Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Haschisch bis Hörgeräte: Was im Speyerer Fundbüro landet

Regelmäßiger Termin in Speyer: Das Fundbüro versteigert Fahrräder, die innerhalb der Frist nicht abgeholt wurden.
Regelmäßiger Termin in Speyer: Das Fundbüro versteigert Fahrräder, die innerhalb der Frist nicht abgeholt wurden.

Wer glaubt, dass nur noch eine Wegwerfmentalität vorherrsche, verkennt den Wert von Fundbüros. Auch in Speyer wird eines betrieben. Zehn erstaunliche Fakten zu dessen Bilanz.

1. Hochbetrieb im Schlüsselkasten: Der Fundschlüsselkasten wird regelmäßig benötigt im städtischen Fundbüro in der Maximilianstraße 94. Schlüssel stellen regelmäßig die häufigste Fundkategorie dar, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilt. Von den 697 im Jahr 2025 registrierten Fundsachen – ein Wert im Durchschnitt der vergangenen Jahre – waren allein 218 Schlüssel. Die nächsten Platzierungen: Dokumente (147), Geldbeutel (61), Fahrräder (51), Schmuck (48), Handys (47) und Brillen (25). Weiter hinten in der Liste: unter anderem Bargeld (16), Schirme und Hörgeräte (je 2).

2. Das Sonstige hat es in sich: Schon eher kurios wird es, wenn die Verwaltung die 19 Fundsachen aus der Kategorie „Sonstiges“ aufschlüsselt: Eine Babydecke ist etwa darunter, Angelzubehör, ein Bild von Mutter Teresa, aber auch Lachgas und Marihuana. Bei Stofftieren liege der Wert oft unter der sogenannten Bagatellgrenze von zehn Euro, bis zu der ein Fund nicht abgegeben werden muss. Man sei aber großzügig, so die Stadt: Sie würden dennoch als Fundsachen angenommen, weil davon auszugehen sei, dass für die Eigentümer „einen hohen emotionalen Wert haben“.

3. Die Neuerung mit dem Marihuana: Künftig könnte das Fundbüro tendenziell häufiger mit Drogenfunden zu tun haben, für die nicht mehr die Polizei zuständig ist. „Aufgrund der Teillegalisierung von Cannabis zum 1. April 2024 gilt Cannabis innerhalb der erlaubten Besitzgrenze von bis zu 25 Gramm als reguläre Fundsache“, erklärt Verwaltungssprecherin Janine Friedmann.

4. Erfolgsquote so lala: Im Jahr 2024 wurden laut Stadt 196 Fundgegenstände an ihre Eigentümer zurückgegeben, 2025 waren es 163, also umgerechnet knapp ein Viertel der neu registrierten Objekte. Bei fehlendem Eigentumsnachweis müsse eine detaillierte Beschreibung des jeweiligen Gegenstands abgegeben werden. Die Aufbewahrungsfrist beträgt in der Regel sechs Monate. Aus dem Jahr 2025 seien noch 226 online abgegebene Verlustanzeigen offen – das muss laut Stadt aber nicht viel bedeuten, weil das Wiederauffinden eines verlorenen Gegenstands oft nicht gemeldet werde.

5. Der Frust nach dem Feiern: Nach und auch während Großveranstaltungen in Speyer werden laut Stadt vermehrt Fundsachen abgegeben. „Brezelfest, Altstadtfest oder Weihnachts- und Neujahrsmarkt“ seien dabei auffällig. Die Fundorte verteilten sich grundsätzlich über das gesamte Stadtgebiet.

6. Die Freunde und Helfer helfen: Viele Fundsachen werden in Speyer auch bei der Polizeiinspektion abgegeben. Weil grundsätzlich die Stadt dafür zuständig ist, stehen für deren Fundbüro-Mitarbeiter somit regelmäßig Dienstgänge an: „Zwei- bis dreimal pro Woche werden bei der Polizei abgegebene Fundsachen abgeholt.“ Bei Cannabis-Funden muss freilich die Waage bemüht werden: Bei mehr als 25 Gramm sind doch die Uniformierten zuständig.

7. Die herrenlosen Sachen: Als herrenlose Sachen gelten Gegenstände, deren Besitz freiwillig aufgegeben wurde, definiert die Stadt. Sie nennt die „Zum-Mitnehmen“-Kisten am Straßenrand als Beispiel. Diese sind nicht nur der Stadtentsorgung ein Dorn im Auge, sondern auch im Fundbüro eher unbeliebt. Hier gelte zwar keine Annahmepflicht, aber: „Die Abgrenzung ist im Einzelfall eher schwierig.“

8. Das falsche Fahrrad, Teil 1: Zwar gibt es in der Fahrradstadt Speyer einen Fundfahrradkeller und immer wieder auch öffentliche Versteigerungen nicht abgeholter Fundfahrräder, aber das Fundbüro ist laut Stadt nur für einen kleinen Teil der strittigen Drahtesel zuständig. So würden häufig Fahrräder gemeldet, die über einen längeren Zeitraum im Stadtgebiet abgestellt sind. Das sei aber ohne zeitliche Befristung erlaubt, sofern die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt wird.

9. Das falsche Fahrrad, Teil 2: Wenn bei einem unabgeschlossen aufgefundenen Fahrrad der Verdacht auf Diebstahl besteht, ist die Polizei zuständig. Dann kann laut Fundbüro „unter Annahme der Rahmennummer bei der Polizei erfragt werden, ob eine entsprechende Anzeige vorliegt“.

10. Das falsche Fahrrad, Teil 3: Auch sogenannte Schrottfahrräder, offensichtlich nicht mehr einsetzbar, sind kein Fall für das Fundbüro. Für diese sei die Abfallbehörde zuständig (Meldung über www.speyer.de/de/rathaus/verwaltung/schadensmeldungen/neuen-schaden-melden/). Im Fundbüro (Telefon 06232 14-2300) dürften somit nur intakte Fahrräder landen, die über einen längeren Zeitraum weder an- noch abgeschlossen waren.

Eines der wichtigsten Behältnisse im Speyerer Fundbüro: Fundschlüsselkasten.
Eines der wichtigsten Behältnisse im Speyerer Fundbüro: Fundschlüsselkasten.
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