Speyer
Schnäppchenjagd: Fundfahrrad-Auktion in der Burgfeldschule
Da stehen sie, wie bestellt und nicht abgeholt, die Tretroller und Kinderfahrräder. Niemand mag sie leiden, während die Fahrräder für Erwachsene eifrig begutachtet werden. „Die Tretroller-Fangemeinde ist heute Mittag nicht so groß“, stellt denn auch Beigeordnete und Moderatorin Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) fest, nachdem schon der fünfte Roller kein Interesse geweckt hat. Auch die Kinder- und Jugendfahrräder laufen eher schleppend. Erst Jugendrad Nummer elf, ein Prince-Bikes Ranger in schwarz, findet eine einzige Interessentin und geht für 35 Euro weg. Nummer zwölf muss ebenfalls auf die Seite. Ein Herr fragt laut: „Könnte man mit den Preisen tiefer gehen?“ „Nein“, lautet die Antwort, denn nach eingehender Begutachtung der Räder und der Neupreise – „die explodieren“ – ist der Einstiegspreis schon moderat gewählt. Der liegt bei den Kinderrädern zwischen 20 und 45 Euro, bei den Rollern zwischen drei und acht Euro.
„Hauptsache Fahrrad“
Aber dann, Nummer 13, ein Peugeot-City-Fahrrad in Silber, Einstiegspreis 35 Euro, findet nach mehreren Fünf-Euro-Schritten seinen Abnehmer und geht für 60 Euro weg. „Hauptsache Fahrrad“, meint der neue Besitzer Philipp Kohl erleichtert. Denn das Vehikel wird dringend benötigt, „um in der Stadt mobil zu sein und eine Fahrradtour mit Freunden machen zu können“. Der Preis hätte vielleicht niedriger sein können, „aber es war klar, dass es nicht so günstig wird“. Bei den nächsten Rädern wieder Zögern. Vielleicht Taktik? Oder zu teuer? Nummer 19, ein Cityrad der Marke Godewind Holland-Velo in Grün für 35 Euro, geht hoch auf 55 Euro – und die ältere Dame mit pinkem Stirnband hebt munter weiter ihre Hand, bis Münch-Weinmann ihr erklärt, dass sie doch schon mitgeboten habe und der Preis bloß steigt, wenn die Hand weiter oben bleibt. Nichtsdestotrotz – die Dame bekommt das Fahrrad für 55 Euro.
Für 65 Euro geht Nummer 20 weg, ein Trekkingrad Falter in Blau. „Das ist ein Ersatzfahrrad für mich und das Skateboard“ – drei Euro Einstiegspreis, für 13 Euro verkauft – „für meine Kinder“, erzählt Marius Zinßer. Der Termin habe „zeitlich gerade gepasst“, aber „angeschaut habe ich sie mir nicht“. Trotzdem hofft er das Beste und will das nächste Mal wieder mit dabei sein. „Allerdings ist die Gefahr, dass man mehr ausgibt, als man wollte, schon gegeben“, gibt er zu. Um Nummer 26, ein Damenrad Elops in Grau/Blau matt, Einstiegspreis 50 Euro, wetteifern zwei Damen.
Auch Spontankäufe
Kirsten Neugebauer macht mit 65 Euro das Rennen. Sie freut sich, weil ihr Fahrrad kaputt gegangen ist und sie das „spontan überbrücken“ musste. Das Rad wird für „kurze Wege“ in Speyer gebraucht. „Upcycling“ findet Neugebauer gut, ebenso, dass sich „für diese schöne Aktion“ die Stadt so viel Mühe mache. Leider bleibt diese für Nummer 30, ein Specialized Rockhopper in Rot-Schwarz, vergeblich. Das Rad ohne Räder findet nämlich keinen Bastelwilligen, der es neu beschuht.
Aber jetzt, neue Chance für die anfangs Verschmähten. Kinderfahrrad Nummer zehn, Rockrider ST 500 Schwarz, geht tatsächlich für 40 Euro an einen Vater mit vier Töchtern. Und Nummer 15, Wheeler Blaster Gelb-Rot, für 40 Euro an eine Mutter mit drei Söhnen, an ebenjene auch das Kinderelektroauto für acht Euro. Ein Tretroller findet seinen Besitzer für fünf Euro und Nummer 22, ein Trekkingrad BTwin Colorado in Violett, für 55 Euro Bruno Brommer, der es „einfach so“ gekauft hat. Er ist zum ersten Mal dabei und hat „keine Ahnung“, was er jetzt damit machen soll. „Ich stelle es in die Garage“ und wer Lust hat, kann es fahren.
„Diesmal haben wir Roller und Skateboards mit reingenommen“, sagt Simone Kratzin, Leiterin des Fundbüros. „Es gibt nichts, was man nicht abgeben kann.“ Münch-Weinmann freut sich über das Schulgelände der Burgfeldschule als neuen Standort, denn dort können die Leute im Gegensatz zum alten Standort in der Innenstadt die Räder auch ausprobieren.