Speyer „Die Kleinsten brauchen größte Nähe“
Zur Woche der Kindertagespflege hat sich der Speyerer Verein „Pro Kindertagespflege“ am Samstag in der Postgalerie der Politik vorgestellt. Die Mitglieder fordern eine Interessenvertretung auf Landesebene, mehr Unterstützung bei Zusammenschlüssen mehrerer Tagesmütter und die Gleichstellung von Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege.
Zwei Oberbürgermeister-Kandidaten waren da, Stadträte, CDU-Landtagsabgeordneter Reinhard Oelbermann und Alexander Schweitzer, Fraktionschef der SPD im Mainzer Landtag. Außerdem Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) mit Michael Stöckel, bei der Stadt zuständig für den Bereich Kindertagesstätten/Kindertagespflege. Als „fürchterlich mühsam“ beschrieb Oelbermann die Fortschritte der Landesregierung in Sachen Kindertagespflege. „Angst vor nicht kontrollierbarer Konkurrenz zum eigenen Modell“ der institutionellen Versorgung von Klein- und Vorschulkindern, vermutete er als Ursache. Oelbermanns Einschätzung nach wird es noch mindestens vier Jahre dauern, bis Bewegung in die für ihn klar nachvollziehbaren Forderungen von „Pro Kindertagespflege“ kommt. Schweitzer, am Samstag zur Wahlkampf-Unterstützung von Genossin Stefanie Seiler in Speyer, bot den Tagesmüttern spontan einen Gesprächstermin an. „Kindertagespflege ist eine wesentliche Ergänzung zur Betreuung in Kindertagesstätten“, betonte Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU). Um den bestehenden Rechtsanspruch auf Plätze zu erfüllen, müsse die Stadt Kitas bauen, erklärte er. Den Tagesmüttern versprach er „die Unterstützung, die sie für ihre Vorhaben benötigen“. Der Forderung des Vereins nach Gleichstellung mit Kita-Einrichtungen schloss sich Eger an. „Schon wegen der Wahlfreiheit der Eltern und der sinnvollen Bündelung von Ressourcen.“ Die Tagesmütter wiesen auf ihr bindungsintensives Familienangebot hin, das besonders für kleine Kinder und Eltern mit Arbeitszeiten über die Kita-Öffnungen hinaus wichtig sei. „Die Kleinsten brauchen größte Nähe“, betonte Vereinsmitglied Susanne Holzinger. Sie forderte zudem mehr Zeit für den Übergang von Tagespflege zu Tageseinrichtung. „Sobald ein Kita-Platz da ist, muss das Kind sofort wechseln“, berichtete sie aus der Praxis. „Probleme werden auf dem Rücken der Tagesmütter, Eltern und Kinder ausgetragen“, kritisierte sie die derzeitige Situation.