Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeister Jürgen Hook nach Krebsdiagnose: „Ich habe unfassbaren Zusammenhalt erfahren“

Wieder an seinem Schreibtisch: Jürgen Hook, SPD-Politiker und Ortsbürgermeister von Dudenhofen.
Wieder an seinem Schreibtisch: Jürgen Hook, SPD-Politiker und Ortsbürgermeister von Dudenhofen.

Jürgen Hook ist zurück: Der Ortsbürgermeister von Dudenhofen war ein halbes Jahr nicht im Dienst. Im Interview spricht er über seine Krankheit und wie sie ihn verändert hat.

Wie geht es Ihnen, Herr Hook?
Gut, die Anspannung ist aber immer noch da. Die Krankheit hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe in den vergangenen sechs Monaten viel Zeit in Krankenhäusern und bei Ärzten verbracht. Eine Rehamaßnahme steht noch aus. Es ist erleichternd, darüber zu sprechen – nicht um Mitleid zu erregen, sondern um mir die Krankheit von der Seele zu reden. Ich habe meine Arbeit wieder aufgenommen, auch das tut mir gut. Man beschäftigt sich mit anderen Dingen und das bringt einen auf andere Gedanken.

Können Sie den Moment beschreiben, als Sie im Sommer die Krebsdiagnose erhalten haben?
Es war ein totaler Schock. Ich konnte das erst gar nicht für mich realisieren, aber das Leben muss und wird ja weitergehen. Ich denke, dass es vielen Menschen in dieser Situation genauso geht, wie mir.

Was hat die Krebsdiagnose mit Ihnen und Ihrer Familie gemacht?
Die Krankheit hat mich und meine Familie verändert. Wir hatten schon immer ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Meine Familie hat mir immer Rückhalt bei meiner politischen Arbeit gegeben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass wir noch enger zusammenrücken. Ich habe einen unfassbaren Zusammenhalt erfahren. Das hat mir viel gegeben – genauso wie die Gewissheit, dass ich mich auf meine Vertreter im Rathaus, Reinhard Burck, Frank Heider sowie die Mitarbeiter der Orts- und der Verbandsgemeinde verlassen konnte. Sie haben einen tollen Job gemacht und sich während meiner Abwesenheit für das eingesetzt, was auch mir am Herzen liegt: die Feste, die Kerwe, den Weihnachtswaldbasar, das 50-jährige Partnerschaftsjubiläum mit Martell und natürlich die Kommunikation mit den Bürgern. Das ist repräsentativ für die Ortsgemeinde und mir war immer wichtig, dass das gut läuft. Dann kommt die tägliche Verwaltungsarbeit dazu, das war schon eine Menge Arbeit für meine Vertreter. Sich auf so viele Menschen verlassen zu können, betrachte ich als großes Geschenk. Das macht mich demütig und dankbar zugleich. Dafür würde ich gerne, auch auf diesem Wege, Danke sagen.

Wie sahen die Rückmeldungen aus, die Sie von Bürgern erhalten haben?
Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Die Menschen, nicht nur aus Dudenhofen, haben mir so viel zurückgegeben, als es mir nicht gut ging. Ich habe E-Mails, WhatsApp-Nachrichten, Briefe und vieles mehr erhalten – das hat mich unglaublich beeindruckt. Es gab auch viele persönliche Begegnungen, bei denen mir Mut zugesprochen wurde. Ich bin vom Grundsatz her ein positiv denkender Mensch. Umso mehr würdigt diese Anerkennung die oftmals herausfordernde Arbeit als Bürgermeister und gibt mir zugleich neue Kraft für die nächsten dreieinhalb Jahre in diesem Amt. Nach dem Neujahrsempfang vorletzte Woche und als der Artikel in der RHEINPFALZ erschienen ist, in dem stand, dass es mir besser geht und ich schrittweise ins Rathaus zurückkehre, gab es auch wieder viele positive Rückmeldungen. Es waren tolle, motivierende und wertschätzende Begegnungen, die mir immer in Erinnerung bleiben werden.

Wie hat Sie die Krankheit als Mensch verändert?
Ich habe mein Leben neu geordnet. Ich habe gelernt, meine Zeit anders zu nutzen. Ich habe zu meiner Tochter gesagt, dass es in allem Schlechten auch etwas Gutes gibt. Eine Krebserkrankung ist zweifellos eine schwere Erfahrung. Sie kann jedoch auch dazu führen, das Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten, Prioritäten klarer zu setzen und die eigene Widerstandskraft zu erkennen. Da bekommt ein einfacher Spaziergang, bei dem man sich Zeit nimmt für die Menschen, die man liebt, eine ganz andere Bedeutung. Ich habe auch gelernt, die Dinge ins Verhältnis zu setzen. Sie wissen, dass ich in den sozialen Netzwerken immer wieder angefeindet wurde, da waren viele unschöne Dinge dabei. Das macht etwas mit einem und natürlich auch mit meiner Familie. Das möchte und werde ich so nicht mehr an mich heranlassen, es gibt wahrlich wichtigere Dinge im Leben. Ich freue mich nun wieder auf meine Arbeit im Rathaus, aber Prioritäten werden neu gesetzt, auch das ist eine Erkenntnis aus den vergangenen sechs Monaten. Mit meiner Frau, meinen Kindern und Freunden viel mehr Zeit verbringen – das habe ich mir fest vorgenommen. Im Sommer ist ein gemeinsamer Urlaub geplant, darauf freue ich mich jetzt schon am meisten.

Zur Person

Der SPD-Politiker Jürgen Hook ist seit Sommer 2019 Ortsbürgermeister von Dudenhofen. Er wurde im Juni 2024 im Amt für weitere fünf Jahre bestätigt. Der 65-Jährige ist gelernter Maschinenschlosser, hat als CNC-Dreher und Programmierer bei der Firma Staehle gearbeitet und war als Hausverwalter der Stadthalle Speyer tätig, bevor er sich vollständig seinem Ortsbürgermeister-„Ehrenamt“ widmete. Dieses bezeichnet er als Vollzeit-Job. Außerdem engagiert er sich als Vorsitzender des Fußballnachwuchsvereins JFV Ganerb. Hook ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

x