Saarbrücken / Stiring-Wendel RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei findet anerkennende Worte für disziplinierte Grenzdemo

„Berlin und Paris lassen uns hängen“, klagte eine der Demonstrantinnen während der Protestversammlung am Samstag.
»Berlin und Paris lassen uns hängen«, klagte eine der Demonstrantinnen während der Protestversammlung am Samstag.

Hunderte Franzosen und Deutsche demonstrierten am Samstag, 6. März, an der „Goldenen Bremm“ bei Saarbrücken dagegen, dass Grenzgänger bei der Einreise nach Deutschland alle 48 Stunden einen Corona-Test vorweisen müssen. Die Demonstranten fühlen sich diskriminiert und sehen die Grenze als faktisch geschlossen an.

Schauplatz war der deutsch-französische Grenzübergang „Goldene Bremm“ – nicht der gleichnamige an der Autobahn, sondern über Land an der verlängerten Metzer Straße von Saarbrücken nach Stiring-Wendel. Hier befindet sich auch das am vorigen Dienstag eröffnete deutsch-französische Testzentrum. Am Samstagmorgen war zwischen 10 und 12.30 Uhr an diesem Grenzübergang kein Durchkommen mehr. 300 Demonstranten, die sich auf der französischen Seite getroffen hatten, besetzten den Verkehrskreisel und blockierten vor allem die Ausreise aus Deutschland. In Gegenrichtung wurden Fahrzeuge nur langsam durchgelassen.

Die Polizei sperrte während der Aktion die Grenze ab und leitete den Verkehr um. Weil die nahe Autobahn eine einfache Alternative bietet, gab es letztlich kaum Behinderungen.

Über Facebook mobilisiert

Über Facebook hatten sich vor allem Grenzpendler zu diesem Protest verabredet. Eine der Wortführerinnen war eine Deutsche, die sich vor Ort Birgit Schuler nannte. Wobei der Nachname vermutlich nicht stimmt. Sie trug eine gelbe Weste und schwenkte eine deutsche Fahne. Lautstark feuerte sie ihre Mitstreiter an, die Flaggen beider Staaten zu zeigen, sie wolle „gute Bilder für die Presse“.

Zur RHEINPFALZ sagte sie, dass sie schon seit 20 Jahren in Frankreich wohne und bislang nie Probleme gehabt habe, über die Grenze zu kommen. Die erste Grenzschließung vor einem Jahr sei eine „Katastrophe“ gewesen. Doch die jetzigen Testvorschriften seien eine Zumutung: „Wir haben in Frankreich Ausgangssperre ab 18 Uhr. Wir gehen nur noch arbeiten und bleiben daheim. Jetzt kommen noch die Tests dazu. Dabei sind wir, die Menschen an der Grenze, das, was Europa ausmacht.“

„Sinnhafte Hygieneregeln“

Auch Beatrice Timmer trug eine gelbe Orga-Weste. Sie sagte, sie leugne Corona nicht, sie sei selbst krank gewesen. „Aber wir haben doch gar keine Zeit mehr für was anderes. Berlin und Paris lassen uns hängen.“

Chris und Matze, beide nennen nur ihre Vornamen, stehen auf deutscher Seite, wollen mit Transparenten Solidarität zeigen. „Wir wollen den Protest der Franzosen unterstützen. Es reicht mit den Maßnahmen“, wollen sie, dass man schnellstens zur „Normalität“ übergehe, mit „sinnhaften Hygieneregeln“.

Mario Oswald ist mit seinem Sohn gekommen. Auch er wohnt als Deutscher in Frankreich und hat drei Kinder: „Mit der ganzen Familie muss ich alle 48 Stunden zum Test. Für die Kinder ist das Quälerei“, sagte er und sprach sich für eine Fristverlängerung auf einmal die Woche aus.

Polizei lobt friedliche Aktion

Während der Proteste war das deutsch-französische Corona-Testzentrum von deutscher Seite her nur zu Fuß erreichbar. Die Saarbrücker Polizei sprach anschließend von einem friedlichen Verlauf der Versammlung. „Während des Einsatzes kam es zu einem engen Austausch zwischen den deutschen und französischen Polizeidienststellen.“

Neun Positive an den ersten drei Tagen

Nach Angaben des Verwaltungszusammenschlusses Eurodistrict Saar-Moselle öffnet das Deutsch-Französische Testzentrum täglich von 6 bis 22 Uhr. Es schafft etwa 100 Tests pro Stunde, täglich knapp 1600. An den ersten drei Betriebstagen wurden 4548 Personen getestet; von diesen wurden neun als corona-positiv erkannt.

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