Speyer „Ich bin sehr stolz auf die Deutschen“

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Ein wahres Urgestein der populären Musik steht am Sonntag, 11. Oktober, 20 Uhr, auf der Bühne der Dudenhofener Festhalle: Der britische Keyboarder Brian Auger gibt mit seiner Band „Oblivion Express“ und Sänger Alex Ligertwood ein Konzert. Unsere Mitarbeiterin Anne Kirchberg hat vorab mit dem 76-Jährigen gesprochen.

Mister Auger, noch sind Sie in Los Angeles – wie laufen die Vorbereitungen für Ihre Tournee?

Sehr gut, aber es gibt viel zu tun. Wir werden sechs Wochen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Belgien und Großbritannien unterwegs sein. Dafür müssen eine Menge Details geklärt werden. Mein Sohn Karma und ich kümmern uns um alles und schreiben ein Tour-Buch, damit jeder genau weiß, wann wir wo sind, wie viele Kilometer wir zurücklegen, ob an einem Tag ein oder zwei Konzerte anstehen und wann wir freie Tage einplanen, um unsere Wäsche zu waschen. Sonst flüchten die Zuschauer nämlich irgendwann aus den Hallen. Außerdem ist es ziemlich kompliziert abzuklären, wie unsere Instrumente von einem Ort zum anderen kommen, denn die Fluggesellschaften sind diesbezüglich sehr pingelig. Es gibt also viel zu tun, bis wir loslegen können, wir freuen uns jedoch sehr auf die Tournee. Warum sind Sie eigentlich von Großbritannien nach Amerika gezogen? Als ich in den USA mit meinen Tourneen begann, war es plötzlich möglich, mit vielen meiner Idole auf der Bühne zu stehen. Ich konnte hier so viel Neues ausprobieren und merkte nach einiger Zeit, welch große Schritte ich musikalisch vorwärts machte. Viele Ideen entwickelten sich nicht mehr langsam, sondern explodierten scheinbar. In London bewegte ich mich zuerst in der Jazzszene, dann mischten sich R’n’B- und Rockklänge mit hinein, aber in Amerika spürte ich, dass die Wurzeln all dieser Musik in der Gemeinschaft der Afroamerikaner zu finden sind. Ich wurde von diesen Menschen so herzlich aufgenommen und entschied mich deswegen aus künstlerischen Gründen, in die USA zu ziehen. Vermissen Sie etwas aus Europa in Ihrem Leben? Ich bin definitiv Europäer. Ich spreche Französisch, Italienisch, da meine Frau aus Italien stammt, studierte Latein in der Schule und brachte mir autodidaktisch etwas Deutsch bei. Auch aufgrund meiner Herkunft kann ich Amerika aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Erschreckend finde ich, dass lediglich zirka 30 Prozent der Amerikaner überhaupt einen Pass besitzen, weil ihr Land so groß ist, dass sie nirgendwo anders hingehen möchten. Dabei wäre es gut, wenn jeder Amerikaner, mit welchem persönlichen Hintergrund auch immer, einmal in das Land seiner Vorfahren nach Europa reisen würde, um die dortige Kultur zu erleben. Natürlich haben wir heute genug Probleme mit Menschen, die von einem Ort zum anderen gehen, und ich bin sehr stolz auf die Deutschen, wie sie als Vorreiter mit Mut und Voraussicht den vor dem Krieg Flüchtenden helfen. Warum kommt Ihr musikalischer Fusion-Rock-Stil scheinbar nie aus der Mode? Das kann ich nicht erklären. Ich spiele nicht für einen besonderen Markt, sondern nehme alles aus verschiedenen Quellen auf und trage es in meiner Musik zusammen. Ich kann dann nur hoffen, dass es anderen genauso gefällt wie mir. Vielleicht liegt es an der Improvisation: Ich begann mit dem Jazz, dessen Musik von Improvisationen lebt. Übrigens waren auch Haydn, Beethoven und Mozart wunderbare Improvisatoren. Ihnen gelang es, aus den im Kopf gespeicherten Improvisationen sogar Stücke für ein ganzes Orchester zu schreiben. Bei meiner Musik sind mir Improvisationen schon immer wichtig gewesen, denn nur durch sie entstehen neue Ideen. Man kann dabei keine Fehler machen. Es entstehen vielmehr magische Momente, wie wenn man in einer Meditation spielt, seine Hände beobachtet und sich dabei selbst wundert, was gerade passiert. Vorverkauf Eintrittskarten gibt es bei den RHEINPFALZ-Servicepunkten und beim RHEINPFALZ-Ticketservice unter der Telefonnummer 0631 37016618. (akk)

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