Speyer
„Filmfrühling“: Das steckt hinter dem Aus für den Veranstaltungsort Speyer
Die Veranstalter Daniela und Michael Kötz sowie Klaus Wichmann sind richtig sauer. In ihrer Mitteilung zum Aus für die Reihe in Speyer greifen sie die Stadtspitze mit Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und der für Kultur zuständigen Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) persönlich an: Die „sehr beliebte Kulturveranstaltung“ komme nicht mehr nach Speyer, weil Seiler und Kabs „der Auffassung sind, der ,Filmfrühling’ sei eine rein kommerzielle Veranstaltung und müsse deshalb für die bloße Benutzung des Domgartens künftig die volle, übliche Platzgebühr bezahlen“.
Es werden auch konkrete Summen genannt. Für die rund zweiwöchige Veranstaltung seien nach einem gebührenfreien Testlauf 2023 im Jahr darauf „trotz einer völlig verregneten und deshalb defizitären Veranstaltung“ 6500 Euro verlangt worden. „Für 2025 wurden sogar 13.665 Euro angekündigt – wobei noch betont wurde, diese Beträge seien eine geradezu ,großzügige Ermäßigung’“, heißt es in der Mitteilung.
Die Stadtverwaltung widerspricht dem nicht. Im Jahr 2024 sei vertraglich vereinbart worden, dass nur die Gebühr für die reine Festivaldauer – also ohne Auf- und Abbau – in Rechnung gestellt wird. „Angesichts der ungünstigen Wetterbedingungen während des Festivals zeigte sich die Stadtverwaltung kulant und reduzierte die Gebühr nachträglich um 50 Prozent“, so Sprecherin Janine Friedmann auf Anfrage. Weitere Leistungen, wie die Unterstützung durch den Baubetriebshof, habe die Kommune entgegen sonstiger Gepflogenheiten unentgeltlich erbracht.
Stadt: Hilfe angeboten
„Für das Jahr 2025 bot die Stadt erneut eine Reduzierung der Gebühren, einen Gebührenerlass für die Aufbau- und Abbauzeiten sowie die unentgeltliche Unterstützung durch den Baubetriebshof an“, so die städtische Stellungnahme. Zudem seien Gespräche in Aussicht gestellt worden, um die Veranstalter bei der Suche nach Sponsoren zu unterstützen und das Festival finanziell abzusichern. Aufgrund der Haushaltsvorgaben seien der Stadt keine weitergehenden Gebührenermäßigungen möglich. Es gehe auch um eine „faire Gleichbehandlung aller Veranstaltungsträger“, so Friedmann.
Die Filmfrühling-Ausrichter, die auch das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen verantworten, sind damit nicht einverstanden. „Wir waren bereit, auch ohne jeden Zuschuss weiterzumachen. Aber dass wir umgekehrt quasi die Stadt fördern sollen, ist nicht nur unverschämt, es ist vor allem geradezu ein Musterbeispiel für bräsige Kulturpolitik von vorgestern“, teilen sie mit. „Nach dem Motto ,Was nicht durch Steuergelder durchsubventioniert ist, das muss kommerziell sein’ werden wir so behandelt, als wären wir ein rein gewinnorientiertes Unternehmen ohne kulturellen Wert.“ Die Stadt könne nach ihrer eigenen Satzung bei Veranstaltungen, an denen sie „ein erhebliches Interesse hat“, von Gebühren absehen.
„Dass sie das nicht tut, lässt darauf schließen, dass sie uns nicht für wichtig hält“, bedauert Michael Kötz auf RHEINPFALZ-Anfrage. Er sei mit der Bitte um einen zumindest symbolischen Zuschuss ins Gespräch mit Dezernentin Kabs gegangen und mit der Ankündigung des für ihn zu hohen Kostenbescheids hinaus. „Wir sind keine kommerzielle Veranstaltung. Eigentlich ist das förderungswürdig, was wir hier machen“, betont er. 2024 sei am Festival nichts verdient worden; bei Kosten von rund 200.000 Euro sei der Finanzplan auf Kante genäht.
10.500 Besucher im Vorjahr
Beim Filmfrühling 2024 waren zunächst in Speyer, dann in einer folgenden Festival-Periode am Altrhein in Bobenheim-Roxheim 16 neue Filme aus Deutschland, Frankreich, England und Italien gezeigt worden. In Speyer wurden rund 10.500, in Bobenheim-Roxheim 5500 Besucher gezählt. Für dieses Jahr werde nun ein neuer Veranstaltungsort gesucht: „Jetzt sind wir mit einer anderen Stadt in der Vorderpfalz im Gespräch, die kulturpolitisch deutlich weiter ist.“ Im RHEINPFALZ-Interview im Mai 2024 über den Veranstaltungsort Speyer hatten sich Daniela und Michael Kötz noch anders geäußert: „Es ist toll, dass man uns als Bereicherung des Kulturlebens in der Stadt sieht. Das beflügelt uns sehr. So wie es aussieht, brauchen wir auch dafür weiterhin keine Subvention durch die Stadt.“
Vor allem die weitere Behauptung der Veranstalter, die Speyerer Stadtspitze habe „kein Interesse“ an dem Festival, stößt auf Widerspruch im Rathaus: „Die Formulierung, die Stadtspitze habe kein Interesse, entspricht nicht der Haltung der Stadt Speyer und wird von der Verwaltung ausdrücklich zurückgewiesen.“ Man bedauere das Aus des Angebots, sehe aber durch die Äußerungen der Veranstalter „die gesamte Kulturlandschaft der Stadt Speyer, einschließlich der zahlreichen Kulturschaffenden, in ihrer Arbeit diskreditiert“.
Die Stadt schätze das Engagement der Kulturschaffenden und setze sich für die Förderung der kulturellen Landschaft ein. Friedmann: „Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um das Festival in Speyer zu ermöglichen, sieht sich jedoch in der Verantwortung, die finanziellen und organisatorischen Grenzen der Stadt zu wahren.“
