Speyer Die Sparkasse spürt den Druck

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Weniger Personal, weniger Filialen, steigende Gebühren und ein satter Einbruch beim Jahresüberschuss um fast 60 Prozent: Die anhaltende Niedrigzinsphase und das sich wandelnde Kundenverhalten zwingen die Sparkasse Vorderpfalz zu drastischen Einschnitten. Die gestern vorgestellte 2015er-Bilanz zeigt das ganze Dilemma dieser Finanzbranche. Der Ausblick ist ernüchternd.

Bilanzpressekonferenzen laufen oft nach Schema F ab: Jedes Jahr werden noch bessere Zahlen und noch effizientere Strukturen präsentiert. Und die Verantwortlichen klopfen sich gegenseitig auf die Schulter. Gestern war das etwas anders. Man könnte auch sagen: einen Tick realistischer als sonst. Rüdiger Linnebank (48), Vorstandschef der Sparkasse Vorderpfalz, und sein „Vize“, Clemens G. Schell (62), sprachen zwar bisweilen im alten Duktus von einem „zufriedenstellenden Betriebsergebnis“, was den Kern der Sache trotz einiger „Testsieger-Trophäen“ auf dem Tisch natürlich nicht ganz trifft. Die Wortwahl ließ aber schon erahnen, dass es im Vorjahr nicht gerade brillant für das Kreditinstitut gelaufen ist. „Angesichts der Rahmenbedingungen geraten wir zunehmend unter Druck“, beschönigte Linnebank nichts. Zwei Faktoren machte er dafür verantwortlich: die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die Linnebank als „unsinnigen Paradigmenwechsel“ bezeichnete. Darunter leide das Geschäftsmodell Sparkasse, weil dadurch der Zinsüberschuss und in der Folge der Ertrag schrumpfe. Hinzu komme das Kundenverhalten in Zeiten der Digitalisierung. „Online-Banking spielt eine immer größere Rolle. Der Zuwachs ist rasant“, sagte Schnell. Gegenüber 2014 gibt es fünf Prozent mehr Nutzer, was über 93.000 Online-Konten entspricht. Nur noch jeder Dritte nehme die Filialbetreuung in Anspruch, perspektivisch werde es nur noch jeder Fünfte sein. Darauf müsse man als landesweit größtes Sparkassenhaus, das Mitte 2013 aus der Fusion der Institute Ludwigshafen/Schifferstadt, Rhein-Pfalz-Kreis und Speyer hervorgegangen ist, reagieren. Eine Konsequenz könnte die Ausdünnung des 62 Filialen umfassenden Geschäftsstellennetzes sein. Zurzeit ist es laut Linnebank und Schnell „auf dem Prüfstand“ beziehungsweise „unter der Lupe“. Aus drei Hauptsitzen in Ludwigshafen (2) und Speyer (1) könnten absehbar zwei werden. Der Entwicklung gegensteuern will die Sparkasse laut Linnebank in mehrfacher Hinsicht: mit einer noch besseren Beratungsqualität. „Das ist unsere Zukunft. Die Auszeichnungen zeigen, dass wir da auf dem richtigen Weg sind.“ Ferner mit dem Ausbau des Provisionsgeschäfts (Wertpapiere, Bausparverträge), mit einer Aufstockung des Eigenkapitals (aktuell 456 Millionen Euro, +4,3 Prozent), um Kreditrisiken abzusichern, sowie mit Kosteneinsparungen von mittelfristig bis zu 10 Millionen Euro im Jahr. Ein erster drastischer Einschnitt war der bereits Ende Februar angekündigte sozialverträgliche Abbau von 140 Jobs bis 2020. 60 Stellen fallen allein in diesem Jahr weg. Bislang 70 Mitarbeiter haben Schnell zufolge Interesse an den Abfindungs- und Teilzeitmodellen bekundet. Die fast 1100 Mitarbeiter verteilen sich auf gut 850 Vollzeitstellen, darunter 60 Auszubildende, denen nur noch befristete Verträge angeboten werden. Der Vorstand verkleinert sich bis 2018 gegenüber 2015 von fünf auf drei Köpfe. Es gibt aber auch gute Nachrichten: In Rheingönheim wird Ende April eine SB-Geschäftsstelle eröffnet, die Internetseite soll ab 21. April als „Multikanalbank“ bequem von unterwegs aus per Tablet, Notebook oder Smartphone nutzbar sein. Die Kundenzahl sei stabil, der Zinsüberschuss nicht so stark gesunken wie befürchtet. Das Bauspar- und Versicherungsgeschäft habe Zuwächse. Die Immobiliennachfrage sei ungebrochen. Der Umbau der Hauptstelle Speyer vor allem wegen veralteter Technik werde noch mindestens ein halbes Jahr geplant und 2017 starten. Linnebanks Ausblick: „Die nächsten Jahre werden sehr schwer. Die Ergebnisberichte der Sparkasse werden schlechter werden.“

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