Beiratsmitglied Luca Kist, der sich wie Gekeler überzeugt zeigte, dass es angrenzende Bäume nicht überleben würden, wenn ihnen das Gebäude näherrückte. Grethen widersprach dem deutlich.
So geht es weiter
„Wir sind noch in einem frühen Stadium. Das ist keine fertige, genehmigungsreife Planung“, ordnete Robin Nolasco, städtischer Fachbereichsleiter für Bauwesen, ein. Wenn sie fertig sei, müssten noch die Baubehörde sowie der Denkmalschutz beteiligt werden. Grethen betonte, dass unter anderem eine Planung für die Freifläche noch ausstehe. Diese solle aber auch „attraktiv strukturiert“ werden. Baubehörde und der Denkmalschutz beteiligt werden.