Interview „Am schlimmsten sind Personalausfälle“

Jule Schulte
Jule Schulte

Frau Schulte, werden seit Pandemie-Ausbruch mehr Kinder in Speyer geboren als vorher?
Ja. Die Zahlen sind deutlich gestiegen. 2021 waren sie mit rund 30 mehr als im vorigen Jahr am höchsten. 2022 haben wir im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus 3536 Geburten begleitet. Corona ist nicht der einzige Grund dafür. Dass die Bruchsaler Stirum-Klinik die Geburtshilfe-Abteilung zum Teil schließen musste, hat auch zu mehr Geburten in Speyer beigetragen.

Gibt es denn überhaupt genug Hebammen im „Diak“?
Wir arbeiten und kompensieren alle viel. Die, die da sind, schnaufen oft. Aktuell klappt es, obwohl auch wir Fluktuation erleben. Seit Corona wechseln Kolleginnen häufiger in Kliniken mit weniger Geburten oder in die Freiberuflichkeit. Glücklicherweise kommen immer wieder neue Hebammen zu uns, auch aus dem Ausland. Dafür sind wir sehr dankbar.

Was hat sich mit der Pandemie verändert?
Acht Stunden am Tag mit kompletter Schutzausrüstung – also mit Plastikkittel, Schutzbrille, Haube sowie Mund-Nasen-Schutz – arbeiten zu müssen, ist anstrengend. Hinzu kommt, dass sich Richtlinien und Konzepte ständig ändern. Am schlimmsten waren und sind Personalausfälle wegen Quarantäne und jetzt auch noch wegen Influenza.

Sind das für Sie Gründe, den Beruf aufzugeben?
Niemals. Jede Geburt ist ein wunderbarer Moment. Die Balance zwischen Professionalität und absoluter Nähe ist herausfordernd, aber mit nichts zu ersetzen.

Zur Person

Jule Schulte ist 28. Die studierte Hebamme arbeitet als Praxisanleiterin im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus und arbeitet auch ausländische Hebammen ein.

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