Coronavirus
Homburg: Trotz Corona-Fall in Uniklinik „kein Grund zur Panik“
„Einem Schulbesuch steht nichts entgegen und der Schulbetrieb ist nicht beeinträchtigt“, hieß es am Mittwoch, 4. Februar, in einer Mitteilung des saarländischen Gesundheitsministeriums. Dennoch bleibe das Kind vorsichtshalber in häuslicher Quarantäne. Auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend hatte der saarländische Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) berichtet, dass der Sohn des 50-jährigen Oberarztes eine weiterführende Schule im Saarpfalz-Kreis besuche. Hätte der Test des Kindes in der Nacht ergeben, dass auch der Sohn mit dem Erreger infiziert sei, wären am Mittwoch nach Kollings Angaben in der Schule „weitere Maßnahmen“ wie die Schließung nötig geworden.
Das Gesundheits- und das Kultusministerium sowie das saarpfälzische Gesundheitsamt betonten unisono, dass „aktuell kein Grund zur Panik für die Eltern, Schülerinnen und Schüler im Saarpfalz-Kreis und darüber hinaus“ bestehe; „weitere Maßnahmen zur Klärung“ seien am Laufen. Nach der Ehefrau und dem Sohn des 50-Jährigen sollen bis Mittwochvormittag weitere 26 Personen, mit denen der Arzt seit dem Wochenende Kontakt hatte, mit negativem Resultat getestet worden sein.
Vor der Presse hatten Kolling und Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) erläutert, dass der Oberarzt an der Homburger Uni-Kinderklinik am vergangenen Freitag, 28. Februar, einen Ärztekongress in Frankfurt besucht habe. Zu Wochenbeginn habe er bei sich selbst dann „grippeähnliche Symptome“ festgestellt. Man vermutet nun, dass er sich auf dem Kongress bei einem Berliner Kollegen angesteckt haben könnte, der seinerseits positiv auf Covid-19 getestet wurde. In einem Risikogebiet wie der chinesischen Provinz Hubei oder Norditalien habe sich der Homburger Oberarzt nicht aufgehalten.
Am Klinik-Eingang liegt Schutzausrüstung bereit
Gebäude 9 des Homburger Uniklinikums, in dem neben der Kinder- auch die Frauenklinik untergebracht ist, bleibt bis auf Weiteres geöffnet. Am Dienstagabend wurde es eine Zeit lang geschlossen, um „Schutzmaßnahmen“ vorzubereiten, wie Stephan Kolling sagte. Für Besucher liegt im Eingangsbereich jetzt Schutzausrüstung bereit, wie etwa Atemmasken. Niemand müsse Bedenken haben, das Klinikgebäude zu betreten. Eine Schließung hält Kolling schon deshalb nicht für ratsam, weil in der als „bedarfsnotwendig“ eingestuften Klinik unter anderem schwer krebskranke Kinder liegen, die man nicht so ohne Weiteres in andere Krankenhäuser verlegen könne. Eine strenge Trennung der kleinen Patienten von den Quarantäne-Personen sei gewährleistet. Trotzdem, so Kolling, hätten Kinderkliniken in Neunkirchen, Saarbrücken und Saarlouis Kapazitäten freigemacht, um notfalls Patienten aus Homburg zu übernehmen.
Der positiv getestete Homburger Oberarzt habe noch am Sonntag und Montag im Krankenhaus seinen Dienst versehen und Kontakt mit Patienten und Ärzten gehabt. Dann habe er sich wegen seiner Symptome untersuchen lassen. Laut Barbara Gärtner, Virologin am Uniklinikum, habe sich der 50-Jährige von Anfang an sehr umsichtig und kooperativ verhalten. So habe er eine detaillierte Liste mit allen Personen erstellt, mit denen er seit dem Frankfurter Kongress Kontakt hatte – auch mit privaten Bekannten sowie Patienten in der Kinderklinik und deren Angehörigen. Alle aufgelisteten Personen würden nun seit Dienstagnachmittag kontinuierlich auf das Virus getestet.
Mobiles Ärzteteam testet Bürger zuhause
Ab Donnerstag, 5. März, soll ein „mobiles Ärzteteam“ bereitstehen, das saarlandweit Personen zuhause aufsuchen und testen kann, wenn diese den begründeten Verdacht haben, dass sie sich mit dem neuartigen Virus angesteckt haben könnten.
Im Saarpfalz-Kreis koordiniert Landrat Theophil Gallo (SPD) persönlich die Corona-Aktivitäten des Gesundheitsamtes und anderer beteiligter Einrichtungen. Er berichtete, dass er am Dienstagnachmittag um 16 Uhr über den Fall des Homburger Kinderarztes unterrichtet worden sei. „Wir haben ja schon Ende voriger Woche in der Kreisverwaltung einen Krisenstab eingerichtet. Sigrid Thomé-Granz, die Leiterin unseres Gesundheitsamts, hat am Dienstag sofort mit Ministerin Bachmann telefoniert; um 17.30 Uhr hatten wir dann einen gemeinsamen Termin im Saarbrücker Ministerium.“ Das Gesundheitsamt stehe in Kontakt mit den Ärzten in Frankfurt. Der Landrat: „Wenn die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Stellen weiterhin so reibungslos funktioniert, dann können wir, glaub’ ich, mit der Lage gut umgehen.“
Info
- Die Corona-Hotline des saarländischen Gesundheitsministeriums ist montags bis freitags, 7 bis 22 Uhr, unter Telefon 0681/ 501-4422 erreichbar. E-Mail-Kontakt: Lagezentrum@soziales.saarland.de
- Veranstalter können Risikobewertungen für Großveranstaltungen über die Internetseite www.bmi.bund.de einsehen.