Speyer
Bürgerbeteiligung: Das will der „Neue“ im Rathaus erreichen
„Ich fand Bürgerbeteiligung schon immer interessant“, sagt Michael Lo Grasso. Er lebt seit neun Jahren in Speyer und hat schon einige berufliche Stationen durchlaufen. An Beteiligungsveranstaltungen hatte er aber vor seinem Amtsantritt im Januar 2025 nur als Bürger teilgenommen. Politisch sei er stets interessiert, aber nie organisiert gewesen. Dann lockte die freie Stelle im Rathaus und Lo Grasso bekam den Zuschlag. Er ist stolz, an der Gestaltung der öffentlichen Belange mitwirken zu dürfen – das gebe seinem Job einen besonderen Sinn: „Bei all den Herausforderungen, die wir heute haben, versuche ich dazu beizutragen, dass sich die Leute nicht abgehängt fühlen und in einem gewissen Rahmen mitgestalten können.“
Lo Grasso weiß: Letztlich entscheiden die gewählten Stadträtinnen und Stadträte. Aber wenn Bürgerbeteiligungsprozesse gut strukturiert sind und zu überzeugenden Ergebnissen gelangen, kommt Politik daran kaum vorbei. Zur Bürgerbeteiligung gehören unter anderem Ortstermine und Umfragen. Ein großes Thema für Lo Grasso in den ersten Monaten: die Umnutzung des ehemaligen Stiftungskrankenhauses, wo er zuletzt mit dem Jugendstadtrat über die Möglichkeiten beriet. Danach ging es an den Spielplatz im Haspelweg, wo – das geplante Jugendcafé dazugenommen – die Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche im Süden der Stadt im Fokus standen.
Wie erreicht man viele Gruppen?
Damit ist schon eine Gruppe angesprochen, die städtische Planer vor besondere Herausforderungen stellt: „Jugendliche sind schwer zu erreichen.“ Lo Grasso will darauf ebenso ein Augenmerk legen, wie auf bildungsferne Gruppen, die nicht klassisch mit der Einladung ins Rathaus erreicht werden. Dazu gehöre ein vielfältiger Medieneinsatz bis hin zum Flugblatt im Schnellimbiss. Viele könnten mit digitalen Angeboten erreicht werden, für Ältere brauche es aber teilweise Alternativen. „Niedrigschwellig“ – so lautet in diesem Zusammenhang das Zauberwort: Bürgerbeteiligung sei eben nicht nur ein Angebot an die Höchstgebildeten, sondern an alle.
Lo Grasso sieht seine Aufgabe auch darin, die Chancen von Vorschlägen realistisch einzuordnen. Bürgerbeteiligung habe „klassische Hindernisse“. Das könnten Vorgaben des Landes sein, wenn es um die künftige Verkehrsregelung in der Gilgenstraße gehe, aber zum Beispiel auch nicht sichtbare Leitungen, die dort verlaufen, wo eine Baumpflanzung gewünscht wäre. Trotzdem hoffe er auf Anfragen und Anregungen der Bürger, betont der neue Referent im Büro von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Der andere klassische Initiator von Bürgerbeteiligungsprozessen seien die Fachbereiche der Stadtverwaltung, die auf Rückkopplung zu ihren Projekten hofften. Er staune nach fünf Monaten im Rathaus immer noch, „wie komplex“ die Projekte, aber auch das Miteinander von Politik und Verwaltung seien.
Viel Kontakt mit Menschen
„Ich bin gespannt, was noch auf meinen Schreibtisch kommt“, sagt Lo Grasso. Er merke schon, dass er bekannter in Speyer und deshalb auf der Maximilianstraße angesprochen werde. Er freue sich über die „rückmeldefreudigen“ Pfälzer und nehme bei Bedarf auch Anliegen an, die eher zum Beschwerdemanagement im Rathaus gehörten. Das Rüstzeug dafür bringt der gebürtige Saarländer mit deutscher Mutter und italienischem Vater nicht nur von der Persönlichkeit her mit, sondern auch aus zahlreichen beruflichen Stationen nach dem Studium der Film- und Fernsehwissenschaft, die ihm viel Kontakt mit Menschen bescherten.
Lo Grasso war im Film- und Medienbereich tätig, hat Filmrechte weltweit vertrieben, Veranstaltungen organisiert, bei Filmfestivals gearbeitet und journalistische Filmkritiken geschrieben. Nach Speyer kam er der Liebe wegen. Als er nach seinem Umzug aus Köln schnell einen Job suchte, fand er diesen zunächst im Reservierungsmanagement von Hotels, bevor er bei Wohnmobil-Produzent Ahorn Camp in den Verkauf einstieg. Der 49-Jährige ist ledig, liiert und nennt Schwimmen, Lesen sowie vor allem Filme und Serien als Hobbys. Er halte sich als begeisterter Kinobesucher auf dem Laufenden bei Neuerscheinungen. Der Sohn eines sizilianischen Gastarbeiters kocht zudem gerne, vor allem italienisch und asiatisch.
Im Stadthaus steuert er in seinem Büro direkt gegenüber der Oberbürgermeisterin neben den direkten Bürgerkontakten zwei größere Projekte: Er bringt die Homepage-Seiten der Bürgerbeteiligung unter www.speyer.de auf den aktuellen Stand und bereitet die Anschaffung einer digitalen Plattform für Partizipationsprozesse vor. Noch gehe es dabei um die Vorauswahl der richtigen Programme, wozu viel Abstimmung mit anderen Bereichen der Verwaltung nötig sei. Das Ziel stehe aber fest: Es sollten Umfrage- und Analysetools sowie Diskussionsforen integriert werden. Wenn es soweit sei, würden die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung nochmals erweitert.

