Speyer
Emma-Schultheis-Park: Viel Lob für Namensvorschlag
Mehrere Redebeiträge im Kommunalparlament würdigten vor der Abstimmung Emma Schultheis (1892 bis 1978), die sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagiert hatte. Sie war wie auch Gatte Jakob Gründerin der „Speyerer Kameradschaft“, die unter anderem kommunistische Regimegegner und Zwangsarbeiter unterstützte. Nachdem ein Gestapo-Spitzel sie enttarnt hatte, wurde Jakob Schultheis 1945 hingerichtet und Emma Schultheis inhaftiert. Sie kam nach dem Krieg mit der Urne ihres Mannes zurück nach Speyer. Von ihr ist das Zitat überliefert: „Mein Mann ist ein Ehrenmann und wird als Ehrenmann weiterleben.“
In den Nachkriegsjahren soll Emma Schultheis nicht viel über ihr Schicksal gesprochen haben. Sie habe Schultheis noch kennengelernt, als sie selbst eine junge Kita-Mitarbeiterin gewesen sei, berichtete Stadträtin Angelika Bott (SPD). „Von ihrem politischen Engagement in der Zeit des Nationalsozialismus habe ich leider erst bei der Verlegung der Stolpersteine 2018 erfahren.“ Die Stolpersteine erinnern vor dem früheren Wohnhaus der Familie Im Lenhart 35 an die mutigen Speyerer und ihre Kinder.
Im Zuschauerraum des Stadtrats verfolgte Schultheis-Enkel Ewald Matuszewski die Entscheidung. Nach dem einstimmigen Votum kamen Gratulanten zu ihm, als Erste Sabrina Albers, Referentin der Oberbürgermeisterin, die zur Geschichte der Familie geforscht hatte. Die Linksfraktion lobte die Benennung in einer Pressemitteilung. Ewald Matuszewski hatte vor vier Jahren gegenüber der RHEINPFALZ von seiner Enttäuschung darüber berichtet, dass es im Stadtgebiet noch keine Erinnerung an seine Großeltern gebe. Er hatte eine Straßenbenennung im Baugebiet am Russenweiher nach Jakob Schultheis vorgeschlagen. Danach hatten sich mehrere städtische Gruppen öffentlich für eine Jakob-und-Emma-Schultheis-Straße ausgesprochen. Dass es jetzt ein Platz mit Emma Schultheis als Patin wurde, erklärte die Stadtverwaltung mit dem Anliegen, bei solchen Benennungen mehr Frauen zu Ehren kommen zu lassen.
„Könnte nicht besser passen als in die heutige Zeit“, kommentierte im Stadtrat zum Beispiel Rosemarie Keller-Mehlem (UfS). „Die Frau ist absolut würdig“, so Jana Dreyer (Grüne) über Schultheis. „Sie hat gegen das Grauen des Krieges gekämpft. Diesem Grauen blicken wir heute wieder in die Augen, und dieses Grauen sitzt in unseren Räten.“ Claus Ableiter (Freie Wähler) brachte eine Umbettung von Emma Schultheis auf dem Friedhof ins Spiel, da sie anders als ihr Gatte kein Ehrengrab erhalten hatte.
Manche Redner hätten sich vorab mehr Öffentlichkeit für den Benennungsvorschlag gewünscht. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) entgegnete ihnen, dass die Zeit dafür nicht gereicht habe. Schultheis werde aber bei der Benennung ausreichend gewürdigt, und am Park werde eine Aufschrift an sie erinnern. Seiler schlug vor, schon vorab über eine Liste mit Namen für die nächsten Straßenbenennungen zu diskutieren.