Interview
Geschenkpakete am Straßenrand sorgen für Ärger
Frau Sachweh, wer aufmerksam durch Speyers Straßen läuft, sieht immer öfter abgestellten Krimskrams mit Schild dran „zu verschenken“. War das schon so verlockend für Sie, dass Sie zugegriffen haben?
Ja, Weingläser habe ich schon einmal mitgenommen – erstens, weil sie hübsch waren, und zweitens, weil ich als Hundebesitzerin große Angst vor Scherben, Schmerz und Tierarzt-Gängen habe.
Sind solche Angebote sinnvoll für die Nachhaltigkeit oder ein Ärgernis für die Müllabfuhr?
Sie sind besonders ein Ärgernis für die öffentliche Ordnung. Es gibt ja oft Gründe, warum die Dinge aussortiert werden, versteckte Mängel oder Abnutzungen. Bemerkt das der Nachnutzungswillige später, fliegt das Teil an anderer Stelle oft wieder weg. Ich habe zum Beispiel Stühle oder Autokindersitze schon über große Strecken wandern sehen. Dann ist es „wilder Müll“, der nicht mehr zuordenbar ist und Kosten verursacht.
Sind die Geschenk-Angebote überhaupt erlaubt?
Nein. Von der Ordnungsbehörde und dem städtischen Fuhrpark, die sich mit den Resten herumschlagen müssen, ist klar kommuniziert, dass die Ablagerungen im öffentlichen Straßenraum schlichtweg verboten sind. Sie sind eine nicht genehmigte Sondernutzung und können haftungsrechtliche Folgen haben, wenn zum Beispiel jemand stürzt oder sich Kleider oder Fahrzeuge beschädigt.
Erhalten die Entsorgungsbetriebe auch Rückmeldungen von den Müllwerkern dazu?
Die Müllabfuhr ist für Abfälle und Wertstoffe zuständig, die in den vorgeschriebenen Behältnissen an den veröffentlichten Abfuhrterminen bereitgestellt werden. Auch beim Sperrmüll gibt es klare Regeln. Er muss zum vereinbarten Termin – und dann frühestens am Vortag ab 16 Uhr – möglichst nach Materialien getrennt aufgestellt sein. Außerdem muss er „sperrig“ sein. Kleinteiliges gehört in die Restabfalltonne. Die Zu-verschenken-Bereitstellungen werden von uns nicht protokolliert. Aber natürlich fällt es unseren Müllwerkern auf, wenn das Zeug nach 14 Tagen immer noch rumliegt. Und da liegt das eigentliche Problem: Die Artikel werden verstreut, gehen kaputt und sind nun keinesfalls mehr nutzbar.
Welche Artikel kommen dabei am häufigsten vor?
Aus eigener Anschauung kann ich berichten, dass es viel Hausrat und Plastikspielzeug ist. Wenn ein Satz Autoräder abgelegt wird, dann steckt kein Nachnutzungswunsch dahinter.
Sie beschäftigen sich als Abfallberaterin viel mit dem Thema Müllentstehung und -vermeidung: Welcher gesellschaftliche Trend steckt hinter den „Zu-verschenken“-Angeboten?
Ich denke schon, dass einige Mitmenschen etwas Gutes tun wollen, wenn sie merken, dass sich im Haushalt viel überflüssiger, aber „noch guter“ Kram angesammelt hat. Aber das Abstellen vor dem Haus oder am Straßenrand ist eben kein geordneter Weg. Wichtig ist, dass man immer noch Besitzer der aufgestellten Dinge ist. Kommt jemand zu Schaden, haftet man.
Kann es manchmal auch schlicht Bequemlichkeit sein wegen des Wegs zum Wertstoffhof oder Sparwille, weil die Restmüll-Menge in den Tonnen begrenzt ist und zusätzliche Mengen bezahlt werden müssen?
Diese Mutmaßung liegt oft sehr nahe. Komischerweise ist das Geld zum Erwerb der vielen bunten Dinge da gewesen. Dass aber eine geordnete und umweltschonende Verwertung oder Beseitigung auch etwas kostet, wird gern verdrängt oder umgangen. Diese Abfälle sind jedoch nicht weg. Sie verteilen sich in der Landschaft, erfordern einen großen haupt- oder ehrenamtlichen Sammelaufwand und belasten den Stadthaushalt.
Also: Wer etwa Haushaltswaren oder Bücher nicht mehr benötigt, aber sie nicht wegwerfen will – wie tut man damit anderen richtig Gutes?
Es gibt die Bücherschränke im Stadtgebiet, Verkaufsplattformen im Internet wie zum Beispiel den Verschenkmarkt auf der Homepage der Stadtwerke. Und man sollte ehrlich zu sich selbst sein. Würdest du die eigenen Kinder und Enkel mit den abgelebten Gartenrutschen, Aufblaspools oder Sandförmchen noch spielen lassen? Nein! Dann ist es Abfall. Die Entsorgungsbetriebe Speyer haben für all diese Dinge den jeweils richtigen Entsorgungsweg.
Zur Person
Angela Sachweh (61) ist Abfallberaterin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke Speyer (SWS), zu denen die städtischen Entsorgungsbetriebe gehören.