Rhein-Pfalz Kreis Zwischen Infrastruktur und Lebensqualität

Wird die Pfalz zum Freizeitpark von Mannheim? Vertreibt Straßenbau die Touristen oder lockt er Unternehmen an? Was muss getan werden, damit die Region ein beliebter Wohn- und Arbeitsort bleibt? Wie also wird sie sein, die „Zukunft an der Weinstraße“? Am Freitag hatte das gleichnamige Forum zur Podiumsdiskussion über diese und weitere Fragen ins Dürkheimer Autohaus Köhler geladen.
Geschätzte 50 Zuhörer waren der Einladung des Forums gefolgt, das vor zwei Jahren aus der Initiative Ungstein 21 hervorgegangen ist und sich für einen möglichst schnellen Bau der neuen Bundesstraße 271 zwischen Bad Dürkheim und Grünstadt einsetzt. Ob es ein „Wir-Gefühl“ an der Weinstraße gebe, wollte Moderator und CDU-Bundestagsabgeordneter Johannes Steiniger von Parteifreund Hans-Ulrich Ihlenfeld wissen. Davon zeigte sich der Landrat des Kreises Bad Dürkheim überzeugt, wies aber darauf hin, dass die Südpfalz in den vergangenen Jahren enorm aufgeholt habe und zu einer Marke geworden sei. „Das können wir auch“, ist Ihlenfeld sicher, allerdings gehöre dazu auch eine zeitgemäße Infrastruktur. Robert Brunner ist Gründungsmitglied des Forums und Bürgermeister der Gemeinde, die als nächste von ebensolcher Infrastruktur profitieren wird: Die Kirchheimer Umgehung wird im kommenden Jahr fertig. Er berichtet vom zunehmenden Tourismus in der Gemeinde, von stetig steigenden Gästezahlen und von der Hoffnung auf Entwicklung. Ohne den Durchgangsverkehr werde der Ort sich zum Positiven verändern. In die gleiche Kerbe schlägt auch Jens Guth. Der Wormser SPD-Landtagsabgeordnete outete sich als einer der vielen Tagestouristen, die an Wochenenden die Weinstraße bevölkerten und attestierte Ungstein „ein Riesenpotenzial“, wenn es gelänge, den Verkehr aus dem Ort zu bekommen. Allein auf den Tourismus zu setzen, hält Jürgen Vogel, bei der Industrie- und Handelskammer für Standortpolitik zuständig, für gefährlich. Zwar würden Unternehmen durch die hohe Lebensqualität in die Region gelockt, andere Standortfaktoren wie Breitbandversorgung und Verkehrsinfrastruktur seien noch ausbaufähig. Den Mittelstand anzulocken, sei ein Ziel des Kreises Bad Dürkheim, betonte Ihlenfeld. Im Kreis gebe es zwar hohe Einnahmen aus der Einkommen-, dafür aber vergleichsweise geringe Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Als Beispiele dafür, wie wichtig gute Verkehrsanbindungen seien, nannte er Metro in Kirchheim als letzte große Ansiedlung und die steigende Nachfrage nach Büroräumen in Dürkheim und Umgebung, seit bekannt ist, dass die Ludwigshafener Hochstraße abgerissen werden soll. Moderator Steiniger brachte den Zielkonflikt zwischen Tourismus und Infrastruktur zur Sprache: Straßenbau sei immer ein Eingriff in die Landschaft. Die positiven Effekte der neuen B 271 überwiegen nach Überzeugung Ihlenfelds. Für Christoph Trinemeier stellen die beiden Ziele keinen Widerspruch dar. Der Direktor der Metropolregion Rhein-Neckar betonte jedoch, dass Umgehungsstraßenbau allein nicht reiche, sondern die Dörfer sich weiterentwickeln und so für Bewohner wie Touristen attraktiver werden müssten. Eine starke Nachfrage nach Wohnraum entlang der Weinstraße treibe die Preise hoch, bestätigte Sparkassenchef Andreas Ott und räumte ein, dass junge Familien kaum mehr Bezahlbares fänden. Die anschließende Fragerunde nutzten Vertreter der Pro-Ost-Bewegung, die ihre Interessen auf dem Podium nicht vertreten sahen, um ihren Protest gegen die geplante Brücke zwischen Kallstadt und Herxheim zu äußern. Ihlenfeld kündigte an, im Sommer alle Beteiligten zum Gespräch über Details der Straßenführung zu bitten. Eine erneute grundsätzliche Trassendiskussion werde es dabei aber nicht geben.