Speyer
Ältestes Kloster der Pfalz wird geschlossen
Was haben die Schwestern beschlossen?
„Schmerzlich – aber notwendig.“ So ordnet Schwester Roberta, Generalpriorin der Dominikanerinnen von St. Magdalena, die anstehenden Veränderungen ein. Die Leitung des Ordens habe in einem längeren Prozess entschieden, nach fast 800 Jahren den Betrieb im Mutterhaus in der Hasenpfuhlstraße zum 30. September 2026 einzustellen. Zehn der 16 Schwestern vom Standort ziehen demnach in das zweite Speyerer Dominikanerinnen-Kloster um, das Institut St. Dominikus in der Vincentiusstraße. „Das Institut vermietet uns einen kompletten, barrierefreien Flügel“, erklärt Geschäftsführer Hermann-Josef Bröerken. Die anderen Schwestern gingen zurück in ihre Heimat Südamerika, wo der Orden zwölf Standorte in Brasilien, Kolumbien und Peru hat. Nach Südamerika solle 2026 auch die Generalleitung verlegt worden. Der Umzug der älteren Schwestern – von 72 bis 94 Jahre alt – innerhalb Speyers sei für den 1. August 2026 vorgesehen. Die 54-jährige Schwester Roberta erwähnt viele Gespräche mit den bis zu sieben Jahrzehnten im Kloster lebenden Betroffenen und „die schwierigste Entscheidung meines Lebens“. Geplant sei nun ein geordneter Übergang über rund 14 Monate.
Welche Gründe gibt es für das Aus?
„In der veränderten Realität ist das große Mutterhaus für die kleine Ordensgemeinschaft weder personell noch wirtschaftlich dauerhaft tragbar“, heißt es in einer Mitteilung des Ordens. Dieser hat in Deutschland schon länger keine Neuzugänge mehr, sondern nur noch in Südamerika. Es gehe um die Versorgungssicherheit der Speyerer Schwestern, erklärt Bröerken. Die Immobilien hinter dem prägnanten Portal im Hasenpfuhl seien überdimensioniert, nicht barrierefrei und im Zustand „an ihre Grenzen gekommen“. Zunächst bleibe „der Klosterbetrieb mit geistlichem Leben und allen unterstützenden Diensten bestehen“, nach dem Umzug würden zum Beispiel Gottesdienste mit den Mitschwestern des Instituts im Speyerer Westen gefeiert und auch die Leistungen von dessen Küche in Anspruch genommen. Es gebe aber weiterhin ein „eigenes Konventsleben“. Eine 40-jährige Ordensfrau begleite die Seniorinnen als Pflegedienstleiterin.
Was passiert mit den Mitarbeitern?
Das Kloster St. Magdalena hat weltliche Angestellte. Für neun davon müssten mit dem Ende des Klosterbetriebs die Arbeitsverträge auslaufen, erklärt Bröerken. „Viele von ihnen haben ihr Berufsleben eng mit der Gemeinschaft verbunden.“ Mit ihnen solle „umsichtig und menschlich“ umgegangen werden. Sie sollten die nötige Unterstützung erhalten. Auf die Einhaltung von Kündigungsfristen werde verzichtet. Auch Bröerken ist ein Mitarbeiter des Konvents, der als Körperschaft des öffentlichen Rechts erhalten bleibe. Er werde für die weitere Abwicklung zunächst in Diensten des Ordens bleiben und nach dem Umzug der Ordensleitung nach Südamerika die Geschäfte in Deutschland regeln, so der 65-Jährige.
Was passiert mit den Gebäuden und dem Gelände im Hasenpfuhl?
„Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Schwester Roberta. Es gebe noch keine Entscheidung. Zunächst gehe es um den Auszug und die Versorgung der Schwestern. Der Orden wolle das weitläufige Gelände im einstigen Stadtmauer-Bereich eigentlich nicht verkaufen, müsse aber ergebnisoffen in den Prozess gehen. Zu beachten sei auch der Ensembleschutz und der besondere Status der Barockkirche von 1717, die in Zeiten des teilweise zerstörten Doms Speyers katholische Hauptkirche war. Der Sakralraum werde 2026 zwar ebenfalls geschlossen, aber „nicht angetastet“. Bröerken berichtet von „Gesprächen zu verschiedensten Modellen“, über die er noch nichts Näheres sagen könne. Es gehe um eine „Weiterentwicklung“ der Keimzelle des Ordens, mit der diese auch Geld für ihre anderen Aufgaben erwirtschaften müsse. Die Generalpriorin will Speyer nicht aufgeben: „Ich bin überzeugt, Gott will, dass wir zurückkommen, wenn nicht als große, dann als kleine Gemeinschaft.“
Wie geht es mit der Klosterschule weiter?
Die Schwestern von St. Magdalena waren schon immer als Lehrerinnen tätig. Bis 2006 haben sie die Edith-Stein-Schulen geleitet, 2013 mit der Klostergrundschule auf ihrem Gelände eine Neugründung gewagt. Diese wurde um den Neubau einer Sporthalle ergänzt und läuft aktuell nach mehreren Leitungswechseln gut. Sogar für das Schuljahr 2026/27 gebe es schon rund 35 Neuanmeldungen. Aber: „Die strukturellen Veränderungen innerhalb der Kongregation betreffen auch die Klosterschule.“ Ziel sei ein langfristig gesicherter Schulbetrieb, für den die Generalleitung aktuell die Möglichkeit eines Trägerwechsels prüfe. „Gespräche dazu befinden sich in einem frühen, aber konstruktiven Stadium“, teilt es mit. Der Bildungsort solle unabhängig von der organisatorischen Struktur des Ordens fortbestehen. Dieser könne ihn sich aber nicht mehr leisten, der Zuschussbedarf sei zu hoch, so Bröerken. Bei der Gründung habe der Orden sieben Lehrerinnen stellen können, heute nur noch eine – das verändere die Kalkulation grundlegend, so Schwester Roberta. Der Betrieb sei derzeit bis Sommer 2026 gesichert. Eine „tragfähige Lösung“ solle möglichst schnell gefunden werden. Ob dabei die St. Dominikus Schulen GmbH eine Rolle spielen könnte, die für die Magdalena-Schwestern schon bei den Edith-Stein-Schulen eingesprungen ist, kommentieren die Verantwortlichen nicht.
