Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Geringer Zuspruch: Enttäuschte Kunsthandwerker

Eine der Anbieterinnen am vierten Adventssonntag: Timea Korom ist mit Keramikblumen vertreten.
Eine der Anbieterinnen am vierten Adventssonntag: Timea Korom ist mit Keramikblumen vertreten.

Der Kunsthandwerkermarkt im Kulturhof Flachsgasse und Rathaus-Innenhof steht seit Jahren in der Adventszeit für besondere Kleinode in nicht alltäglicher Atmosphäre. Zum Abschluss der Veranstaltung, die an vier Wochenenden den Weihnachtsmarkt begleitet, gab es von Anbietern auffällig viel Kritik.

„Der Geheimtipp ist in diesem Jahr so geheim, dass ihn keiner findet.“ Karl-Heinz Mayer, Seifenhersteller aus Waldsee, macht seinem Ärger über die für ihn unzureichende Mitwirkung der Stadt am Gelingen des Kunsthandwerkermarkts Luft. Ihn ärgert nicht nur, dass der Umsatz nicht stimmt. „Der Spaß fehlt“, sagt Mayer. Bei 150 Euro Standgebühr und 400 Euro Strafe bei auch krankheitsbedingtem Ausfall habe er sich mehr erwartet, kritisiert der Anbieter die Verantwortlichen. Mangels Werbung für den Kunsthandwerkermarkt hat Mayer einen Aufsteller von zu Hause mitgebracht, der Besucher vor dem Rathaus auf die Stände im Innenhof aufmerksam machen soll. Geholfen habe das nicht viel.

„So schlecht war der Zustrom noch nie“, sagt Peter Stepp. Er sorgt mit Glühwein und Suppe für das leibliche Wohl auf dem Markt. Weder Unterlagen noch Notrufnummern oder das Sicherheitskonzept seien den Anbietern ausgehändigt worden, beschreibt er das, war er als „Katastrophe“ bezeichnet. Von den Verantwortlichen habe sich in der ganzen Zeit lediglich eine gezeigt, berichtet er. „Beim Aufbau am ersten Freitag.“ Ihn selbst mit vielen Stammkunden treffe der insgesamt mangelnde Zulauf nicht, betont Stepp. „Leid tut es mir für die Kunsthandwerker.“ Ein Teil der Anbieter fühle sich alleine gelassen. „Viele von ihnen werden wohl nicht mehr kommen“, sagt er.

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„Keinerlei Unterstützung“

„Ob die uns nicht mehr wollen?“, fragt sich Gattin Birgit Stepp ernsthaft. „Keine Werbung, kein Flyer, keinerlei Unterstützung und nichts an Informationen“, nennt sie den Grund für ihre Enttäuschung. „Wir sind einfach nicht sichtbar.“ Verantwortlich dafür macht sie die Stadt, für deren gefühlten Rückzug vom Kunsthandwerkermarkt sie keinerlei Verständnis aufbringt. „In den Vorjahren hat er die Stadt doch gut belebt.“

Ein Neustadter Olivenöl-Anbieter kann das kaum glauben. Er ist zum ersten Mal dabei und wahrscheinlich auch zum letzten Mal. Um sich den Weg nicht jedoch völlig zu verbauen, möchte er seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. „Ein sehr schöner Platz in einer attraktiven Stadt, leider schlecht beworben“, so sein Fazit. Im Fußballweltmeisterschaftsfinale sieht er am vierten Adventssonntag nicht die Ursache für das Ausbleiben der Besucher. Eher darin, dass nur wenige Auswärtige den Weg fänden. Das bestätigt ein Kunde spontan. „Ich bin rein zufällig auf den Kunsthandwerkermarkt geraten“, sagt er und regt an, ihn künftig in den Weihnachtsmarkt zu integrieren.

Stadt sieht Optimierungsbedarf

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) betont auf Anfrage, dass es das Problem schwankender Kundenzahlen bei den Kunsthandwerkern schon länger gebe. Sie sehe einigen Optimierungsbedarf für den Weihnachtsmarkt 2023, das betreffe auch den Kunsthandwerkermarkt. Für diesen geworben worden sei sehr wohl, wenn auch weniger gedruckt als früher. „Dafür regelmäßiger und auf allen möglichen Plattformen.“

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