Speyer Geschichte als Herausforderung

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Die Stadtgeschichte ist janusköpfig – mit dem Hambacher Schloss hat Neustadt ein Symbol der Demokratiegeschichte auf dem eigenen Territorium. Doch Neustadt war auch die Stadt Josef Bürckels, des pfälzischen Gauleiters in der NS-Zeit. Was kann oder soll mit diesem Erbe geschehen?

Seit knapp zwei Jahren gibt es an der Villa Böhm in Neustadt eine Tafel, die darauf hinweist, dass die Prachtvilla in der Zeit des Nationalsozialismus Sitz des Gauleiters Josef Bürckel war. SPD-Stadtratsmitglied Wolfgang Ressmann war schon damals der Meinung, dass so eine Tafel zu wenig sei. Ein erster Schritt ist jetzt gemacht: Im Haushalt für 2015 stehen 15.000 Euro als „Anschubfinanzierung“ für eine Aufarbeitung dieses Abschnitts der Stadtgeschichte bereit. Die gleiche Summe solle auch in den beiden darauffolgenden Jahren zur Verfügung stehen, sagt Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer. Als mögliche Quellen für ein Ausstellungskonzept hat er die Gestapo-Akten im Kopf, die im Landesarchiv in Speyer liegen. „Dafür brauchen wir Historiker“, gibt er zu. Röthlingshöfer findet, dass die Ausstellung im Stadtmuseum der Villa Böhm erneuert werden muss. Sie wurde Ende der 90er-Jahre entwickelt, schon technisch betrachtet ist sie also nicht auf dem neuesten Stand. Gerade der Teil, der die nationalsozialistische Zeit betrifft, erschließe sich besser über Touch-Screens, sagt Weigel. Der Vorsitzende des Fördervereins „Gedenkstätte für NS-Opfer“, Eberhard Dittus, würde eine Ausstellung zur NS-Zeit gerne im Klemmhof unterbringen. Röthlingshöfer ist dabei zurückhaltend: Den Klemmhof sieht er eher als Gewerbefläche, die Villa eigne sich wegen ihres besonderen Flairs als Museum. Und dann gibt es noch eine „Baustelle“: der große Verwaltungsbau Ecke Konrad-Adenauerstraße/Karl-Helfferich-Straße, in dem bis Jahresende ein Teil des Finanzamtes untergebracht ist. Hier war in der NS-Zeit die Zentrale der Gestapo. Ressmann hält das Anwesen für einen „idealen Ort“, um ein Forschungsinstitut für „Europäische Demokratieentwicklung und deren Gefährdung“ zu etablieren. Hier das Hambacher Schloss, dort die Überbleibsel der Nazis als Mahnung. Das Institut sollte Ressmanns Ideen zufolge an eine Universität angeschlossen sein und historische sowie politikwissenschaftliche Forschung betreiben. (kkr)

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