Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Plan für St. Ludwig: Ein Ort zum Heiraten

Historische Kirche in der Innenstadt: Auch die Außenanlage soll verschönert werden.
Historische Kirche in der Innenstadt: Auch die Außenanlage soll verschönert werden.

Neues Konzept für die ehemalige Kirche St. Ludwig: Speyers zweitältester Sakralbau nach dem Dom könnte zur Traukirche werden. Die Privateigentümerin will zum zweiten Mal ihre Pläne ändern und damit endlich die Widerstände brechen.

Vier Jahre ist es inzwischen her, dass die Speyererin Doris Grethen die entweihte Kirche aus dem 13. Jahrhundert erworben hat. Deren Umfeld in der Korngasse war zu einem Wohnprojekt entwickelt worden, das frühere Gotteshaus dem Investor jedoch ein Klotz am Bein gewesen. Grethen plante zunächst die Umgestaltung für hochwertige Gastronomie, stieß aber auf Kritik beim Denkmalschutz und bei Nachbarn. Ende 2023 schwenkte sie deshalb auf einen Kulturraum mit Friedhof für Urnenbeisetzungen um, was beim Lackmustest im städtischen Gestaltungsbeirat durchfiel: Es passe nicht zu der belebten Innenstadt.

Inzwischen gibt es neue Entwicklungen. „Die Stadt hat mir eine Nutzung als Traukirche vorgeschlagen, daraus habe ich ein Konzept entwickelt“, so Grethen auf Anfrage. Wenn am Montag, 10 Uhr, die Architekten des Gestaltungsbeirats im Stadtratssitzungssaal tagen, werde sie dieses erstmals öffentlich vorstellen. Es wäre eine gefragte und verträgliche Nutzung, die auch wirtschaftlich tragfähig wäre, sagt Grethen. Wenn sie die Genehmigung erhielte, würde sie im hohen sechsstelligen Euro-Bereich investieren, sagt die Betriebswirtin. Die Detailplanung stehe noch aus.

Rathaus-Trausaal reicht nicht aus

Klar ist die grundsätzliche Marschrichtung. Die Stadtverwaltung sei auf sie zugekommen, da sie dringend einen attraktiven Trausaal in der Innenstadt suche. Es gehe vorrangig nicht um kirchliche, sondern standesamtliche oder freie Trauungen. Das Altpörtel ist nicht mehr wie früher für Hochzeiten zugänglich, die Gotische Kapelle im Adenauerpark wird nur dreimal im Jahr bespielt, und auch der Trausaal im Historischen Rathaus hat seine Nachteile. Grethen spricht von Problemen vor allem bei Veranstaltungen in der Maximilianstraße: Etwa in der Weihnachtsmarkt-Zeit sei die Anfahrt für behinderte Hochzeitsgäste beschränkt und die Geräuschentwicklung angesichts nur einfach verglaster Rathaus-Fenster störend.

Die Stadt würde den Trausaal widmen und auf Wunsch mit Personal des Standesamts bespielen. Grethens Mieter wären jedoch die Hochzeitspaare, die sich zwischen den Trausälen in der Stadt entscheiden und die entsprechende Gebühr tragen müssten. „Ich habe mit dem Standesamtsleiter gesprochen und die Idee durchgerechnet“, sagt die Eigentümerin. Sie geht davon aus, dass es großes Interesse an ihrem Angebot gäbe, weil Hochzeiten immer individueller und die Gesellschaften immer größer würden. St. Ludwig sei flexibel nutzbar. Im Garten wären auch Trauungen unter freiem Himmel und Sektempfänge nach dem Jawort möglich.

Weitere Veranstaltungen geplant

Grethen zufolge würden die Eheschließungen alleine nicht reichen, um das Projekt zu finanzieren. Konzerte und Festlichkeiten könnten hinzukommen, aber die Hauptnutzung wäre die als Traukirche. Es wären einige Umbauten in dem nicht mehr zeitgemäß ausgestatteten früheren Gotteshaus nötig – aber nicht so viele wie für eine Nutzung als Restaurant. Diese wäre laut Grethen vom Tisch, wenn sie grünes Licht für eine Traukirche erhielte. Für Catering könnte eine kleine Küche eingebaut werden, zudem müssten Brandschutz, Strom, Heizung, Toiletten und Abwasserentsorgung hinzukommen. Den Außenbereich wolle sie attraktiv gestalten.

Mit Aussagen zum Zeitplan für eine Umsetzung hält sich Grethen zurück. „Die letzten vier Jahre haben mich gelehrt, dass es länger dauern kann“, begründet sie das. Der Gestaltungsbeirat wird am Montag befragt, Anwohner würden sich im Fall von Bedenken hörbar machen, die Stadtverwaltung müsste an Ende entscheiden. Grethen hofft, dass sie unterstützt wird – zumal die Idee mit der Stadt zusammen entwickelt worden sei. In der Vergangenheit hatte sich die Investorin hingegen schon beklagt, dass es ihr „sehr schwer gemacht“ worden sei.

Gotische Elemente: Blick an die Decke im Chor der Ludwigskirche.
Gotische Elemente: Blick an die Decke im Chor der Ludwigskirche.
In der Kirche: Doris Grethen.
In der Kirche: Doris Grethen.
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