Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Berzelhof: Stadt fördert Gastronomie

Prominente Lage: Der Berzelhof (hier vor dem Umbau) ist das kleine Gebäude genau in der Bildmitte mit roten und grünen Abdeckung
Prominente Lage: Der Berzelhof (hier vor dem Umbau) ist das kleine Gebäude genau in der Bildmitte mit roten und grünen Abdeckungen im Innenhof.

Kehrtwende beim Berzelhof in der Tränkgasse: Der angekündigte Abschied der Weinlounge zum Monatsende muss nicht bedeuten, dass dort kein Lokal mehr betrieben wird. Die Stadt will diese Nutzung jetzt sogar erleichtern, obwohl es zuletzt Proteste dagegen gegeben hatte.

Die Vorgeschichte ist kompliziert: Die zuvor leerstehende Altstadt-Immobilie war 2015 durch einen Blumenladen mit angegliedertem Café wiederbelebt worden. Die Investorin hatte den Zuschlag nach einer städtischen Konzeptausschreibung erhalten. Als sie 2022 in der Pandemie in eine wirtschaftliche Schieflage geriet, verkaufte sie das Gebäude, verkleinerte sich darin als (inzwischen ausgezogene) Mieterin und ermöglichte damit den Start der Weinlounge.

Der Gastronomiebetrieb wurde größer, was laut Stadt zuletzt nicht mehr dem Eintrag im Grundbuch entsprach. Vor fast einem Jahrzehnt war Wert darauf gelegt worden, das Ergebnis der Konzeptausschreibung zu fixieren: „Gastronomie ist nur untergeordnet in Verbindung mit einer Nutzung mit kulturellem, kunsthandwerklichem und/oder sozialen Bezug beziehungsweise einer Manufaktur möglich“, wurde beim Notar hinterlegt. Auch weil seit 2023 Berzelhof-Nachbarn die Betriebserlaubnis anzweifelten, beriet die Politik erneut.

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Änderung im Grundbuch

Im Stadtrat fiel vergangenen Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung eine Entscheidung: Die Dienstbarkeit im Grundbuch soll geändert werden, um im Berzelhof einen Gastronomiebetrieb zu erleichtern, wie Annika Roth, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, auf Anfrage mitteilt. Sie erklärt die Abwägung so: „Da sich der Berzelhof inzwischen als Weinlounge etabliert hat und für die Stadt als Bereicherung angesehen wird, soll jetzt ein Konzept gefunden werden, das auch wirtschaftlich auf Dauer tragbar ist. Das soll dadurch ermöglicht werden, dass nach wie vor ein Teil mit einer kunsthandwerklichen, kulturellen oder sozialen Nutzung beziehungsweise einer Manufaktur belegt werden soll.“ Neu wäre: „Die gastronomische Nutzung muss aber künftig nicht mehr untergeordnet sein.“

Auf die Kritik der Nachbarn, die sich vor allem auf Lärm aus dem Lokal und von dessen Freifläche beziehen, geht die Stadtverwaltung ebenfalls ein: Es handle sich um ein Mischgebiet, in dem Schank- und Speisewirtschaften zulässig seien, sofern sie das Wohnen nicht wesentlich störten. Diese seien von Beherbergungsbetrieben sowie von Vergnügungsstätten abzugrenzen. Mit der gastronomischen Nutzung könnte laut Roth zwar eine Vergrößerung des heute begrenzten Freisitzes möglich werden. Jedoch könnten „auch künftig nur solche musikalischen Sonderveranstaltungen angeboten werden, die die Anwohnenden nicht in ihrer Nachtruhe stören oder anderweitig unzumutbar sind“, betont die Verwaltung. Regelmäßige Musikdarbietungen, Feiern oder Veranstaltungen mit überörtlichem Einzugsbereich seien nicht zulässig.

Einzelheiten sind noch offen

Einzelheiten des Konzepts müssten noch mit dem Betreiber abgestimmt werden, informiert die Stadt. Bisher zeichnet die Berzelhof Weinlounge GmbH verantwortlich, die aber die Verlegung ihres Betriebs bis November ins Weingut Weegmüller in Neustadt-Haardt angekündigt hat. Zu den weiteren Plänen für Speyer hat Geschäftsführer Jan Kubat auf Anfrage noch keine Auskunft gegeben.

Positioniert hat sich dagegen schon die Nachbarsfamilie, die dem Betrieb in seiner bisherigen Form widersprochen hatte. Mit der Aufweichung der Regeln im Grundbuch passiere genau das, was sie befürchtet habe. Deshalb wollte sie vorige Woche selbst in der Einwohnerfragestunde des Stadtrats Fragen stellen, durfte jedoch aus formalen Gründen nicht. Sie hätte sich eine öffentliche Behandlung des Themas gewünscht, so die Familie. „Wir gehen weiter den juristischen Weg“, kündigt sie an. Den Schutz der Anwohner sieht sie nun geschwächt.

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