Mutterstadt Zungenschrittmacher statt Schlafmaske bei Schlafapnoe
Herr Wintrich, zwischen vier bis neun Prozent der Bevölkerung leiden unter dem sogenannten Schlafapnoe-Syndrom, Tendenz steigend. Seit einigen Jahren können ihnen auch Zungenschrittmacher eingesetzt werden. Ist diese Methode das neue Allheilmittel für die Betroffenen?
Die Therapie mit der bekannten CPAP-Maske ist weiterhin der Goldstandard, diese ist immer die erste Therapie bei Patienten mit dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom. Es gibt aber auch Menschen, die beispielsweise eine Maske nicht tolerieren können, sie haben Beklemmungen oder können sich das einfach nicht vorstellen, die ganze Nacht mit einer Maske zu schlafen. Und es gibt Patienten, die unter erheblichen Nebenwirkungen durch das Benutzen der Maske leiden, beispielsweise Entzündungen am Auge oder ausgetrocknete Schleimhäute. Für diese Menschen ist der Zungenschrittmacher als Alternative zur Schlafmaske ein gut bewährtes Mittel.
Bitte erklären Sie doch einem Laien kurz, wie ein solcher Zungenschrittmacher funktioniert!
In einer etwa zweistündigen Operation werden dem Patienten ein Schrittmacher mit Atemsensor sowie eine Elektrodenmanschette in das Fettgewebe unter der Brust eingesetzt. Es gibt an der Zunge einen sogenannten Unterzungennerv, der dafür sorgt, dass sich die Zunge bewegt. Dieser Nerv ist in unterschiedliche Fasern unterteilt, unter anderem auch solche, die die Zunge nach vorn bewegen. Operativ wird um diese Fasern die Elektrodenmanschette gelegt, welche den Unterzungennerv stimulieren soll. Gesteuert wird das über den Schrittmacher, der unter die Haut auf der rechten Brustseite implantiert wird. Der Schrittmacher hat zudem einen Sensor, der die Atembewegungen misst. Die Einatmung wird vom Atemsensor registriert und der Schrittmacher gibt über die Manschette einen Reiz an die Nerven ab, um die Zunge nach vorne zu bewegen. Dadurch wird der Atemweg offengehalten. Das ist das Problem bei obstruktiven Schlafapnoe-Patienten: Der Atemweg fällt zusammen, sie bekommen keine Luft.
Für wen ist so ein Zungenschrittmacher geeignet und für wen nicht?
Es gibt einige Kriterien, die das Implantieren des Zungenschrittmachers ausschließen. Das wichtigste Kriterium ist ein zu hoher Body-Maß-Index (BMI), also bei Patienten mit einem BMI von über 35. Bei ihnen funktioniert der Zungenschrittmacher nicht mehr. Viele Schlafapnoe-Patienten sind stark adipös, für diese Patienten kommt der Schrittmacher nicht infrage. Es gibt aber auch viele Patienten, die einen BMI von 35 und weniger haben. Für diese ist es eine gute Alternative bei Maskenunverträglichkeit. Bei richtiger Indikationsstellung können bei bis zu 90 Prozent der Patienten, die einen solchen Hypoglossus Schrittmacher haben, gute Therapieergebnisse erzielt werden. Sie schlagen gut darauf an, steigern so ihre Lebensqualität, können sich besser konzentrieren und sind tagsüber nicht so müde. Voraussetzung ist aber auch, dass dieser jede Nacht benutzt, also eingeschaltet wird.
Noch Fragen?
Die Gesundheitsmesse der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Mutterstadt und Umgebung ist am Samstag, 15. März, ab 9 Uhr im Mutterstadter Palatinum. Der Eintritt ist frei. Vorträge sind: um 10.30 Uhr, „Allgemeines zu Impfungen“; um 11.30 Uhr, „Aktiv bleiben mit Arthrose und/oder künstlichem Gelenk“; um 13 Uhr, „Der Zungenschrittmacher – eine weitere Therapieform des OSAS“; um 14 Uhr, „Unser Körper und Hanf“ und um 15 Uhr, „Was Sie schon immer über Steine wissen wollten“
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Zur Person
Dr. med Tim Wintrich ist 29 Jahre alt. Er hat 2020 sein Medizinstudium an der Universitätsklinik des Saarlands abgeschlossen und arbeitet seit Juni 2021 als Assistenzarzt für Hals-Nasen-und Ohrenheilkunde am Caritas Klinikum in Saarbrücken. Dort ist er in der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Chefarztes Klaus Bumm unter anderem für die Zungenschrittmacher-Patienten zuständig.