Sankt Ingbert / Homburg
Anna Elbert wählt den Bundespräsidenten
Im neugewählten Bundestag ist das Saarland mit neun Abgeordneten vertreten. Doch nicht nur solche wählen am 13. Februar als Mitglieder der Bundesversammlung den künftigen Präsidenten. Genauso hoch ist die Zahl jener Wahlleute aus dem Saarland, die vom Landtag in die Versammlung nach Berlin entsandt werden. Das können Politiker sein, müssen es aber nicht. Wie im Falle gleich zweier Intensivpflegerinnen, die an den Homburger Unikliniken ihre Brötchen verdienen: Bei ihnen handelt es sich um die Homburgerin Agnieszka Hauptmann, die von der CDU geschickt wird, und um Anna Elbert aus St. Ingbert.
„Für mich ist diese Nominierung natürlich eine ganz große Ehre“, freut sich Anna Elbert auf ihre Mission in der Bundeshauptstadt. „Da hat man natürlich schon ein bisschen Bammel, was da so auf einen zukommt.“
Anerkennung fürs Pflegepersonal
Dass die Saarpfälzerin die einzige Nicht-Politikerin ist, die mit dem Ticket der Saar-SPD zur Präsidentenwahl gen Berlin fliegen wird, „hat mit meinem Beruf als Gesundheits- und Krankenpflegerin zu tun“, erzählt die St. Ingberterin. „Natürlich war ich überrascht, als mich die Verdi-Gewerkschaftssekretärin Lisa Summkeller vor einiger Zeit gefragt hatte, ob sie meine Daten an die Partei weiterleiten darf.“ Mitte Dezember wurde Elbert dann vom SPD-Landtagsfraktionsvorsitzenden Ulrich Commerçon am Telefon darüber informiert, dass sie tatsächlich den Zuschlag erhalten hat.
Sowohl die Sozial- als auch die Christdemokraten an der Saar würdigen mit ihrer Vertreterauswahl den Einsatz, den das Pflegepersonal an den Homburger Universitätskliniken leistet. Anna Elbert engagiert sich in ihrem Beruf zudem in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. In deren Diensten hat sie sich in Homburg in die Organisation der beiden größeren Pflegerstreiks der jüngeren Zeit eingebracht. „Im Jahr 2018 haben wir ja erstmals einige Entlastungstage erkämpft.“ Als neulich an der Uniklinik erneut gestreikt wurde, saß Anna Elbert beim Vereinbaren von Notdiensten zum Aufrechterhalten der Patientenversorgung mit am Verhandlungstisch.
Gespräche zum brennenden Thema Pflege?
In der Bundeshauptstadt wird sich die Saarpfälzerin nur am 12. und dem Wahlsonntag am 13. Februar aufhalten. Anschließend führt sie der Weg sofort wieder zurück nach Hause.
Um in Corona-Zeiten einigermaßen für Abstand zwischen den vielen Wahlleuten sorgen zu können, tagt die Bundesversammlung diesmal nicht im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes. Stattdessen wird der Bundespräsident ausnahmsweise auf den weitläufigen Etagen des Paul-Löbe-Hauses gewählt, eines Nebengebäudes des Bundestages in direkter Nachbarschaft zum Reichstag. „Wie der Wahlakt genau vonstatten geht und was ich dort im Einzelnen zu tun haben werde, weiß ich im Moment noch nicht“, räumt Anna Elbert ein. „Als Pflegekraft und Gewerkschafterin würde ich mir natürlich wünschen, mit der ein oder anderen wichtigen Persönlichkeit ins Gespräch über eine Verbesserung unserer Situation zu kommen. Ich bin schon der Meinung, dass das Gesundheitswesen momentan stark in der Diskussion ist. Allerdings immer noch nicht genug.“
Saarländer in der Bundesversammlung
- Für die saarländische SPD-Landtagsfraktion reisen die SPD-Landesvorsitzende Anke Rehlinger (Wadern), Fraktionschef Ulrich Commerçon (Saarbrücken) und Anna Elbert am 13. Februar als Mitglieder der Bundesversammlung nach Berlin.
- Die CDU-Fraktion entsendet fünf Vertreter in die Bundeshauptstadt. Dies sind die Homburger Uni-Intensivpflegerin Agnieszka Hauptmann, Ministerpräsident Tobias Hans (Neunkirchen-Münchwies), Brigitte von Boch (Villeroy & Boch Mettlach, Hotel Linslerhof Überherrn) Brigadegeneral Jens Arlt aus Hannover (Evakuierungseinsatz aus Afghanistan) und Dardan Tërstena aus Saarlouis (IG Metall, Azubi-Vertretung bei Dillinger Stahl).
- Die Linken-Fraktion schickt ihr Mitglied Dennis Lander (Saarbrücken).
- Mitglieder der Bundesversammlung werden auch die neun saarländischen Bundestagsabgeordneten sein. SPD (4): Esra Limbacher (Homburg), Heiko Maas (Saarlouis), Josephine Ortleb (Saarbrücken), Christian Petry (St. Wendel). CDU (2): Markus Uhl (Homburg), Nadine Schön (St. Wendel). FDP: Oliver Luksic (St. Wendel). Linke: Thomas Lutze (Saarbrücken). AfD: Christian Wirth (Niederwürzbach).