Rhein-Pfalz Kreis Zum Essen fast zu schade

Mutterstadt. Aus ganz normalen Muffins kunterbunte und kunstvoll verzierte Cupcakes machen: Wie das geht, haben 20 Teilnehmerinnen am Donnerstagabend bei einem Kurs der Landfrauen Mutterstadt gelernt. Andrea Jung, stellvertretende Vorsitzende im Kreisvorstand Vorderpfalz der Landfrauen, hat im Haus der Vereine gezeigt, was alles möglich ist, wenn man weiß, wie man mit Fondant arbeitet. Fledermaus, Engel, Blumen, Schmetterlinge – der Kreativität der 20 Frauen war keine Grenze gesetzt.
„Wir haben keine Pinsel dabei“, meint eine Teilnehmerin, als sie den Materialtisch von Kursleiterin Jung begutachtet. Diese kann sie jedoch beruhigen: „Ich habe alles dabei, gar kein Problem.“ Schon vor dem offiziellen Start um 19 Uhr herrscht im Saal munteres Treiben. Während die Teilnehmerinnen ihren Arbeitsplatz mit den mitgebrachten Utensilien ausstaffieren, werden im Küchenbereich noch die letzten Vorbereitungen getroffen und Schokolade geschmolzen, die für die Zubereitung der Cremes benötigt wird. Diese werden später als Toppings gebraucht. Doch bis die 20 Damen selbst ans Werk gehen können, dauert es noch eine Weile. Vor der Praxis steht erst einmal die Theorie. Dabei wird schnell klar: Es handelt sich hier keineswegs um einen Koch- oder Backkurs, sondern vielmehr geht es ums kreative Gestalten. Das wird auch schon im Kursnamen „Anhand von Cupcakes das Verzieren von Torten lernen“ angedeutet. „Etwas Theorie ist zwingend notwendig“, sagt Jung, bevor sie schnell erklärt, wie die vorbereiteten Toppings zubereitet wurden: „Schokolade schmelzen und mit Butter und Frischkäse verrühren – das ist kein Hexenwerk.“ Dann kommt sie auf das Hauptmaterial des Abends zu sprechen: Fondant. Diesen hat sie in zwei unterschiedlichen Zusammensetzungen mitgebracht. Einmal Rollfondant, der zum Überziehen eines Kuchens geeignet ist, und den in der Struktur festeren Modellierfondant, mit dem sich problemlos Blumen und Figuren formen lassen. „Fondant ist eine Diva“, berichtet Jung, denn „er ist nicht für alle Untergründe geeignet, besonders nicht, wenn diese zu feucht sind“. Einen Tipp für die richtige Aufbewahrung im Kühlschrank hat sie auch parat: „Ohne Abdeckung kühl stellen, denn sonst schwitzt der Fondant und die ganze Arbeit ist dahin.“ Ans Werk dürfen sich nun auch die Teilnehmerinnen machen. Reihum schnappen sie sich das „Buttersäckchen“ – ein mit Puderzucker und Speisestärke befülltes neues Tuch – und schlagen es so stark aufs Brettchen, bis dieses gut gepudert ist. Nun kann der Rollfondant, der zuvor schon mittels Lebensmittelfarbe nach Belieben koloriert und gut durchgeknetet wurde, problemlos ausgerollt werden. Gläser dienen als Ausstecher für die runde Fondant-Abdeckung der Muffins. Mutige Damen wie Heike Fehmel und Ina Steig verpassen gleich dem ganzen Muffin eine Fondanthülle. Richtig geschickt geht Sophie Steig vor, denn die 18-Jährige hat gemeinsam mit Mutter Ina schon zahlreiche Motivtorten gebacken. So hat sie keine Probleme, ihren blau umhüllten Muffin mit etlichen kleinen Blumen und einem Schmetterling zu verzieren. „Aber das ist mir hier fast schon zu kleinteilig, Torten zu verzieren liegt mir mehr“, meint sie, während sie geduldig eine Perle nach der anderen in die Mitte der Blüten platziert. „Wo ist der Kleber?“, fragt Anke Gornik in die Runde, und schwupps wird ihr das Döschen mit dem Lebensmittelkleber gereicht. Dieser dient dazu, die ausgestochenen Motive auf den Cupcakes anzubringen. „Den Kleber nur in homöopathischen Dosen verwenden, sonst wird der Fondant weich“, erklärt Jung, die schon sehr erfreut über die Ergebnisse ist. Da prangen Margeriten, Blätter oder Schmetterlinge in den unterschiedlichsten Farben auf den Cupcakes. „Das ist eigentlich viel zu schade zum Essen“, meint Pia Kroner. „Da macht der Mann zwei Happen und sagt dann, dass man das ,Komische owwedruff ’ das nächste Mal weglassen kann“, sagt Gornik und löst damit bei den Frauen einen lauten Lachanfall aus, bevor die Konzentration wieder dem Fondant gewidmet wird. Erneut werden die Hände mit Palmin soft eingecremt, damit die Zuckermasse nicht an den Fingern kleben bleibt. Dann wird genauso verfahren wie zuvor, nur muss der Modellierfondant „schneller verarbeitet werden, da er schneller fest wird“, erklärt Jung, die noch verrät, wie man gefärbtes Fondant von unschönen weißen Puderzuckerflecken, die beim Ausrollen entstehen, befreien kann:„Mit Wodka, da wird er auch schön glänzend.“ „Tausche Gelb gegen Grün“, sagt Pia Kroner und ihre Aufforderung wird erhört. Sekunden später haben die Fondantmassen ihre Besitzerinnen gewechselt. Blätter, Blumen und Vögel werden aus der Masse ausgestochen, gebogen und über Gläserränder gehängt. Sobald sie fest geworden sind, landen sie auf dem Topping, das Jung bereits mit Hilfe eines Spritzbeutels auf den Muffins verteilt hat. Eingebettet in braune oder weiße Schokolade lachen nun Rosen, Kleeblätter, Tauben und Engel von den Cremehauben. Perlen und glitzernder „Feenstaub“, den Jung vorsichtig auf die Motive pinselt, vollenden die Verzierungen der süßen Leckereien. „Jetzt wissen wir auch, was es morgen zum Kaffee gibt“, meint Hella Hutzel schmunzelnd – kleine essbare Kunstwerke...