Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Besonderer Wahlkampf: Auch im Winter in die Fußgängerzone

Bundestag: schon sieben Bewerber um vorderpfälzisches Direktmandat.
Bundestag: schon sieben Bewerber um vorderpfälzisches Direktmandat.

Die vorgezogene Bundestagswahl am 23. Februar stellt besondere Herausforderungen an die Kandidaten. Sie starten in einen verkürzten Wahlkampf über die Wintermonate. Die für den Wahlkreis Neustadt-Speyer schon bekannten Bewerber weisen Gemeinsamkeiten bei den Taktiken, den wichtigsten Ressourcen und der Zuversicht auf.

CDU: „Auch an der digitalen Theke“

Johannes Steiniger (37, Bad Dürkheim) will den Wahlkreis zum dritten Mal in Folge gewinnen. „Ich setze voll auf die Verteidigung des Direktmandats“, betont er. Er starte mit seinem Team gut vorbereitet in den Wahlkampf, denn „wir waren vom Ampel-Aus nicht sonderlich überrascht“. Die Plakate seien schon vor Weihnachten fertig gewesen, viele weitere Werbemittel zwischen den Jahren produziert worden. „Hauptwerbemittel bleibt sicher mein ,Johannesbeergelee’, was ich zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern in jedem Wahlkampf selbst koche und dann verteile“, so Steiniger. Gelegenheit dazu böten die geplanten Haustürbesuche und „unterschiedlichste niedrigschwellige Gelegenheiten, bei denen Bürger mit mir sprechen können“. Das Budget habe sich gegenüber früheren Wahlkämpfen kaum verändert, wobei Anzeigen und Plakate teurer geworden seien. Durch den kurzen Wahlkampf sei einiges eingespart worden, aber wichtiger als Geld seien ohnehin seine Unterstützer, betont Steiniger. Bei der zunehmend digitalen Komponente sieht sich der Generalsekretär der Landes-CDU gut aufgestellt: „Durch meine starke Präsenz auf allen wichtigen sozialen Netzen kann ich dort auch punkten.“ Entscheidend sei für ihn, nicht nur während den Wahlkämpfen dort aktiv zu sein: „Wahlkampf findet am Stammtisch in der Kneipe, aber auch an der digitalen Theke statt.“

Heute schon im Bundestag: Misbah Khan, Isabel Mackensen-Geis, Johannes Steiniger.
Heute schon im Bundestag: Misbah Khan, Isabel Mackensen-Geis, Johannes Steiniger.

SPD: „Zeit für die Menschen“

Isabel Mackensen-Geis (38, Bad Dürkheim) ist seit 2019 Bundestagsmitglied. Sie will für möglichst viele Wähler ansprechbar sein. „Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit konzentriere ich mich auf Infostände, Haustürbesuche und kleinere, zielgerichtete Veranstaltungen, statt auf große Formate.“ Damit habe auch zu tun, dass ihr Budget wohl leicht unter früheren Größenordnungen liege. Ein Coup wie 2021, als sie Olaf Scholz auf den Neustadter Marktplatz holte, sei diesmal noch nicht absehbar, Ministerpräsident Alexander Schweitzer sowie SPD-Landeschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler hätten aber schon Besuche im Wahlkreis zugesagt. „Mir ist es wichtig, dass ich mir Zeit für die Menschen nehmen kann. Zeit ist in diesem Wahlkampf ein sehr rares Gut“, betont Mackensen-Geis. Umso dankbarer sei sie für die vielen Ehrenamtlichen, die sich beim Verteilen von Flyern, Betreuen von Infoständen oder Plakatieren beteiligten – und für die sozialen Medien. Deren Bedeutung steige insgesamt und werde 2025 besonders hoch sein, „da man in den Fußgängerzonen an nasskalten Wintertagen weniger Menschen antrifft“. Für sie spielten ohnehin beide Sphären eine Rolle: Wer sie persönlich erlebe, folge ihr danach oft auf ihren digitalen Kanälen, und ihre Follower würden wiederum auf ihre Veranstaltungen aufmerksam.

Grüne: „Politik lebt vom Zuhören“

Misbah Khan (35, Meckenheim), im Bundestag seit 2021 und diesmal Spitzenkandidatin auf der Landesliste ihrer Partei, lässt die Anfrage von der Landesgeschäftsstelle beantworten. Für die Grünen bleibe der direkte Kontakt zu den Menschen das zentrale Element im Wahlkampf: „Politik muss nahbar sein – sie lebt vom Zuhören.“ Gleichzeitig seien digitale Formate unverzichtbar, und der Schüssel liege in der klugen Kombination beider Ansätze. Die Kurzfristigkeit des Wahltermins stelle eine Herausforderung dar, könne aber dank eines starken Mitgliederzuwachses der Grünen zum Vorteil werden. Der Landesverband sei 2024 so stark wie noch nie im vergangenen Jahrzehnt gewachsen und liege inzwischen bei mehr als 6300 Mitgliedern. „Wir spüren, dass die Begeisterung und die Vorfreude auf diesen intensiven Wahlkampf groß sind.“ Als prominente Unterstützerin habe sich schon die Bundesvorsitzende Franziska Brantner angekündigt, die Khan am 12. Januar zum Neujahrsempfang der Partei in Neustadt begleiten werde.

AfD: „Noch effektiver“

Thomas Stephan (54, Haßloch) sieht sich „bestens vorbereitet“. Seine Partei sei „auf ein frühes Ende der Ampel-Koalition eingestellt“ gewesen. Die AfD werde wegen des „Winterwahlkampfs“ verstärkt auf digitale Methoden setzen, aber auch auf der Straße präsent sein. „Im digitalen Bereich sind wir als AfD bereits sehr gut aufgestellt. Nichtsdestotrotz arbeiten wir mit einer Agentur zusammen, die unsere Wahlwerbung noch effektiver platzieren soll“, erklärt Stephan. Beim Budget gebe es keine großen Unterschiede zu längerfristig planbaren Wahlkämpfen. Beim Einsatz ehrenamtlicher Helfer habe die junge Partei den Nachteil, noch nicht flächendeckend in allen Gemeinden vertreten zu sein. Sie habe aber einen „enormen Zulauf an neuen Mitgliedern“, die zunehmend für Unterstützung im Wahlkampf sorgten. Stephan kündigt eine zentrale Kundgebung mit prominenten AfD-Landespolitikern, die klassischen Infostände und „neuere Veranstaltungsformen“ an. „Insbesondere versuchen wir noch einige ,Dämmerschoppen’-Abende bei Würstchen und Glühwein zu organisieren.“ Das Werben verlagere sich zwar zunehmend ins Internet, so Stephan, er sei aber überzeugt, „dass es zum direkten Wählerkontakt vor Ort keine Alternative gibt“.

Thomas Stephan
Thomas Stephan

FDP: „Eingespieltes Team“

Bianca Hofmann (57, Speyer) setzt auf Social Media, Flyer und Veranstaltungen vor Ort. „Die Kurzfristigkeit verhindert leider größere Veranstaltungen“, sagt die Diplom-Kauffrau. Dazu komme die Konkurrenz vieler Neujahrsempfänge um die wenigen attraktiven Termine. Dennoch hätten die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt sowie die liberale Spitzenkandidatin Carina Konrad ihre persönliche Unterstützung zugesagt. „Wir sind ein eingespieltes Team – wir bekommen das nicht nur hin, wir bekommen das sehr gut hin“, betont Hofmann. Der engere Orga-Kreis bestehe aus drei Personen aus Speyer und drei aus dem weiteren Wahlkreis. „Die Unterstützung von den Orts- und Kreisverbänden ist sehr gut“, so Hofmann, die im Vergleich zu 2021, als sie ebenfalls kandidierte, auf ein kleineres Budget und „agilere Veranstaltungsformen“ setzt. „Digitale Präsenz wird zunehmend wichtiger – und auch die digitale Erreichbarkeit.“ Trotzdem wolle sie weiterhin vor Ort Präsenz zeigen, wobei die Bürger den Kontakt an der Haustür teils nicht mehr so schätzten wie noch in früheren Jahren.

Bianca Hofmann
Bianca Hofmann

Linke: „Wir klingeln“

Die Linkspartei hat den Landesvorsitzenden Dave Koch (40, Kaiserslautern) als Direktkandidaten für den Wahlkreis Neustadt-Speyer nominiert. Dieser betont die Bedeutung von Haustür-Gesprächen: „Wir klingeln bei den Menschen, fragen sie, was ihr Leben erschwert und was sich politisch daran verändern ließe.“ Die Kurzfristigkeit der Wahlankündigung habe daran nichts geändert. Mit dem Kernteam von rund einem Dutzend Aktiven könnten auch Aufgaben wie das Plakatieren, Infostände und die Produktion von Social-Media-Inhalten gestemmt werden. Für das Budget kündigt Koch einen Griff in die Reserven an. Er glaube aber, in der Summe unter anderen Parteien zu liegen, „da wir unbestechlich sind und daher keine Unternehmensspenden annehmen“. Für Koch ist „Social Media enorm wichtig geworden, da Meinungsbildung immer mehr darüber beeinflusst wird“. Der persönliche Kontakt bleibe aber unerlässlich.

Dave Koch
Dave Koch

Volt: „Zunehmend im digitalen Raum“

Sascha Ruffer (30, Haßloch) ist früher in den Wahlkampf gestartet als andere Kandidaten. Das hat damit zu tun, dass er und sein aus circa zehn Personen bestehendes Kernteam ausreichend Unterstützerunterschriften sammeln mussten, da die Partei noch nicht im Bundestag vertreten ist. Das ist gelungen, und Volt konnte schon „die allgemeine Stimmung, Sorgen und Hoffnungen gut einfangen“, wie Ruffer betont. Zur Strategie der Partei gehörten etwa „Meet & Greets“. Im neuen Jahr werde außerdem mit Flyern und Plakaten geworben, und für jeden Samstag sei ein Infostand in einer der großen Städte im Wahlkreis geplant. Die kurzfristig angesetzte Wahl erschwere das Rekrutieren von Helfern, sagt Ruffer, aber neben dem wachsenden Mitgliederkreis könne auf Freunde, Familie und sogar Förderer aus Frankreich und den Niederlanden gesetzt werden. „Der Wahlkampf findet zunehmend im digitalen Raum statt“, so der Kandidat. Damit erreiche er mehr potenzielle Wähler als mit der Konversion in der Fußgängerzone, auf die er aber ebenfalls setze.

Sascha Ruffer
Sascha Ruffer
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