Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Defekter Lift: Mietnachlass im Ärztehaus

Eingangsbereich: Das Ärztehaus zählt fünf Obergeschosse.
Eingangsbereich: Das Ärztehaus zählt fünf Obergeschosse.

Das Drama um den defekten Aufzug, der die fünf Stockwerke des Ärztehauses II in der Hilgardstraße erschließen sollte, dauert an. Es gibt einige stark betroffene Patienten und viele, die mit dem Ausfall pfälzisch-pragmatisch umgehen. Beiden Seiten dürfte die Mitteilung der Diakonissen als Vermieter gefallen: Es gibt Licht am Ende des Tunnels.

An diesem Freitagmorgen gibt es wieder die komplette Bandbreite. Fast jeder Patient der sieben Praxen im Haus hat seinen Kommentar zum seit Anfang Oktober andauernden Aufzugsdefekt parat. „Dass das so lange dauert“, sagt ein Mann im Foyer ungläubig. „Man gewöhnt sich dran. Jeden Tag die Treppen wäre ein gutes Training“, meint eine Frau und schmunzelt. Eine Seniorin schleppt sich an Stock und Geländer Stufe für Stufe die Treppe hoch. Ihr Begleiter klappt den Rollator zusammen, auf den die Frau normalerweise angewiesen ist.

Patienten im Rollstuhl kommen teilweise gar nicht nach oben. Winfried Flügge aus Speyer schildert den Fall seiner Frau, die als Parkinson-Patientin auf ein solches Gefährt angewiesen ist. „Zwei Termine in der neurologischen Praxis im fünften Stock sind deshalb abgesagt worden“, berichtet er. Sie warte nun seit Wochen und habe keine Alternativen. Der Tipp aus der Praxis, immer wieder anzurufen und nachzufragen, ob der Aufzug wieder funktioniert, sei für die Betroffenen auch nicht befriedigend.

Suche nach Lösungen gelingt

Die Praxis telefonisch zu erreichen, ist ohnehin schwierig: Vorige Woche war teilweise wegen Personalmangels nur eine Bandansage geschaltet. Einen Kommentar zum Umgang mit der Aufzugskrise möchten die Ärztinnen auf Anfrage nicht abgeben. Sie seien aber in engem Austausch mit den Diakonissen wegen des Themas.

Offener ist Dr. Mathis Münchbach, Inhaber der kardiologischen Praxis im dritten Stock. Es habe Probleme für deutlich eingeschränkte Patienten gegeben, sagt er, aber die seien aus seiner Sicht gelöst worden. Die Praxis habe einigen davon angeboten, ihre Termine in den Dezember zu legen und Jüngere, die keine Probleme mit den Treppen hätten, dafür vorgezogen. Außerdem hätten die Mediziner ihre Verbindungen zu Facharztkollegen spielen lassen und akuten Fällen Termine in anderen, barrierefreien Praxen vermittelt. Sein Team wolle mit dem Thema möglichst unaufgeregt umgehen, so Münchbach. Klagen verstärkten sich durch „Gerede“: Der gut gemeinte Tipp an ihn, dass kardiologische Praxen stets ins Erdgeschoss gehörten, helfe auch nicht weiter.

Handwerker vor Ort

Wer weiterhilft, sind Handwerker. Sie sind von den Diakonissen seit Oktober mehrfach ins Ärztehaus II geordert worden. Zunächst waren an dem 15 Jahre alten Aufzug Teile des „Herzstücks“ der technischen Anlage, die sogenannten Hauptschütze, erneuerungsbedürftig, was eine Wartezeit auf die Ersatzteile nach sich zog. Als die Reparatur am 4. November erfolgt war, lief der Aufzug für ungefähr 2,5 Stunden, bevor er erneut stehen blieb: Jetzt war der sogenannte Frequenzumrichter defekt, ohne den die Stromversorgung der Anlage nicht funktioniert. Auch hier musste den Diakonissen zufolge das Ersatzteil erst einmal bestellt werden.

In der vergangenen Woche waren wieder Handwerker vor Ort, und es zeichnet sich ab, dass der zuletzt genannte Zeitplan, nach dem er Aufzug Ende November wieder laufen sollte, eingehalten werden kann. „Das entscheidende Bauteil ist mittlerweile geliefert worden“, teilt Diakonissen-Sprecherin Barbara Fresenius auf Anfrage mit. Das Aufzugsunternehmen habe angekündigt, dass der Lift im Laufe dieser Woche wieder funktionstüchtig sein werde. Sobald der genaue Wochentag für die Inbetriebnahme feststehe, würden die betroffenen Mieter darüber informiert. Die Diakonissen seien ohnehin auf diese zugegangen, betont Fresenius: Weil seit Wochen nur ein eingeschränkter Praxisbetrieb möglich sei, hätten ihnen die Diakonissen eine angemessene Mietminderung angekündigt.

Unvermeidlich: Hinweis auf den Defekt und die erhoffte Abhilfe.
Unvermeidlich: Hinweis auf den Defekt und die erhoffte Abhilfe.
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