Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeister-Kandidat Alexander Schubert: „Mithelfen, auf unsere Demokratie aufzupassen“

Ausstellung Odyssey im öffentlichen Raum in Speyer: Wie viel Geld gibt’s für die Kultur, fragt auch der Kandidat für das zuständ
Ausstellung Odyssey im öffentlichen Raum in Speyer: Wie viel Geld gibt’s für die Kultur, fragt auch der Kandidat für das zuständige Beigeordnetenamt.

Im März 2026 hört Bürgermeisterin Monika Kabs auf. Am Donnerstag ist Nachfolgerwahl im Stadtrat. Einziger Kandidat: Alexander Schubert (CDU). Patrick Seiler hat ihn befragt.

Herr Schubert, die meisten Speyerer und Pfälzer kennen Sie nur als Direktor des Historischen Museums der Pfalz. Können Sie sich eigentlich schon selbst vorstellen, in wenigen Monaten etwas ganz anderes zu machen?
Nur zum Teil. Zum einen hängt im Augenblick natürlich mein Herz noch stark am Museum. Wir haben in diesem Jahr noch zwei Ausstellungen vor uns und sind intensiv in den Vorbereitungen. Andererseits rücken insbesondere durch meine Stadtratstätigkeit, meine Ehrenämter und den Austausch mit vielen, vielen Leuten in den letzten Wochen und Monaten die Themen der beiden Dezernate immer näher, und ich mache mir auch viele Gedanken darüber. Aber ich bin noch nicht im Amt, sondern noch voll drin in der Museumsleitung.

Warum wollen Sie den prestigeträchtigen Museumsposten nach elf Jahren aufgeben?
Das ist eine wichtige Frage, die ich mir selber auch gestellt habe. Ich habe meine ganze berufliche Laufbahn in Museen verbracht, fast 25 Jahre mit den Stationen Bamberg, Magdeburg, Mannheim und allein elf Jahre davon in Speyer. Da muss man etwas loslassen, zumal die Politik kein Karriereplan von mir war. Die Motivation ist eigentlich die, dass mich insbesondere seit der Pandemie immer mehr umtreibt, wie sich die Gesellschaft auseinanderentwickelt. Deshalb habe ich auch zugesagt, als ich gefragt wurde, ob ich 2024 für den Stadtrat kandidieren würde. Als es dann darum ging, ob ich mir die Bürgermeister-Kandidatur vorstellen könnte, hat mich meine Frau darin bestärkt: Sie meinte, ich redete doch inzwischen fast mehr über Kommunalpolitik als über Museumsbelange. Auch als Museumsdirektor versuche ich daran mitzuwirken, dass unsere Gesellschaft zusammenhält. Vielleicht kann ich aber im Bürgermeisteramt noch mehr mithelfen, auf unsere Demokratie aufzupassen.

Und Sie waren nicht etwa des Museumsjobs überdrüssig, zumal eigentlich in Ihrer gesamten Amtszeit bauschadensbedingte Raumnot bestand und jetzt auch noch jahrelange Arbeiten für einen neuen Erweiterungsbau anstehen?
Ich würde es eher anders herum sehen. Vor zwei, drei Jahren hätte ich komplett abgewunken, wenn eine Anfrage aus der Politik gekommen wäre. Jetzt ist aber so, dass wir mit dem Ende des Architektenwettbewerbs einen Meilenstein erreicht haben. Es nimmt wirklich an Fahrt auf und wird konkret. Vorher war das zehn Jahre lang eine Suche nach dem richtigen Verfahren mit ganz viel Bürokratie. Diese Phase ist jetzt überwunden und damit ein Stand erreicht, bei dem ich mir auch vorstellen könnte, das Haus in andere Hände zu geben. Es ist in keiner Weise mit Frust verbunden.

Andere Aufgaben, andere Qualitäten: Was könnten Sie vom Museum mitbringen in die Stadtverwaltung, was fehlt Ihnen vielleicht noch?
Natürlich wird es in der Stadtverwaltung darum gehen, alle Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und auch noch stärker zu verstehen, wie alles funktioniert. Ich habe natürlich Verwaltungserfahrung durch das Museum, aber im Rathaus ist es noch mal eine andere Dimension. Was ich mitbringe, sind sicherlich Managementerfahrungen. Bei den Großprojekten, die wir im Museum realisieren, ist das A und O eigentlich immer Kommunikation. Das kann ich bieten, aber immer noch viel dazulernen ...

Was müssten Sie gegebenenfalls anders machen als Amtsinhaberin Monika Kabs (CDU), die im März 2026 nach 16 Jahren in den Ruhestand geht?
Jeder ist anders. Vom Stil her hat das Monika Kabs immer sehr gut gemacht, auch der gesamte Stadtvorstand mit seinem einheitlichen Auftreten. Ich bin auch jemand, der Dinge gerne intern diskutiert, aber nach außen dann mit einer Stimme spricht. Von daher kann ich jetzt nicht sagen, was ich anders machen würde als Monika Kabs. Ich müsste erst mal sehen, wie die internen Abläufe sind. Ich glaube ohnehin, dass eine gewisse Kontinuität wichtig ist. Ich würde zunächst gut zuzuhören und erst dann Vorschläge für Veränderungen machen, wo sie sinnvoll erscheinen. Nur so kann man die Leute mitnehmen.

Sie sind der einzige Bewerber bei der Wahl am 3. Juli. Neben Ihrer CDU haben auch SPD, FDP, Freie Wähler und UfS schon Unterstützung angekündigt. Bei welchen Gruppen haben Sie sich sonst noch vorgestellt und wie war die Resonanz?
Ich habe mit sehr, sehr vielen gesprochen. Viele kannte ich schon, weil ein großer Teil der Stadträte gleichzeitig bürgerschaftlich engagiert ist – das ist ja das Schöne in Speyer. Es wird eine geheime Wahl, vor der ich Respekt habe. Aber rein von den öffentlichen Erklärungen der CDU, SPD, Freien Wähler, FDP und UfS sowie weiterer persönlicher Aussagen sehe ich schon einen gewissen Rückhalt und hoffe, dass sich dieser im Wahlergebnis auch abbildet.

Wie sehr wird Ihr CDU-Parteibuch eine Rolle spielen bei der Amtsführung?
Die Gemeindeordnung sieht vor, dass man im Amt neutral ist. Ich bin ohnehin kein Parteisoldat. Von meinem Wertegerüst verorte ich mich im Bereich von CDU und CSU, aber ich bin niemand, der sagt, weil die Union für oder gegen irgendwas ist, bin ich es automatisch und unreflektiert auch.

Mitglied der Partei sind Sie inzwischen, oder?
Ja, ich bin seit Kurzem in der CDU. Bei der Stadtratswahl 2024 war ich noch unabhängiger Kandidat.

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie eigentlich für sich nach einem Jahr im Stadtrat? Was macht Spaß an dieser Aufgabe, was nervt?
Die Anträge und die Beschlussvorlagen finde ich alle spannend, gerade wenn unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen. Ich finde auch, dass wir in der Regel gute Entscheidungen getroffen haben. Es nervt hingegen, wenn es nicht um die Sache geht, sondern wenn jemand, der eine bestimmte Meinung vertritt, persönlich angegriffen wird. Das ist nicht mein Stil.

Sie haben schon angekündigt, mit Speyerer Akteuren im Kultur-, Schul- und Sportbereich, den Sie wohl verantworten werden, einen engen Austausch anzustreben. Hat der Politiker Alexander Schubert auch schon eigene Initiativen im Sinn?
Die Zuständigkeit für die Schulen ist zwar auf verschiedene Dezernate und das Land verteilt, aber in meinen Gesprächen ist mir aufgefallen, dass von fast allen Gruppierungen oder Fraktionen der Zustand der Schulgebäude, auch der Toilettenanlagen zum Beispiel, thematisiert wurde. Das muss man sich unbedingt anschauen. Die Schulen sind Orte, an denen im Prinzip schon die Grundlage für den Zusammenhalt der Gesellschaft gelegt wird. Man muss sicher auch bei der Personalgewinnung für Kitas und Schulen dran bleiben. Dafür muss man mit dem Land sprechen, kann aber auch auf städtischer Ebene dazu beitragen, dass es einen positiven Spirit für diese sehr sinnstiftenden Berufe gibt, um nur zwei Dinge zu nennen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie im Kulturbereich? Speyer hat zwar für eine Stadt mit 50.000 Einwohnern ein außergewöhnlich reiches Kulturangebot, aber das rein kommunale Budget dafür wird ja begrenzt bleiben …
Der städtische Haushalt ist eng gestrickt. Auch wenn der Kultur- sowie der Sportbereich nicht ohne Förderung der Stadt funktionieren würden, kann das Budget nicht einfach erhöht werden. Durch meine Museumstätigkeit bin ich gut auf dem Laufenden über Drittmittel-Möglichkeiten: Da muss man gucken, wie unseren städtischen Kultureinrichtungen oder auch der freien Szene geholfen werden kann. Zusammen mit der Wirtschaftsförderung könnte es auch um Sponsoring aus der Wirtschaft gehen. Ob irgendwann die Zeit reif ist für die schon länger vorgeschlagene Tourismusabgabe zugunsten der Kultur, muss man sehen.

Chefin im Stadthaus und wohl Ihre wichtigste Kollegin wäre Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Wie gut kennen Sie sie schon?
Wir kennen uns gut, weil Frau Seiler ja in den Gremien des Historischen Museums vertreten ist. Es gibt viele Termine, zum Beispiel auch bei der Europäischen Stiftung Kaiserdom, dem Verkehrsverein, der Kulturstiftung oder der Leistungsgemeinschaft, bei denen wir uns heute schon regelmäßig begegnen. Wir haben einen sehr professionellen Austausch miteinander.

Haben Sie im Vorfeld schon mit ihr über das mögliche Amt gesprochen?
Nein, vor der Wahl macht das weniger Sinn. Aber wenn ich gewählt werde, dann werden wir sicherlich in Austausch treten.

Frau Seiler wird sich 2026 der Wiederwahl als Oberbürgermeisterin stellen. Es gibt Beobachter, die Sie als Gegenkandidaten erwartet hatten und sich nun wundern, dass es wohl nicht so kommen wird, weil sie erst kurz vor der Wahl das Bürgermeisteramt antreten würden. War das vielleicht strategisch zu kurzsichtig?
Nein, ein strategischer Fehler war’s auf keinen Fall. Es ist so, dass gerade die beiden Dezernate Soziales und Kultur/Sport die Bereiche sind, in denen ich mich wiederfinde und einbringen möchte. Deswegen hat sich die Oberbürgermeister-Frage für mich gar nicht gestellt. Ich gehe davon aus, dass die CDU dafür einen anderen Kandidaten oder eine Kandidatin vorstellen wird.

Zur Person

Alexander Schubert (55, verheiratet, ein Sohn) ist seit 2014 Direktor des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Der promovierte Historiker kandidiert für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters. Es wird in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 3. Juli (17 Uhr, Stadtratssitzungssaal), auf acht Jahre vergeben.

Bisher in Speyer als Museumsdirektor bekannt: Alexander Schubert.
Bisher in Speyer als Museumsdirektor bekannt: Alexander Schubert.
x