Fragen und Antworten
First-Responder-Gruppe soll Rettungsdienst in Speyer unterstützen
Wie steht es um den Rettungsdienst in der Region?
„Die rettungsdienstliche Situation hat sich seit September 2021 im Rettungsdienstbereich Ludwigshafen und insbesondere im Stadtgebiet Speyer immer stärker verschärft“, heißt es in einer städtischen Vorlage zum Hauptausschuss und Stadtrat. Besonders wegen fortgesetzter Ausfälle von Rettungswagen „sehen wir die Gefahr, dass die Notfallversorgung der Bevölkerung nicht mehr im erforderlichen Maße sichergestellt ist“. Um die Situation zu verbessern, will die Stadt mit den Johannitern ein sogenanntes First-Responder-System abschließen.
Was kann man sich unter dem First-Responder-System vorstellen?
„First Responder“ lässt sich etwa mit „Ersthelfer“ übersetzen – eine Art ehrenamtliches Bereitschaftssystem. „Der First Responder wird von unseren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des Ortsverbands Speyer im Stadtgebiet besetzt, um bei potenziell lebensbedrohlichen Einsätzen auszurücken und Hilfe vor Ort zu leisten“, erklärt Leon Gimmy, Stellvertretender Leiter Einsatzdienste und Rettungssanitäter beim Ortsverband Speyer der Johanniter. Der 20-Jährige ist seit 2016 bei den Johannitern aktiv. Wenn es zu einem Einsatz komme, werde neben dem Rettungswagen und dem Notarzt parallel der First Responder mitalarmiert. „Dafür steht ihnen ein voll ausgestattetes Einsatzfahrzeug zur Verfügung, welches in der Dienstzeit der ständige Begleiter der Einsatzkraft darstellt“, so Gimmy. Stadt und Johanniter wollen dazu eine Vereinbarung treffen, nach der die Stadt wesentliche Kosten für die Einsätze erstattet.
Wie kam die Idee bei den Johannitern zustande?
Den Johannitern sei die „oft lückenhafte präklinische Versorgung“ ins Auge gesprungen, sagt Gimmy. Da sich das First-Responder-Modell in anderen Kommunen bereits etabliert habe, ging man auf die Stadt Speyer zu. „Unser Ziel ist es, den Menschen bestmöglich und schnellstmöglich Hilfe zu leisten und getreu unserem Leitspruch ,Aus Liebe zum Leben’ handeln zu können.“ Die Motivation der Ehrenamtler stecke in der zwischenmenschlichen Interaktion. Sehr wichtig sei auch die Gemeinschaft der Helfer, in der viele Freundschaften entstanden seien.
Das System soll den Rettungsdienst nicht ersetzen, sondern unterstützen. Verkürzt es im Notfall Wartezeiten?
„Unter Umständen ja“, sagt Gimmy. Das sogenannte „therapiefreie Intervall“ bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes könne verkürzt und wichtige Vorarbeit geleistet werden. „Der Rettungsdienst ist dynamisch“, sagt der 20-Jährige. In manchen Fällen befinde sich der Rettungswagen auf der Wache und könne direkt zu einem Notfall ausrücken. „Unsere Ehrenamtlichen, welche in ihrer Freizeit zuhause für Einsätze bereitstehen, können aufgrund der möglichen Standortvorteile durchaus schneller an der Einsatzstelle sein“, betont Gimmy. Wenn in Speyer kein Rettungsmittel verfügbar sei und auf benachbarten Wache zurückgegriffen werden müsse, „wird der First-Responder einen erheblichen Zeitvorteil haben“. Auch unabhängig davon könne der ehrenamtliche Bereitschaftsdienst den Rettungsdienst unterstützen, etwa bei der Trageleistung.
Wie viele Helfer beteiligen sich am System?
Der Ortsverbands verfüge über 50 Helfende. „Für die First-Responder-Gruppe kommen zum aktuellen Zeitpunkt knapp 15 Ehrenamtliche in Frage“, sagt Gimmy. Man freue sich über weitere Interessierte mit entsprechender Ausbildung oder Motivierte, die sich ausbilden lassen wollen.
Wie werden die Ersthelfer im Notfall informiert?
Über die Integrierte Leitstelle in Ludwigshafen. „Der First Responder verfügt über einen Funkmeldeempfänger, der klingelt und das Notfallbild sowie die Adresse anzeigt“, erklärt Rettungssanitäter Gimmy. Das ist das gleiche System wie beim Rettungsdienst, dem Katastrophenschutz oder der Feuerwehr. Die Empfänger finanziere die Stadt. Die Ehrenamtler können sich für First-Responder-Dienste eintragen und von jedem Ort, an dem sie sich befinden, zu Einsätzen ausrücken.
Wo liegen die Unterschiede zur Katretter-App, bei der sich Ersthelfer auch registrieren können?
Zum einen beim Einsatzgebiet: Die Katretter-App informiere die Registrierten in naher Umgebung, der First-Responder rücke im gesamten Stadtgebiet aus, sagt Gimmy. Und: Katretter könnten ausschließlich bei Bewusstlosigkeit oder einem Herz-Kreislauf-Stillstand schnelle Hilfe leisten. Der First Responder rücke hingegen zu allen lebensbedrohlichen Lagen, also auch Verkehrsunfällen, schweren Stürzen oder anderen starken Verletzungen aus. „Zudem bringen wir medizinische Ausrüstung und Geräte mit, um effektiv Hilfe zu leisten, was dem Katretter in dieser Situation fehlt.“ Beide Systeme hätten ihre Daseinsberechtigung und könnten in Kombination besonders wirksam sein.
Wann geht es los?
Der Hauptausschuss hat bereits grünes Licht für die Vereinbarung gegeben, der Stadtrat entscheidet diesen Mittwoch. Gimmy: „Wir sind bereit und würden gerne im Juni starten.“