Sommerradeln
Eine Radtour fernab vom Trubel mitten durch die Pfalz
Von Rhein zu den Reben. Vom Dom zum Dornfelder. Durch den Wald zum Wein. Es ließe sich munter weiter stabreimen über eine Radtour von Speyer nach Neustadt. Der Weg überwiegend durch den Wald ist auch alles andere als ein Geheimtipp, sondern sicherlich eine der am häufigsten unter zwei Reifen genommenen Strecken der Pfalz. Und er ist doch immer wieder schön.
In Speyer kann man zum Beispiel am Domplatz einsteigen, über die Maximilianstraße und die Schneckennudel-Brücke am Bahnhof in die Weststadt radeln, bei einer von drei Möglichkeiten die B9 überqueren und durchs Feld nach Dudenhofen fahren. Dort geht es vorbei am Tennisclub durch ruhige Nebenstraßen bis zum Schulzentrum mit Ganerbhalle am nördlichen Ortsrand – und dann hinein in den Wald.
Der Forst ist in der Ebene von vielen Wegen durchzogen. Eine Strecke davon ist überwiegend mit wassergebundener Decke als Radweg ausgebaut und bestens markiert. Es sind keine näheren Beschreibungen nötig, um sie zu finden: An jeder Kreuzung, an der es nicht geradeaus geht, steht ein Schild. Es gibt Wegmarken wie den Friedwald oder die Sitzgruppe des Waldbauvereins Ganerb bei Dudenhofen, Schutzhütten, Sitzbänke alle paar hundert Meter und damit jede Menge Möglichkeiten zum Rasten. Lokale zur Einkehr gibt es allerdings erst wieder in Neustadt, falls unterwegs die Möglichkeit nicht genutzt wird, in Haßloch oder Lachen-Speyerdorf in die Ortslagen abzubiegen. Somit ist eine ruhige Fahrt durch überwiegend schattige Bereiche möglich, bei der einem immer wieder Spaziergänger oder andere Radfahrer begegnen. Sie verläuft fernab vom Trubel mitten durch die Vorderpfalz.
Raketenbasis als Biotop
Auf Höhe Haßloch geht es vorbei an der von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre betriebenen Raketenbasis der US-Armee, die danach konsequent zu einem Biotop umgebaut wurde. Passenderweise sitzt dort ein Bussard auf einem der Begrenzungspfosten und hebt erst ab, als der Radfahrer schon bei ihm angekommen ist. Ein paar Meter weiter gibt’s zu der Konversion der Fläche eine große Schautafel. Am Rand des Naturschutzgebiets Lochbusch-Königswiesen und am Erbsengraben entlang geht es zum Bereich der Fronmühle bei Neustadt-Geinsheim, wo eine Überquerungshilfe den Weg über die L530 unterstützt.
War der Weg im Abschnitt davor wegen der einst militärischen Nutzung asphaltiert, geht es nun auf das schmalste Stück bis zum Lachen-Speyerdorfer Gewerbegebiet Altenschemel. Hier und da muss Wurzeln ausgewichen werden, sofern der Platz dafür reicht. Bei Gegenverkehr ist Absteigen ratsam. Auch in diesem Abschnitt reicht jedoch ein Fahrrad ohne technischen Schnickschnack aus. Die gerade mal 40 Meter Höhenunterschied auf den 28 Kilometern bis Neustadt sind auch mit Kindern locker unter zwei Stunden zu bewältigen, wobei etwas mehr Zeit für eine gemütliche Rast keineswegs schadet.
Bei Lachen-Speyerdorf könnten zum Beispiel die etwas in die Jahre gekommenen, aber immer noch vollständigen Lehrpfad-Schilder zu verschiedenen Vogelarten am Rand des Weges studiert werden. Es könnten am „Trifelsblick“ oder „Hohe-Loog-Blick“ die jeweiligen Sehnsuchtsorte im Pfälzerwald gesucht werden. Oder es wäre Erinnerung an ein besonderes Unglück möglich: Am Rand des Ordenswaldes stehen ein Gedenkstein und weitere Erläuterungen zum tragischen Tod des Hanhofener Gendarmerie-Hauptwachtmeisters Arthur Löffler, der dort am 13. August 1933 von Wilderern erschossen wurde, als er „in treuer Pflichterfüllung“ für Recht und Ordnung sorgen wollte.
Zur Gartenschau-Fläche
Im letzten Abschnitt durch den Wald, der im Neustadter Osten die A65 unterquert, verläuft der Radweg am Speyerbach entlang. Am Stadtrand kann zum Biergarten der „Rothenbuschklause“ abgebogen werden. Ansonsten geht es am Gelände des Reitclubs Neustadt – ebenfalls mit Gaststätte – vorbei zur Fläche, auf der im Jahr 2027 die Landesgartenschau stattfinden wird: Die Stadt an der Weinstraße hat mit ihrem Konzept, das einen früheren Müllberg einbezieht, den Vorzug vor der Speyerer Bewerbung bekommen. Gäste aus der Domstadt und deren Umland werden trotzdem kommen, wenn die heutige Brache in drei Jahren erblüht – viele wohl auch auf dem Drahtesel, zumal im Zusammenhang mit der Großveranstaltung ein Stück des Radwegs ausgebaut werden soll.
Drei Kilometer sind es von hier noch bis in die Innenstadt. Wer will, findet dort Kultur und Kulinarik. Wer schon an den Rückweg denkt, kann am nahegelegenen Bahnhaltepunkt Böbig oder am Hauptbahnhof in die S-Bahn einsteigen. Auch der Weg im Sattel zurück wäre für Sportliche am selben Tag zu schaffen, zumal es direkt an der B39 über Geinsheim und Hanhofen noch eine etwas kürzere, asphaltierte Alternative gibt. Ansonsten gehört auch die gute Vernetzung zu den Vorzügen des „Palatina-Radwegs“ zwischen Speyer und Neustadt. Er läuft teils parallel zur Strecke des Pfälzer Jakobswegs und Salier-Radwegs, bevor dieser nach Böhl-Iggelheim und Bad Dürkheim abbiegt. Bei Speyerdorf kreuzt der Kraut-und-Rüben-Radweg, bei Neustadt der Radweg Deutsche Weinstraße.
Die Serie
RHEINPFALZ-Autoren haben in neun Folgen mit dem Fahrrad die Vorder- und Kurpfalz erkundet. Die Touren mit Ausgangspunkten in Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal sind in der gedruckten Zeitung an den Freitagen seit 12. Juli erschienen. Im Digitalangebot finden sie sich weiterhin unter rheinpfalz.de/fahrrad. Eingebettet ist jeweils auch der Verlauf in digitaler Form mit vielen Infos über die App Outdooractive.
