Kommentar Kurzsichtig und unverschämt

Der SPD-Vorsitzende Achim Jesel am Donnerstagabend.
Der SPD-Vorsitzende Achim Jesel am Donnerstagabend.

Mit Dickköpfigkeit und Anlauf hat sich die SPD in eine Lage manövriert, aus der sie am Donnerstagabend kaum ohne Gesichtsverlust herauskommen konnte.

Die Abwahl Lisa Beckers, die so lange Ziel der Partei war, war zum Greifen nahe, doch die Landes-SPD und sogar die Bundespartei klopften am Tag vor der Stadtratssitzung auf jene Finger, die nach der Wurst griffen. „Stimmt nicht mit den Schmuddelkindern“, hatte man den Genossen unzweideutig mitgegeben. Die jedoch machten noch zwei Tage vor der Ratssitzung auf dicke Hose. Fraktionschef Jesel erklärte später, man werde sich keinem Diktat aus Saarbrücken oder Berlin beugen. Um dann in der Stadtratssitzung am Donnerstag zu erklären, dass man die Abwahl nicht weiter betreiben werde.

Anstatt sich zu enthalten, stimmte Jesel dann doch gegen Becker, eine AfD-Stadträtin hatte ihm die Entscheidung abgenommen. Somit wurde die AfD zum zweiten Mal Erfüllungsgehilfin der SPD Blieskastel. Was Jesel hinterher schönreden wollte. Fakt ist, dass die Querelen in Blieskastel nicht nur der SPD, vor allem Bürgermeister Bernd Hertzler, dem Fraktionsvorsitzenden Achim Jesel und dem Beigeordneten Guido Freidinger sowie natürlich auch Lisa Becker geschadet haben, sondern vor allem der Demokratie insgesamt. Die jüngste Doppelvolte der SPD hat das traurige Bild der Partei nicht gerade verbessert. An dieser verfahrenen Situation ist sie selbst schuld. Das nun anderen in die Schuhe zu schieben, ist ebenso falsch wie kurzsichtig und unverschämt.

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