Rückblick 2024 Eine neue Gretchenfrage: Was ist schön genug für Speyer?

Unter Denkmalschutz. Brezelhäuschen vor der Postgalerie.
Unter Denkmalschutz. Brezelhäuschen vor der Postgalerie.

Die Speyerer lieben ihre Stadt – auch wegen der hochattraktiven historischen Kulisse. Sie reden mit, wenn vor allem auf der prominentesten Achse zwischen Dom- und Postplatz etwas verändert werden soll. Anlässe dafür gibt es 2024 reichlich.

Pläne für die Neugestaltung des Postplatzes sind schon seit Jahren angekündigt. 2024 werden sie unter anderem mit mehreren Runden der Bürgerbeteiligung vorangetrieben. Der Realitätstest zeigt jedoch schnell: So einfach, wie sich das die Stadt vorstellt, geht es nicht. Zunächst kündigt Stephan Böhm, an der Umgestaltung von Postplatz und Maximilianstraße in den 1980er-Jahren beteiligter Architekt, sein Veto an – wobei fraglich bleibt, ob das überhaupt Auswirkungen auf das Projekt haben könnte. Der Baumeister sieht aber sowohl geplante Eingriffe in die Platzstruktur wie auch den Austausch der Bänke in der Maximilianstraße kritisch, die die Stadt ankündigt. „Die Bänke sind Teil des unter Schutz stehenden Gesamtdenkmals“, so seine Einschätzung.

Der nächste Gegenwind kommt von der Landesdenkmalbehörde. Sie stellt das Brezelhäuschen auf dem Postplatz, ein Werk von Böhms Vater Gottfried Böhm, unter Schutz. Sowohl der Kiosk als auch der Stahl-Glas-Pavillon darüber hätten als Bauwerke der Postmoderne einen besonderen Zeugniswert. Die Denkmalschutz-Initiative sei von der Behörde ausgegangen und habe nichts mit den Umgestaltungsplänen für den Postplatz zu tun, betont der Landeskonservator. Die Stadt ist wenig beglückt von dieser Entscheidung und legt (erfolglos) Widerspruch ein. Auch der Standort des Häuschens ist damit laut Landesdenkmalbehörde festgelegt.

Aufschrei wegen Podest

Die Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Platz werden zudem durch Änderungen vor dem Haupteingang der Postgalerie eingeschränkt. Diese hat die Stadt dem Gebäudebetreiber über einen städtebaulichen Vertrag gestattet. Zentraler Bestandteil: ein Podest rechts vom Portal für eine Nutzung als gastronomischer Freisitz. Als dieses im Dezember als Konstruktion aus Stahl und Kunststoff entsteht, gibt es einen Aufschrei: Politik und etliche Bürger bemängeln die Gestaltung und die Platzierung, die den Gehweg vor dem Einkaufszentrum in potenziell gefährlicher Weise einschränke.

Das Beschwerde-Muster in Sachen Ästhetik ist bekannt vom Domplatz: Diesen ziert 2024 eine von der Stadt aufgestellte temporäre „Klima-Oase“ mit Holzmöbeln und üppiger Pflanzenwelt. Das mit dem „Zieren“ sehen freilich viele anders. Eine Kritik: Die „Oase“ wirke improvisiert und sei vor dem Dom als Weltkulturerbe nicht angemessen. Auch dazu muss sich die Stadt mit dem Landesdenkmalschutz auseinandersetzen. Abhängig davon sollte die Szenerie entweder noch ein Jahr erhalten oder möglichst schnell abgebaut werden. Zudem sollen Planungen für mehr dauerhafte Stadtbegrünung anlaufen. Wer auch immer dazu befragt wird oder ungefragt mitredet: Fortsetzung scheint gesichert.

Im Schatten des Welterbes: Klima-Oase am Domplatz.
Im Schatten des Welterbes: Klima-Oase am Domplatz.
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