Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Anklage: Heimtückischer Messerangriff auf Mutter und Tochter aus Eifersucht

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In Handschellen: der heute 29-jährige Afghane, der im Oktober zwei Frauen in Speyer mit dem Messer angegriffen haben soll, vor dem Frankenthaler Landgericht zwischen Dolmetscher (links) und Verteidiger Gert Heuer.

Am Tag vor seinem 28. Geburtstag soll ein afghanischer Asylsuchender in Speyer auf eine Jugendliche und deren Mutter eingestochen haben. Um beide zu töten, heimtückisch und aus Eifersucht, sagt die Staatsanwaltschaft. Der Mann selbst schweigt zum Prozessauftakt. Aber das wird wohl nicht so bleiben.

Sein Mandant werde sich weder zu seinem Lebenslauf noch zur Tat äußern, sagte Verteidiger Gert Heuer am Dienstagnachmittag vor der Ersten Großen Strafkammer des Frankenthaler Landgerichts – zumindest „zum jetzigen Zeitpunkt“. Im weiteren Verlauf des Prozesses, für den bislang zwölf Verhandlungstage angesetzt sind, werde sich der Angeklagte sehr wohl einlassen, kündigte der Ludwigshafener Rechtsanwalt an. Nur eben nicht gleich. Und so blieb am ersten Verhandlungstag vor dem Schwurgericht die Anklage der Staatsanwaltschaft unerwidert, die den 29-Jährigen wegen zweifachen versuchten Mordes zur Rechenschaft ziehen will.

Die Angaben zum Alter des Angeklagten sorgten indes kurzzeitig für Verwirrung. Laut seiner Dokumente wurde der Mann am 22. Oktober 1993 in Kabul geboren. Ob das denn richtig sei, wollte die Vorsitzende Richterin Mirtha Hütt wissen. „Wenn es so im Ausweis steht“, blieb der Angesprochene seinem Dolmetscher zufolge etwas vage, woraufhin das Gericht beschloss, weiterhin die Daten aus dem Pass als Grundlage zu nehmen.

Eifersucht als Motiv?

Der Fall hatte im Herbst vergangenen Jahres großes Aufsehen erregt. Abgespielt haben soll sich der Messerangriff auf eine zum Tatzeitpunkt 16-Jährige und deren damals 37 Jahre alte Mutter in einem Mehrfamilienhaus in der Wormser Landstraße. Die Anklage sieht es als erwiesen an, dass der junge Mann aus Afghanistan, der 2015 als Asylsuchender nach Deutschland gekommen war, die beiden Frauen in deren gemeinsamer Wohnung mit einem Einhandmesser attackierte – um beide zu töten. Die Jugendliche aus Eifersucht, weil sie eine intime Liebesbeziehung zu dem Mann abgelehnt habe. Und die Mutter, weil diese ihre Tochter zu beschützen versuchte.

Tatort: Eine Mutter und deren 16-jährige Tochter wurden in einem Mehrfamilienhaus an der Wormser Landstraße in Speyer schwer ver
Tatort: Eine Mutter und deren 16-jährige Tochter wurden in einem Mehrfamilienhaus an der Wormser Landstraße in Speyer schwer verletzt.

Demnach kannten sich die junge Speyererin und der Angeklagte, der zuletzt in Römerberg lebte, seit etwa einem Jahr. Sein Asylgesuch war 2016 abgelehnt worden. Weil aber Abschiebungen nach Afghanistan als kaum durchführbar galten, wurde sein Aufenthalt seit 2017 geduldet. Das Verhältnis von Jugendlicher und Schutzsuchendem beschreibt die Anklage als „freundschaftlich“.

Wunsch nach intimer Beziehung

So habe der Mann die Nacht zum 21. Oktober 2022 als Gast in der Wohnung von Mutter und Tochter verbracht. Am Morgen soll er die junge Frau in deren Zimmer gefragt haben, ob sie eine intime Beziehung mit ihm eingehen wolle. Das habe die Jugendliche verneint – und dem Angeklagten überdies eröffnet, dass sie bereits mit einem anderen Mann eine solche Beziehung pflege. Diese Aussage soll den Angeklagten in Wut und Eifersucht versetzt haben. Während die junge Frau duschte, soll er ein in der Wohnung gefundenes Messer mit einer acht Zentimeter langen Klinge ergriffen haben in der Absicht, die 16-Jährige zu töten.

Als diese nach dem Duschen und lediglich mit einem Handtuch bekleidet ihr Zimmer betreten habe, wurde sie laut Staatsanwaltschaft unvermittelt vom dem Angeklagten „in Herzhöhe in die Brust“ gestochen. Es kam zu einem Handgemenge, wobei der Angreifer versucht habe, mit dem Messer den Hals der Jugendlichen zu verletzen.

Mutter eilt Tochter zu Hilfe

Durch die Schreie ihrer Tochter alarmiert, sei die Mutter ins Zimmer gestürmt, habe ihre sich wehrende, nackte Tochter in den Armen des Mannes gesehen und versucht, den Angreifer zurückzuhalten. Das Messer habe sie erst bemerkt, als der Mann von der Tochter abließ und sich gegen die Mutter wandte – laut Anklage, um zuerst die Ältere zu töten und sich danach wieder der Jüngeren zuzuwenden.

Im Abwehrkampf erlitt die Mutter Stich- und Schnittverletzungen an Händen sowie im Bauch- und Brustbereich. Der Angeklagte habe erst von ihr abgelassen, als er die Jugendliche nicht mehr erblickte und nach ihr suchte. Die 16-Jährige hatte die Ablenkung zur Flucht benutzt. In diesem Moment konnte sich auch die Mutter zu Nachbarn retten. Daraufhin floh der Afghane, wurde aber noch am selben Tag von der Polizei in Römerberg gefasst. Seit dem Folgetag, amtlich seinem 28. Geburtstag, sitzt er in Untersuchungshaft. Der forensische Psychiater Harald Dreßing soll sich im Prozess ein Bild vom Angeklagten machen.

„Traumatische Erfahrung“

Die beiden Frauen verbrachten aufgrund der Schwere ihrer Schnitt- und Stichwunden mehrere Tage im Krankenhaus, die Mutter musste operiert und beatmet werden.

Beide leben ihrer Speyerer Anwältin Katja Kosian zufolge noch in ihrer Wohnung, gemeinsam mit dem Partner der Mutter und einer weiteren Tochter. Die vierköpfige Familie suche dringend eine neue Bleibe, so Kosian, die als Vertreterin der Nebenklage auftritt. Die Situation „ist belastend für alle“. Die Erfahrung, in seinem Schutzraum Wohnung angegriffen worden zu sein, sei „traumatisch“. Die Mutter sei noch nicht in der Lage, wieder zu arbeiten.

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