St. Ingbert-Rohrbach
Aus für bekanntes Saar-Produkt: Werk in St. Ingbert wird geschlossen
Gelbes Etikett, gelber Deckel, rötlich-brauner Schriftzug: Die Sorte „Melfor Traditionell“ aus dem Saarland kennen viele. Die Flaschen gingen bisher ausschließlich im Werk in St. Ingbert-Rohrbach vom Band, werden dort aber nicht mehr produziert. Das bestätigt die Werkleiterin der RHEINPFALZ im Telefonat am Montagabend und spricht von einer „traurigen Entscheidung für uns. Das ist natürlich auch ein Stück Heimat.“
Die Sorte soll es künftig gar nicht mehr geben, auch wenn man sie noch in einigen Märkten und bei Onlinehändlern findet, da die Chargen noch nicht alle abverkauft sind. Zum Jahresende soll das Werk außerdem geschlossen werden. Das Werk im Saarland gibt es nach Unternehmensangaben seit 76 Jahren. Weniger als zehn Mitarbeiter seien vom Produktions-Aus betroffen. Diese sollen weiterhin im Unternehmen beschäftigt bleiben.
Mitarbeiter bis Jahresende noch in Rohrbach
Noch seien alle Mitarbeiter in Rohrbach beschäftigt, beispielsweise im Büro oder im Lager gebe es noch Arbeit. 60 Mitarbeiter hat der Würzmittel-Hersteller insgesamt; neben dem Werk in Rohrbach gibt es noch zwei im Elsass, wo der Konzern im Jahr 1922 auch gegründet wurde. In dem Familienunternehmen arbeiten in Frankreich auch Familienangehörige mit, so die Leiterin.
„Den Saarländern kein Traditionsprodukt wegnehmen“
Die Werkleiterin berichtet uns, dass die Produktion im Saar-Werk bereits zum 1. April eingestellt worden war. Dort war speziell die Melfor-Sorte „Melfor Traditionell“ hergestellt worden. An den beiden anderen Standorten im Elsass, wo die Sorte „Melfor Original“ vom Band geht, „gibt es wesentlich modernere und effizientere Maschinen“, verrät sie die Gründe. „Die Menge, die wir in einer Woche (in Rohrbach) gemacht haben, kann an den anderen Standorten an einem Tag gemacht werden.“
Die französische Ursprungssorte „Melfor Original“ soll es nun auch flächendeckend zu kaufen geben. Diese Sorte war die erste, die das Unternehmen auf den Markt brachte. Laut der Werkleiterin ist diese seit dem Jahr 2012 auch in Deutschland im Handel. Das Unternehmen habe sich für ein Produkt entscheiden müssen, das man nun „verstärkt produzieren“ wolle. „Es soll jetzt nicht so sein, dass man den Saarländern da ein Traditionsprodukt wegnimmt.“
Standortkosten ein Grund für Produktions-Aus
Man müsse aber schauen, „dass man in Europa konkurrenzfähig bleiben kann“. Man müsse sich dafür entscheiden, „wo es die beste Zukunftsfähigkeit hat, auch im Hinblick auf Standortkosten“. Deshalb sei die Entscheidung, künftig nur noch die Sorte „Melfor Original“ herstellen zu wollen, „die Entscheidung für die Zukunft“, sagt die Werkleiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte.
Sie betont, dass das Unternehmen keine Schwierigkeiten habe. „Es war nicht so, dass wir gesagt haben: Jetzt drückt der Schuh, wir müssen morgen zumachen. Sondern, es war einfach die Entscheidung: Was machen wir in 20 Jahren? Wo wollen wir hin? Und da sind die Standortkosten in Deutschland anders als in Frankreich“, berichtet die Werkleiterin. Zudem müsse das Unternehmen dreimal Standortkosten zahlen – nun werde die Produktion in den beiden Werken im Elsass gebündelt.