Speyer
Gefahrenquelle Akku: Was ein Brandschutzexperte empfiehlt
„Mehr Akkus bedeuten mehr Gefahr“, sagt Thorsten Best. Für den Brandamtmann und Einsatzplaner der Speyerer Feuerwehr ist der Zusammenhang eindeutig. Er ergibt sich einerseits aus den alltäglichen Erfahrungen der Brandbekämpfer in der Domstadt. Andererseits kennt der Brandschutzexperte natürlich die Brandursachenstatistiken des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer (IFS) aus dem Effeff. Die langjährigen Datenreihen besagen, dass mittlerweile ein Drittel aller Brände durch Elektrizität ausgelöst wird, Tendenz steigend: „Und das liegt hauptsächlich an den Akkus.“
Die energiegeladenen Kraftpakete stecken überall, in Haushaltsgeräten, Zahnbürsten, Smartphones, Werkzeugen und Spielwaren. Sie stehen verbaut in Rollern, Fahrrädern und Autos in Garagen und Treppenhäusern oder hängen in Form von Batteriespeichern an Kellerwänden. In der Regel sei das kein Problem, meint Best: „Die Technologie funktioniert ja.“ Doch berge sie Risiken. Sei ein Akku defekt, könne es schnell brenzlig werden. Denn dann entlade sich die chemisch gespeicherte Energie nicht allmählich, sondern schlagartig – und zwar thermisch. Sprich: Es wird heiß, und der Akku kann in Flammen aufgehen, nebst allem, was sich um ihn herum befindet. „Je größer der Akku und je höher seine Ladekapazität, desto potenziell stärker ist der Brand, den er auslösen kann“, erläutert der Fachmann.
Eine Rolle spiele dabei auch, in welchem Umfeld sich der schadhafte Akku befinde: Ist er einigermaßen isoliert verwahrt oder strotzt sein Umfeld nur so vor Brandlast? So vermutet die Polizei, dass es ein unsachgemäß entsorgter Lithium-Ionen-Akku womöglich einer E-Zigarette war, der Anfang Mai auf dem Gelände der Schifferstadter Recyclingfirma Jakob Becker rund 4000 Kubikmeter Abfall entflammte. Die Speyerer Feuerwehr rückte aus, um den Kollegen bei der Eindämmung des Feuers zu helfen. Brandexperte Best hält die Akku-Theorie für möglich. Auch in der Domstadt habe ein defekter Akku schon bei mindestens einem Brand eines Müllbehälters eine Rolle gespielt, wie er sich erinnert.
Sorgsam mit Akkus umgehen
Das verdeutliche, dass ausgediente Akkus nicht in den üblichen Hausmüll gehörten, sagt Best, der zudem rät, achtsam mit den Kraftpaketen umzugehen. So sollten Smartphones nicht auf einer brennbaren Oberfläche wie Holz oder einem Papierstapel geladen werden – „und ein E-Scooter keinesfalls im Hausflur oder in der Wohnung“, mahnt er. Wichtig sei zudem, die vom Hersteller vorgesehenen Ladegeräte zu verwenden. Und nicht an ihnen herumzuschrauben, sie nicht mit Stößen zu traktieren und sie nicht sehr hohen oder sehr niedrigen Temperaturen auszusetzen. „Im Winter gehören Akkus nicht in eine ungeheizte Garage, weil auch Frost die Zellen in Mitleidenschaft ziehen kann“, betont Best.
Hat eine Speicherzelle eines Akkus einen Knacks bekommen, kann es kritisch werden, sobald in ihrem Inneren unerwünschte elektrochemische Prozesse starten. Die Zellen, aus denen sich herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus aufbauen, sind lediglich durch dünne Separatoren – das sind isolierende Membranen oder Vliesstoffe – voneinander getrennt. Kommt es zu einem internen Kurzschluss einer Zelle, so kann die entstehende Hitze die Separatoren zum Schmelzen bringen: Die Barriere löst sich auf, die Reaktion kann auf die nächste Zelle überspringen und sich anschließend immer weiter fortpflanzen. „In der Fachsprache wird dieser Vorgang Thermal Runaway genannt“, erklärt Best. Die Folge dieses „thermischen Durchgehens“: Der Akku wird immer heißer, irgendwann beginnt er zu brennen.
Das Löschmittel der Wahl: Wasser
Dann helfe nur eins, sagt Best: „Löschen mit Wasser. Und danach Kühlen, Kühlen, Kühlen, um die chemische Reaktion zu stoppen.“ Ebenfalls mit Wasser. „Das ist das beste Mittel“, erläutert der Experte. Ein Bekämpfen des Brandes durch Laien könne hingegen gefährlich sein. „Die giftigen Dämpfe und die kaum beherrschbare Energie können nur von Fachleuten eingeschätzt und gelöscht werden“, sagt Best. Daher gelte es, umgehend die Feuerwehr zu alarmieren: „Jeder von uns im privaten Umfeld kann nur präventiv mit der neuen Gefährdung umgehen.“
Auch die Brandbekämpfer lernen hinzu. Noch vor wenigen Jahren habe man beispielsweise brennende E-Autos wie jenes 2021 im Binsfeld in einem Container voller Wasser versenkt und tagelang darin gelassen. Diese Methode wende man nicht mehr an. „Zu aufwendig und nicht überall praktikabel“, meint Best. In Speyer sei man dazu übergegangen, brennende Elektrofahrzeuge zunächst mit Wasser zu löschen und sie danach bei einem zertifizierten Abschleppunternehmen auf einem gesicherten Brandplatz abzustellen. Auf dieser Betonfläche würden sie überwacht, „mindestens 24 Stunden“. Das sei notwendig, weil die chemische Reaktion im Akku jederzeit wieder einsetzen könne. „Das Fahrzeug kommt sozusagen in Quarantäne, bis wir sicher sind, dass keine Reaktion mehr erfolgt“, beschreibt Best das bewährte Verfahren. Das Löschwasser müsse als stark kontaminierter Sondermüll aufgefangen und entsorgt werden.
Mehr E-Autos unterwegs
Gerade Elektrofahrzeuge stellten die Feuerwehr vor wachsende Aufgaben, denn auf den Straßen seien immer mehr von ihnen unterwegs und damit auch in Verkehrsunfälle verwickelt. Dabei müsse man mit Bedacht vorgehen: „E-Autos sind Hochspannungssysteme.“ Man könne sie zwar mit Wasser löschen, ohne einen Stromschlag zu bekommen. Man müsse allerdings wissen, wie man das macht. Um der Angelegenheit die Spannung zu nehmen, wüssten die Rettungskräfte genau, wo sie bei einem Fahrzeug den Saft abklemmen.
Zudem gebe es in E-Fahrzeugen oder Batteriespeichern effektive Notabschaltsysteme. Auch brennende Photovoltaikanlagen stellten die Feuerwehr mittlerweile nicht mehr vor Probleme. „Vor Jahren war das noch eine Herausforderung. Die Technologie war neu. Inzwischen haben wir aber genügend Erfahrung gesammelt“, sagt Best. Dennoch: Die Brandrisiken durch solche Anlagen wachsen, eben „weil sie immer mehr werden“.