Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsche Meisterschaft: RV 08 Dudenhofen erholt sich vom Horrorsturz

Der Sport steht wieder im Mittelpunkt: Jens Hartwig (Zweiter von rechts), Vorsitzender des RV Dudenhofen, mit Keirin-Meister Luc
Der Sport steht wieder im Mittelpunkt: Jens Hartwig (Zweiter von rechts), Vorsitzender des RV Dudenhofen, mit Keirin-Meister Luca Nissel, Luca Spiegel und Paul Groß.

Der RV 08 Dudenhofen schließt mit den schrecklichen Ereignissen vom Hochsommer ab – fast. So sieht der Weg zurück in die Normalität aus. Personelle Weichen gestellt.

Jens Hartwig (55), Vorsitzender des RV 08 Dudenhofen, hat soweit mit den Ereignissen rund um den tragischen Unfall mit etlichen Schwerverletzten bei der deutschen Bahnradmeisterschaft im Hochsommer im Dorf abgeschlossen. Wie ohnehin geplant, brach er kurz nach der Veranstaltung in sein Ferienhäuschen in Zeeland (Niederlande) auf. „Das ist mein Rückzugsort“, sagte Hartwig im Gespräch mit unserer Zeitung: „Es ist in Bruinisse, wo die Miesmuscheln herkommen. Es sind nur ein paar Stunden Fahrzeit, nur dass ich vier statt zwei Wochen zum Relaxen dort war.“

Die Sportstätte in Dudenhofen sei sicher und sei sechs Wochen zuvor abgenommen worden: „Alle Fahrer hatten Lizenzen. Wir sind von allem frei gesprochen worden.“ Mit einigen der Verletzten habe Hartwig Kontakt aufgenommen, sich mit einem beteiligten Aktiven und dessen Trainer getroffen. Die Veranstalterhaftpflicht habe den Schaden übernommen. Die Kosten für zwei zerstörte Brillen in Höhe von je 300 Euro habe der RV 08 bezahlt.

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Zuletzt beendete German Cycling die Titelkämpfe mit den ausstehenden Finals im Keirin der Unter-19-Jährigen und der Elite anlässlich des dritten Brandenburg-Sprintcups im Lausitz-Velodrom Cottbus. Martin Salmon vom Verein, der im Vorfeld der DM beratend aus Fahrersicht unterstützte, griff nicht mehr in den Kampf um die Plätze eins bis sechs und sieben bis zwölf ein: „Viele sind nicht gefahren. Es war ein kleines Feld.“ Darin befand sich mit Theo Fischer einer der gestürzten Radsportler.

Freund Mildner

Hartwig weilte auf Einladung von Bernd Mildner, Vorsitzender von RK Endspurt 09 Cottbus, vor Ort. Die beiden lernten sich 2023 bei der DM im Osten kennen: „Ich war begeistert. Er hat gesagt, das sind deine Rennen und dass ich die Siegerehrung machen soll. Es war ein warmherziger Empfang.“ Der Hausherr habe den Keirin mit den Worten deutsche Meisterschaft Dudenhofen, Austragungsort Cottbus, angekündigt. Bei der Siegerehrung stand der 55-Jährige, der heute wieder in Limburgerhof lebt, auch in der Mitte: „Ich habe mich sehr gefreut. Es gab Beifall. Damit ist für mich die DM zu Ende gegangen. Das hat mir sehr geholfen.“

„Ich trete auf jeden Fall wieder an“, kündigte Hartwig die Mitgliederversammlung des Klubs am Mittwoch, 29. Oktober, an. Das gelte auch für den kompletten Vorstand. Für das bisher vakante Amt seines Stellvertreters sei jemand aus den Reihen der BMX-Abteilung gefunden. Hartwig konzentriere sich dann weiter auf Sponsoren und Presse, der Neue um innere Angelegenheiten. Peter Stahl als Bahnwart sowie Beisitzer scheidet aus.

Für 2026 stehen die turnusgemäßen Renntermine fest. Am Pfingstmontag, 25. Mai, endet die Bahnentournee in der Badewanne. Wie in diesem Jahr, machen Darmstadt und Oberhausen-Rheinhausen als Austragungsorte mit. Der Macher geht zum jetzigen Zeitpunkt auch aufgrund des internationalen Kalenders von einem etwas schwächeren Feld aus, verzeichnet aber eine positive Resonanz.

Sprint-Grand-Prix

Am Freitag/Samstag, 28./29. August, steigt wieder der dieses Jahr den nationalen Titelkämpfen zum Opfer gefallene Sprint-Grand Prix: „Er wird hochrangig besetzt sein.“ Der Vorsitzende baut dabei nicht zuletzt auf die Kontakte von Kurzzeit-Bundestrainer Jan van Eijden, dem Ex-Dudenhofener, unter anderem nach Großbritannien, wo er lange erfolgreich arbeitete. Auf dem Programm stehen auch Keirin-Rennen: „Das haben wir nach Cottbus entschieden.“

Selbst eine DM schließt der Mittfünfziger, der die Speyerer Gymnasien Friedrich-Magnus-Schwerd und Nikolaus-von Weis, besuchte, nicht aus. Die Veranstalter rissen sich nicht gerade darum. 2026 geht es in Büttgen auf Holz um Gold. Dann nähern sich Olympische Spiele 2028 in Los Angeles mit einem anderen Belag als der Zement von Dudenhofen: „2029“, sinniert Hartwig.

Baulichen Veränderungen nach den Vorfällen in der Badewanne schließt er aus. Hartwig hielt vor Ort Rücksprache mit Walter von Lütken, der Bahnen wie München, Bremen, London, in den Vereinigten Arabischen Emiraten baute. Eine Polycarbonatumrundung verschlinge 150.000 bis 180.000 Euro: „Alle fünf bis sieben Jahre muss für 50.000 bis 60.000 Euro ausgetauscht werden. Das ist gar nicht zu finanzieren, auch nicht mit Förderung.“ Technische Anpassungen von Seiten der Union Cycliste Internationale (UCI) für mehr Sicherheit seien noch nicht zu ihm vorgedrungen: „Das ist ein großer Weltverband, und ich bin ein kleiner Verein.“

Herzog hört auf

Neben Salmon streift nach wie vor Nils Radmacher (Team Möbel Ehrmann) den Dress über, bis zu „Deutschen“. Dagegen beendet Talent Tim Herzog mit den Unter-19-Jährigen laut Hartwig aus sportlichen Gründen die Karriere. Mit der Radtouristikfahrt am Wochenende und 70 Teilnehmern zeigte er sich angesichts des Wetters und den Zahlen anderer Anbieter zufrieden. Im Frühjahr verzeichnete der RV 08 200 Gäste. Hartwig sieht die Bewegung bei ihm wieder im Kommen, begrüßt auch Jüngere an der Iggelheimer Straße. Am Samstag, 12. April, heißt es vom Spargeldorf in die Weinberge, am Samstag, 27. September, Federweiße-Tour.

Noch steht auch das Helferfest mit Glühwein aus. Für die Geschädigten will sich Hartwig etwas einfallen lassen, aber auf jeden Fall eine Einladung zu den Rennen. Dann postiert sich Hartwig in der Badewanne an der Stelle des Unglücks mit Petra See aus Römerberg, einer der Verletzen. Denn ganz aus dem Kopf verschwunden sind die Bilder noch nicht.

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