Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Bauernmarkt: Fröhliches Treiben, aber weniger Touristen

Volle Hütte: die Maximilianstraße während des Bauernmarkts.
Volle Hütte: die Maximilianstraße während des Bauernmarkts.

Thomas Scherners Bilanz über den ersten Bauernmarkt seit Pandemieausbruch fällt positiv aus. Alle 76 Beschicker seien sehr zufrieden, auch wenn Kaufkraft und Besucherzahlen im Vergleich mit 2019 nachgelassen hätten. „Wir machen weiter“, kündigt der Bauernmarktvereinsvorsitzende eine neue Auflage 2023 an.

Zwei Tage lang herrscht fröhliches Treiben auf der Maximilianstraße. Wer da ist, freut sich: Die Beschicker über Kunden aus Speyer und der ganzen Region, die Besucher über das reichhaltige Angebot hüben und drüben. Was fehlt, sind Forellen und Kürbispuffer. Zwei Teilnehmer hätten kurzfristig wegen Corona abgesagt, erklärt Scherner. Mehr als die kulinarischen Freuden vermissen die Standbetreiber die Touristen. „Früher fuhren bis zu 100 Busse von überall her den Speyerer Bauernmarkt an“, sagt der Vorsitzende.

Ganz ohne sie muss die Veranstaltung indes auch in diesem Jahr nicht auskommen. Die Münchnerin Elena Korschenewski ist am Samstag zum ersten Mal da und bereut den Verzicht auf den zeitgleichen traditionellen Fassbieranstich zum Oktoberfest ihrer Heimatstadt nicht. „Die Liköre sind toll, das Essen sowieso und die Stimmung fantastisch“, beschreibt sie ihren Eindruck vom ersten Bauernmarkt-Besuch, der „sicher nicht der letzte war“.

Besucherin: „Latwerg ist Geschmack und Gefühl“

Olaf Beckers Anreise war weniger aufwendig. Der Speyerer ist froh, endlich wieder neuen Wein in Bauernmarkt-Atmosphäre trinken zu können und einen Kanister des jungen Rebensafts mit nach Hause zu nehmen. Zum ersten Mal probiert er „Dinette“, die schwäbische Pizza.

Beim Anblick des Doms sei ihm warm ums Herz geworden, schildert Jonas Jacob, Dinette-Bäcker aus Oberschwaben und langjähriger Bauernmarkt-Teilnehmer, seine Lust auf Speyer. „Hier sind die Leute freundlicher als anderswo“, betont Jacob. Landwirt Andreas Jester aus Römerberg stimmt seinem Stand-Nachbarn zu. Am meisten habe ihm der Kontakt zu den Kunden gefehlt, sagt er.

Das Interesse an Landwirtschaft sei diesmal besonders groß, berichtet Scherner von viel Gesprächs- und Informationsbedarf der Besucher. „Endlich wieder Latwerk“: Diesen Satz hören Landfrauen-Vorsitzende Ute Grzesch und ihre Mutterstadter Mitstreiterinnen tausendfach an beiden Bauernmarkt-Tagen. Vor den Augen der Kunden bereitet der einzige Mann am Stand das Mus nach alter Handwerkskunst im Bottich zu. „Latwerg ist Geschmack und Gefühl“, sagt eine Kundin und packt gleich drei Gläser ein.

Scherner: Auflagen alleine nicht erfüllen können

Ingrid Oswald vertreibt schon seit 2014 eigenen Senf mit Schuss aus Altlußheim auf dem Speyerer Bauernmarkt. „Die Stammkundschaft ist wieder hier“, freut sie sich. „Man muss wieder raus“, erklärt Hans Bayerlein seinen Ausflug von Ketsch nach Speyer. Naturprodukte in Hülle und Fülle auf einer Straße, das Angebot habe er schmerzlich vermisst, sagt er und deckt sich mit Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger ein. Gegenüber verkauft eine Blumenhändlerin Hopfen meterweise, daneben gibt es Tabak aus der Pfalz. Drechsler, Schreiner oder Korbflechter demonstrieren alte Handwerkskunst, Feigenbäumchen, Coca-Cola-Sträucher, Kräuter und gebundene Herbststräuße sind genauso begehrt wie Fleischerzeugnisse vom Schwein, Rind und Pfer.

Zufrieden schenkt Scherner Obstbrände aus, die sein Familienbetrieb in Weisenheim am Sand produziert. „Vor den Verantwortlichen der Stadt ziehe ich den Hut“, lobt er namentlich Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und Marktmeisterin Heidi Jester. „Ohne sie wäre der Bauernmarkt nicht möglich geworden“, betont er. „Den hohen Sicherheitsauflagen hätten wir ohne städtische Unterstützung nicht gerecht werden können.“

 bunte Fraben bei der Blumerie aus Harthausen hier mit Stefanie Klein r und Tochter Lilli l.
bunte Fraben bei der Blumerie aus Harthausen hier mit Stefanie Klein r und Tochter Lilli l.
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