St. Ingbert / Saarland / Elsass RHEINPFALZ Plus Artikel Saar-Protest bewegt Unternehmen zu Planänderung

Die Produktion der saarländischen Kult-Essigsorte von Melfor geht nun doch weiter – aber nicht mehr in St. Ingbert-Rohrbach. Das
Die Produktion der saarländischen Kult-Essigsorte von Melfor geht nun doch weiter – aber nicht mehr in St. Ingbert-Rohrbach. Das Werk soll nach wie vor zum Jahresende geschlossen werden.

Vor einem Monat hatte die RHEINPFALZ erfahren, dass es keine Saar-Essigsorte von Melfor mehr geben wird. Vielen schmeckte das gar nicht. Der Protest hat jetzt Wirkung gezeigt.

„Es soll jetzt nicht so sein, dass man den Saarländern da ein Traditionsprodukt wegnimmt“, hatte uns die Werkleiterin des Melfor-Werks in St. Ingbert-Rohrbach Anfang Mai gesagt. Damit hat sie recht behalten. Denn die Saarland-Sorte „Melfor Traditionell“ kehrt nun doch wieder in die Supermarktregale zurück. Obwohl die spezielle Sorte des Essig-Würzmittels seit April nicht mehr produziert wurde.

Anfang Mai wurde der RHEINPFALZ bekannt, dass Melfor die Produktion seiner Saarland-Sorte „Melfor Traditionell“ eingestellt hat. Das dunkelbraune Essig-Würzmittel – für viele Saarländer, aber auch Pfälzer eng mit ihren Salatsoßen verbunden – wurde ausschließlich im Werk in St. Ingbert-Rohrbach hergestellt. Nach 76 Jahren soll das Werk zum Jahresende geschlossen werden. Der rötliche Schriftzug an der Werksfassade ist bereits verschwunden. An diesen Plänen halte das Unternehmen weiterhin fest – aber die Saar-Sorte des Essigs soll ab Mitte Juli doch wieder zurückkehren.

Modernere Maschinen in Frankreich

Das Unternehmen, das 1922 im Elsass gegründet wurde, wollte nur noch die französische Sorte „Melfor Original“ herstellen, die in zwei Werken im Elsass vom Band geht und seit 2012 auch in Deutschland verkauft wird. An den beiden französischen Standorten „gibt es wesentlich modernere und effizientere Maschinen“, sagte uns die Werkleiterin in Rohrbach Anfang Mai. „Die Menge, die wir in einer Woche (in Rohrbach) gemacht haben, kann an den beiden anderen Standorten an einem Tag gemacht werden.“

Zudem seien die Standortkosten in Deutschland höher als in Frankreich. Man müsse schauen, „dass man in Europa konkurrenzfähig bleiben kann“, sagte uns die Werkleiterin. Man müsse sich dafür entscheiden, „wo es die beste Zukunftsfähigkeit hat“. Fragen wie „Was machen wir in 20 Jahren?“, „Wo wollen wir hin?“ hätten die Entscheidung beeinflusst, das Werk im Saarland – und damit auch das einzige in Deutschland – zu schließen.

Saar-Sorte wird nun im Elsass produziert

Genug Kapazität, um in den beiden Werken in Frankreich auch noch die Saar-Sorte „Melfor Traditionell“ herzustellen, sei also da. Genau das plane das Unternehmen auch – halte jedoch weiterhin an seiner Entscheidung fest, das Werk im Saarland zu schließen. Dort arbeiten laut Werkleitung, die namentlich nicht genannt werden wollte, weniger als zehn Mitarbeiter, die weiterhin im Unternehmen beschäftigt bleiben sollten. 60 Mitarbeiter beschäftigt der Würzmittelhersteller insgesamt.

Es seien die Kunden gewesen, die Melfor dazu bewegt hätten, die Saar-Sorte nun doch wieder ins Sortiment zu nehmen. Diese „Verbundenheit“ habe das Unternehmen „tief beeindruckt“. Eine Marke entwickele sich auch durch das Zuhören ihrer Konsumenten, so das Unternehmen.

OB: Zwischen Freude und „schmerzlichem Verlust“

Auch der St. Ingberter Oberbürgermeister Ulli Meyer (CDU) zeigt sich in einer Pressemitteilung erfreut darüber, dass das Saar-Würzmittel nun doch wieder zurückkehrt. „Die Entscheidung zeigt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher mit ihrer Stimme etwas bewegen können. Viele Menschen haben ihre Verbundenheit mit diesem Stück saarländischer Alltagskultur deutlich gemacht. Dass das Unternehmen darauf reagiert hat, ist ein wichtiges Signal“, sagt Meyer. Auch die „vielen Reaktionen aus St. Ingbert und dem gesamten Saarland haben gezeigt, welchen Stellenwert Melfor für die Menschen in unserer Region hat“.

Die zum Jahresende geplante Schließung des Werks in St. Ingbert-Rohrbach sei jedoch nach wie vor „ein schmerzlicher Verlust“. Das Unternehmen sei „über Jahrzehnte hinweg Teil unserer Industriegeschichte und unserer Identität“ gewesen. Die Rohrbacher Werkleiterin sprach gegenüber der RHEINPFALZ Anfang Mai von einer „traurigen Entscheidung für uns. Das ist natürlich auch ein Stück Heimat.“

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