VG Lingenfeld AfD-Stammtisch abgesagt: Gab es Druck und Drohungen?
„Wenn ,Toleranz’ zur Farce wird“, beginnt der Lingenfelder Gemeindeverband der Alternative für Deutschland einen Post bei Facebook. Er reagiert damit auf einen Beitrag der „Omas gegen rechts – Kandel und Südpfalz“, die wiederum eine Absage beziehungsweise Verlegung zweier Stammtische durch die AfD kommentiert hatten. Die AfD wirft den gegen rechts engagierten Damen darin „zweifelhaftes Demokrativerständnis“ vor, weil diese „die Ausgrenzung von Bürgern“ und „die wirtschaftliche Bedrängung von Gastronomen“ als Erfolge feierten.
Was war passiert? Der Lingenfelder AfD-Verband hatte für April zu zwei Stammtischen eingeladen: für Mittwoch, 8. April, zu einem Frauen-Stammtisch und für Dienstag, 21. April, zu einem allgemeinen Stammtisch. Beide Treffen sollten in einer Gaststätte in Lingenfeld stattfinden. Doch dazu kam es nicht. „Hintergrund ist leider, dass nachdem wir die ursprüngliche Location veröffentlicht hatten, direkt Gegen-Demos angemeldet wurden. Daraufhin hat der Veranstaltungsort abgesagt“, erklärte die Partei im Internet. Stattdessen solle das erste Treffen nun in Lustadt stattfinden, wobei der genaue Treffpunkt erst nach Anmeldung mitgeteilt werde. Der zweite geplante Stammtisch wurde von der AfD ganz abgesagt. „Wenn Veranstaltungen gezielt durch Gegenproteste unter Druck gesetzt oder verhindert werden sollen, ist ein offener und sachlicher Austausch kaum noch möglich“, schreibt die AfD dazu.
„Omas“ werfen AfD Lügen vor
Auf diese Absage beziehungsweise Verlegung reagierten die „Omas gegen rechts“ und warfen der AfD Lügen vor: Die AfD habe das Treffen in der Gaststätte angesetzt, „ohne dem Wirt reinen Wein einzuschenken“. Die „Omas gegen rechts“ schreiben: „Als dem Gastronom klar wurde, welche Partei da bei ihm reserviert hatte, sagte er kurzerhand die Reservierungen ab. Und was macht die AfD daraus? Wie immer: Sie lügt! Angeblich seien Demos vor dem Lokal angemeldet worden. Was nicht stimmt. Aber natürlich eine wunderbare Gelegenheit, wieder einmal die Opferrolle zu spielen.“
Wer hat also recht? Die „Omas gegen rechts“ versichern, ihrerseits keine Aktion geplant zu haben. Mit dem Wirt hätten sie ebenfalls keinen Kontakt gehabt: „Wir haben ihn weder angerufen noch irgendwelchen Druck ausgeübt“, sagt Inge Heimer von den „Omas“. Dass der Wirt nicht wusste, dass er seine Räume für eine AfD-Veranstaltung zur Verfügung stellt, sei eine Vermutung ihrerseits, gibt sie zu. Denn die Partei handhabe es oft so, dass sie als private Gruppe reserviere. Druck und Drohungen gegen Wirte lehne sie ab. „Das ist nicht in Ordnung“, sagt Heimer. Gastronomen zu informieren, dass die AfD hinter eine Reservierung stecke, hält sie allerdings für legitim. Die Ankündigung der Stammtische in der VG Lingenfeld passt für Heimer wie auch für den Grünen-Kreisvorsitzenden Marc-Andre Pantea in die neue Strategie der AfD, sich mit solchen Veranstaltungen stärker in den Gemeinden zu verankern. Die AfD in Lingenfeld und im Kreis Germersheim selbst lässt eine RHEINPFALZ-Anfrage von Mittwoch bis Freitagmittag unbeantwortet.
Grüne Jugend plante Demo
Weder die Verbandsgemeinde- noch die Kreisverwaltung haben Kenntnis von einer angemeldeten Demonstration gegen den Stammtisch in Lingenfeld. Wie die RHEINPFALZ-Recherche ergab, war es die Grüne Jugend aus Landau, die eine Gegenveranstaltung zu den Stammtischen angekündigt hatte. Das bestätigt der Grünen-Kreisverband Landau auf Anfrage. „Die Stammtische der AfD waren offiziell beworben und als demokratische Partei ist es unsere Pflicht gegen die rechtsextreme und verfassungsfeindliche AfD vorzugehen“, sagt Vorsitzende Juliane Kucharzewski. Die Grüne Jugend habe dies auch Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) mitgeteilt. Zu einer Anmeldung der Demonstration sei es nicht mehr gekommen, nachdem der Wirt die Stammtische abgesagt hat. Zu dem Wirt habe es keinen Kontakt gegeben, er sei weder unter Druck gesetzt noch bedroht worden. „Wir stellen uns klar gegen feindselige Bedrohungen. Wir sind über die freiwillige Absage des Wirts sehr froh“, sagt Kucharzewski.
Was den Wirt am Ende zur Absage bewog, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit aufklären, denn der Gastronom selbst möchte auf RHEINPFALZ-Anfrage nichts zu dem Thema sagen. Es gab aber im Vorfeld ein Gespräch mit dem Bürgermeister. Über den Inhalt will sich dieser aber nur allgemein äußern: „Die Ortsgemeinde hat versucht, die Situation zu deeskalieren“, sagt Kropfreiter. In gewissem Sinn ist das gelungen: Denn während im Internet die Emotionen hochkochten, blieb es auf den Lingenfelder Straßen ruhig.
