Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Angst oder Aufbruch: Zwischen Pfalztram, Geothermie und Krise

Wohin geht es in Zukunft?
Wohin geht es in Zukunft?

Während Pfalztram und Geothermie im Rhein-Pfalz-Kreis Akzeptanz finden sollen, zeigt sich in Speyers Wirtschaftslandschaft die harte Realität. Ein Wochenrückblick.

Pfalztram und Tiefengeothermie: Das sind zwei große Projekte, die diese Woche und auch in Zukunft im Speyerer Umland – konkret in Waldsee und Neuhofen – eine Rolle spielen. Es geht um eine mögliche Wärmeversorgung und eine Option für Mobilität in der Zukunft. Beides hat auch das Ziel, weniger abhängig von fossilen Rohstoffen und weniger ausgeliefert zu sein – von der Preisgestaltung von großen Konzernen sowie von globalen Krisen: Erst der Krieg in der Ukraine, der in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund gerückt ist, aber immer noch Europas Stabilität bedroht, und jetzt der Krieg im Nahen Osten.

Vorhaben wie das Straßenbahnprojekt und die Tiefengeothermie können geplant werden. Sie klingen für manche nach Aufbruch, für andere nach Risiko – das ist abhängig von der Betroffenheit. Bei beiden Projekten wird nicht in Wahlperioden gedacht, sondern in Jahrzehnten. Wer baut, saniert, die Heizung austauschen muss oder einen Betrieb am Laufen hält, will wissen, woran er ist, will planen können. Das ist die eine Art der Zukunft – die, die wir mitgestalten können. Die andere Art der Zukunft ist die, die uns plötzlich einholt.

Während wir beim Pfalztram- und beim Geothermie-Projekt über Hundert-Millionen-Euro-Vorhaben sprechen, kommt die Nachricht, dass das traditionsreiche Unternehmen Mann + Hummel sein Werk in Speyer schließen will. 600 Arbeitsplätze sind betroffen, Menschen aus der Stadt und dem Umland verdienen dort ihren Lohn. Das bedeutet Einschnitte in Lebensläufe, in den Alltag von Hunderten Menschen und deren Familien. Die Schließung wird mit den veränderten Rahmenbedingungen in Europa, dem schwachen wirtschaftlichen Wachstum, hohen Energie- und Arbeitskosten sowie globalen Handelsbedingungen, durch Zölle und geopolitische Unsicherheiten, begründet.

Das Beispiel zeigt: Wenn die Wirtschaft leidet, muss sich etwas ändern. Der Wandel braucht allerdings Akzeptanz – vor allem von den Menschen, die die Region jeden Tag am Laufen halten. Akzeptanz entsteht nur durch Verlässlichkeit und wird daran gemessen, ob Projekte den Alltag der Menschen spürbar verbessern. Geothermie kann Wärme sichern, eine Straßenbahn kann Wege erleichtern – das gelingt aber nur, wenn Menschen mitgenommen werden, wenn erklärt wird, was Projekte kosten, was sie bringen, wer sie umsetzt und welches die Risiken sind. Und dann ist es eine individuelle Abschätzung jedes einzelnen, ob einem die Zukunft Angst macht oder Aufbruch bedeutet.

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