Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Diskussion: Wenn Politiker „Mensch wähl’ mich“ spielen

Fragestunde beim DGB in St. Hedwig (von links): Fritz Weilacher, Ralf Stüber Johannes Steiniger, Isabel Mackensen-Geis, Misbah K
Fragestunde beim DGB in St. Hedwig (von links): Fritz Weilacher, Ralf Stüber Johannes Steiniger, Isabel Mackensen-Geis, Misbah Khan und Jonas Leibig.

Sechs Bundestagskandidaten der demokratischen Parteien spielen im Gemeindezentrum St. Hedwig „Mensch wähl’ mich“.

Der Elefant war es, dem viele Publikumsfragen an CDU-Spitzenkandidat Johannes Steiniger galten: Die Ereignisse der vergangenen Woche im Deutschen Bundestag trieben viele um. Als Steiniger die erste Publikumsfrage würfelte, trommelten Vorwürfe auf den 37-jährigen Christdemokraten ein, der seit 2013 im Bundestag sitzt. Er blieb vom CDU-Ziel, die Alternative für Deutschland (AfD) zu schwächen, überzeugt. „Wir brauchen eine Atempause und Grenzkontrollen“, fasste Steiniger als Verteidigung des umstrittenen Abstimmungsverhaltens seiner Partei zusammen. Grünen-Kandidatin Misbah Khan (35) hielt dagegen, dass dies „billigen Wahlkampftricks geschuldet und reine Symbolpolitik“ gewesen sei. SPD-Kandidatin Isabel Mackensen-Geis (38) sah Lösungen für Migrationspolitik ausschließlich in Europa, erklärte aber: „Wir lassen uns nicht erpressen.“

Das Spielfeld, ähnlich dem von Monopoly, hielt Schwerpunkte wie Wohnen, Arbeit, Familie oder Wirtschaft bereit. Wo im Brettspiel Ereigniskarten liegen, gab es bei „Mensch wähl' mich“ Publikumsfragen. Wer über das Feld „Los“ ging, erhielt eine Veto-Karte. Bis zu zwei Minuten Zeit blieb den Kandidaten jeweils für Antworten und Positionierungen. Die von DGB-Regionalgeschäftsführer Rüdiger Stein eingesetzte Sanduhr entschied über die Redezeit, die selten überschritten wurde.

Neu im Geschäft

Selbstbewusst nahm Jonas Leibig, Kandidat der Linken im Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal, den Würfel in die Hand. Der 31-Jährige war Ersatzmann für den erkrankten David Koch, Kandidat im Wahlkreis Neustadt-Speyer. „Alle wollen regieren, wir wollen verändern“, erklärte Leibig schon bei seiner Vorstellung und meinte damit beispielsweise die deutliche Erhöhung des Mindestlohns. Vor ihm sprach sich Ralf Stüber (30), liberaler Kandidat für die Südpfalz, für individuelles Wohnen ohne jede Vorschrift aus. Außerdem: „Wer arbeiten will und kann, der soll.“ Nicht alle Publikumsfragen, beispielsweise die zum Themenkomplex Familie, konnte der FDPler beantworten. „Daran arbeite ich noch“, sagte der 30-Jährige. Er sei noch neu im Geschäft und müsse sich in viele Themen einlesen. Er war anstelle der Speyerer FDP-Direktkandidatin Bianca Hofmann dabei. Khan forderte neben der notwendigen Einwanderung von Fachkräften auch „helfende Hände“.

Fritz Weilacher (75), Kandidat für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), blieb allgemein. „Es braucht mehr Anreize und neue Ideen zum Beispiel für die Gastronomie“, war er überzeugt und forderte die Abschaffung des Kirchenrechts.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Unterschiedlicher konnten die Politiker-Meinungen zum Bürgergeld nicht sein. Für Steiniger ist es „ungerecht“ und fördert Schwarzarbeit, Mackensen-Geis erinnerte an das „vom Gericht festgelegte Existenzminimum“ und 30 Prozent Aufstocker. Dass die Union Bürgergeld kürzen wolle, war für Leibig „schamlos“. Er forderte vielmehr eine Leistungserhöhung. Khan schlug vor, „statt das Bürgergeld zu kürzen, den Mindestlohn zu erhöhen“.

Warum Kinderrechte immer noch nicht im Grundgesetz stehen, kann sich Mackensen-Geis nicht erklären. Grundsätzlich sei gutes Aufwachsen mit gerechten Bildungschancen und ohne Abhängigkeit vom Status der Eltern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte die Genossin. „Gemeinsam sind wir stark“, rief sie dem Publikum am Ende des Wahlspiels zuversichtlich zu.

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