Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Bushaltestelle an Klinik: Wartehäuschen nach Umbau 30 Meter entfernt

Einsames Wartehäuschen: Der Unterstand für Fahrgäste der Stadtbusse markiert die alte Haltestelle vor dem „Vincenz“ in der Holzs
Einsames Wartehäuschen: Der Unterstand für Fahrgäste der Stadtbusse markiert die alte Haltestelle vor dem »Vincenz« in der Holzstraße. Die neue ist rund 30 Meter entfernt gegenüber dem Haupteingang.

Die Bushaltestelle am St.-Vincentius-Krankenhaus ist jetzt barrierefrei. Aber gibt es keinen Unterstand mehr für wartende Fahrgäste. Oder doch, nur woanders. Was ist da los?

Wer am St.-Vincentius-Krankenhaus vorbeikommt, kann eine bemerkenswerte Beobachtung machen: Fast genau gegenüber dem Haupteingang des Klinikkomplexes in der Holzstraße ist eine neue Haltestelle entstanden. Barrierefrei mit erhöhtem Bordstein, so dass Passagiere, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, leichter in die Stadtbusse einsteigen können, die dort halten. Eine durchaus löbliche Einrichtung an einem Krankenhaus. Ein dazugehöriges Wartehäuschen sucht man allerdings vergebens, jedenfalls unmittelbar an der Haltestelle. Ein Unterstand existiert dennoch. Er steht jedoch locker 30 Meter stadteinwärts, nämlich dort, wo sich die frühere Haltestelle befand.

Perspektivwechsel: im Vordergrund rechts die neue Haltestelle. Das dazugehörige Wartehäuschen lässt sich rechts im Hintergrund e
Perspektivwechsel: im Vordergrund rechts die neue Haltestelle. Das dazugehörige Wartehäuschen lässt sich rechts im Hintergrund erahnen.

Dennis Lischer zeigt sich höchst verwundert ob dieser Konstellation. Dazu muss man wissen: Lischer ist Busfahrer. Seit 30 Jahren lenkt der Schwegenheimer Linienbusse jeglicher Größe durch die Region. Auf vielen seiner Touren kam und kommt der 52-Jährige immer wieder durch die Domstadt. Die Anordnung aus brandneuer Haltestelle vor dem „Vincenz“ und dem Wartehäuschen in einiger Entfernung findet Lischer – gelinde gesagt – „nicht gelungen“, mindestens.

„Sollen nun die Busfahrer bei schlechtem Wetter, wenn die Menschen in der Wartehalle sitzen, dort halten und nicht an dem eigentlichen Bussteig?“, fragt sich Lischer: „Oder sollen sie an der neuen Haltestelle warten auf Fahrgäste, die sich untergestellt haben und dann erst durch den Regen herankommen müssen?“ Darunter wohlgemerkt auch solche, die womöglich nicht gut zu Fuß sind. „Oder werden die Busse in Zukunft mitunter sogar zweimal halten: einmal an der regulären Haltestelle und ein zweites Mal am Wartehäuschen?“, rätselt der Busfahrer. Der 52-Jährige kann über die separate Gruppierung zweier Elemente, die dem Sinn nach zusammengehören, nur den Kopf schütteln: „Wieso baut man so etwas?“

Neue Haltestelle wirft Fragen auf

Mit seinen Fragen ist der Schwegenheimer nicht allein. Auch in der jüngsten Stadtratssitzung sorgte die neue Haltestelle für einige Verwunderung, zumindest bei den Freien Wählern. Die hatten in einer Anfrage die aus ihrer Sicht ungünstige Planung kritisiert. So sei der neue Halt ausgerechnet im schmalsten Straßenabschnitt entstanden, sei unübersichtlicher und entbehre überdies eines Unterstandes, für den aufgrund des dichten Baumbestandes gar kein Platz am neuen Standort sei. Fahrgäste würden sprichwörtlich im Regen stehen. Warum man die alte Haltestelle überhaupt versetzt habe, wollten die Freien Wähler wissen.

Kürzlich ausgebaut: Haltestelle am St.-Vincentius-Krankenhaus umgeben von Bäumen.
Kürzlich ausgebaut: Haltestelle am St.-Vincentius-Krankenhaus umgeben von Bäumen.

Robin Nolasco, städtischer Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Bauwesen, mühte sich in der Stadtratssitzung, eventuelle Bedenken zu zerstreuen. Geplant worden sei der neue Standort deshalb, weil dieser wesentlich näher zum Haupteingang des „Vinzenz“ liege und die „kürzest mögliche Verbindung“ darstelle. Gerade für gehbehinderte Patienten sei dies von Vorteil. Weiterhin habe man gegenüber der früheren Haltestelle behindertengerechte Parkplätze auf der Fahrbahn ausgewiesen, um auf diese Weise eingeschränkten Patienten den Zugang zum Krankenhaus ebenfalls zu erleichtern.

Eingezeichnet: neue Behindertenparkplätze auf der Fahrbahn der Holzstraße gegenüber der früheren Haltestelle.
Eingezeichnet: neue Behindertenparkplätze auf der Fahrbahn der Holzstraße gegenüber der früheren Haltestelle.

Schöne Bäume, aber kein Unterstand

Dass nun große Bäumen die neue Haltestelle umrandeten, sei zudem schön. Ein Problem gäbe es jedoch mit deren Wurzelwerk, räumte Nolasco ein. Um dieses nicht zu schädigen, sei es leider nicht möglich, das alte Wartehäuschen an die neue Haltestelle zu versetzen. Man habe es daher vorerst am alten Standort belassen, zumal es gern als Sitzgelegenheit genutzt werde, sagte Nolasco. Und überhaupt habe der Stadtrat die Pläne im März 2023 abgesegnet.

Diese Erläuterungen leuchten Busfahrer Lischer nicht ein. Seiner Ansicht nach hätte die alte Haltestelle bleiben können, trotz der zusätzlichen Behindertenparkplätze. So aber habe man nun eine Haltestelle ohne Wartehäuschen und ein Wartehäuschen ohne Haltestelle. Das sorge für Verwirrung, sowohl bei den Passagieren, als auch bei den Busfahrern, meint Lischer: „Die müssen die ganze Sache wieder ausbaden.“ Dabei sei die Situation am „Vincenz“ noch Gold gegen jene am Cura-Center in der Iggelheimer Straße. Die dortige Bushaltestelle liegt rund 100 Meter Fußweg vom Ärztehaus entfernt. Einen Unterstand hat sie aber.

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